In Erinnerung an Steffen Meyn

Steffen Meyn, seit 2015 Student an der KHM, ist am 19. September im Hambacher Forst tödlich verunglückt.

traurig und wütend und wach


oft denke ich, man kann ja nichts richtig machen, weil einfach die ganze welt so falsch ist. und trotzdem muss man es versuchen, zumindest diesen einen widerspruch gilt es auszuhalten, wenn man sonst schon nichts aushält. no way, dass es jemals gut sein wird auf dieser welt, da ist nichts zu machen, aber deswegen lehn ich mich doch nicht zurück. ich warte nicht ab, bis das unrecht zündet und das system von alleine einstürzt. so verdrücken sich zyniker. umso mehr ich weiss, dass die welt im eimer ist, umso mehr will ich dagegen ankämpfen. steffen hat dagegen angekämpft, unermüdlich. er hat engagement gezeigt ohne naivität, hat friedlich gefightet, ohne verbitterung, ohne hass. er war schlau und witzig und schön. er hat alles richtig gemacht und einen fehltritt.

sich einen fehltritt zu leisten sagt man, das muss man können. viele aber können sich keinen fehltritt leisten, er kommt sie teuer zu stehen oder sie bezahlen dafür mit ihrem leben. andere wiederum, wenige, können sich fehltritte leisten so viel sie wollen, denn zahlen müssen andere dafür. das ist praktisch, so geht ihnen das geld nie aus und so geht ihnen die macht nie aus. denjenigen, nach deren vorstellungen die welt eingerichtet ist, die sich einfach nehmen was sie wollen.

steffen hat sich die dinge nicht einfach genommen, sondern sich der dinge angenommen. er hat sich etwa des hambacher forsts angenommen, diese sache zu seiner sache gemacht. der konzern macht sich die welt untertan, während sich steffen die welt angeeignet hat. spielerisch und behutsam und leidenschaftlich, künstlerisch und dokumentarisch. beim hambacher forst geht es nicht nur um ein stück wald, es geht um ein grundsätzliches in der welt sein, um ein in-beziehungtreten mit dem, was uns umgibt.

engagiert sein, wie steffen, und trotzdem nicht in hysterie geraten, das ist die herausforderung. empört sein und wütend, ohne den hass das kommando übernehmen zu lassen. nicht auf leichte lösungen herein fallen und die schuldigen unter den schwächsten suchen, sondern sich mit denen anlegen, gegen die man keine chance hat. fighten. und sich auf keinen fall rausreden und sich selbst einlullen. auf keinen fall das schwache argument vorbringen: “aber uns geht es doch gut, wir können uns nicht beschweren, wir können nicht klagen.” haha und danke setzen. uns geht es nicht gut. und wir beschweren uns und wir klagen, wir klagen an. nicht trotz, sondern wegen unseres reichtums geht es uns schlecht, weil wir wissen, dass dieser unser reichtum immer auf kosten anderer geht, auf kosten ausgebeuteter menschen, ausgebeuteter tiere, gewässer und wälder und allem anderen, das sich nur irgendwie ausbeuten lässt. bleibt uns vom leib mit eurer schläfrigen zufriedenheit. wir sind traurig und wütend und wach.

aber ständig werden wir zu kompliz*innen, ordnen uns ein und unter. wir gehen einkaufen in supermärkten und modeketten, deren art zu wirtschaften uns ekelt, zahlen steuern an einen staat, den wir so nicht wollen, arbeiten für typen, die uns ausbeuten. das alles muss einem zumindest weh tun, damit man es nicht vergisst. und natürlich, viele halten diesen schmerz nicht aus. leichter ist es, mitzulaufen. abnicken, durchwinken, sich an die regeln halten.

wer gegen menschen vorgeht, die sich in 20 meter höhe befinden, auf bäumen, weiss genau, was dabei passieren kann. steffens tod war nicht gewollt, aber geduldet. er wurde in kauf genommen. er war ein unfall und ein unrecht zugleich.

“wenn wir es nicht machen würden”, so sagen die gehorsamen, “wenn wir es nicht machen würden, würde es halt jemand anderer machen.” und genau das unterscheidet sie von steffen und seinen mitstreiter*innen. denn würden sie es nicht machen, würde es eben kein anderer machen. sie sind nicht austauschbar, sie sind unersetzlich. ich selbst hätte das enorme engagement von steffen nicht aufbringen können, hätte dieser belastung nicht standgehalten. ich danke ihm und allen anderen, dass sie das, was sie tun, auch für mich tun.

“es lohnt sich nicht, weiterzukommen, wenn man sich selber dabei nicht mitnehmen darf.” (dietmar dath)
dich nehmen wir mit, lieber steffen, haben dich bei uns, in gedanken und worten und taten. rest in power!


franz-xaver franz, 24.09.2018

Sanft und Wach

Wir haben Steffen vor allem als Mitglied des Senates erfahren, von seinen anderen Aktivitäten hatten wir keine Ahnung.
Um so schockierender die Nachricht von seinem Tod, um so schmerzlicher die Lücke, die plötzlich gerissen wurde.
Sein Engagement im Senat spiegelt nur einen kleinen Ausschnitt seines bedingungslosen Einsatzes für politische und gesellschaftliche Belange: Nie nur an sich selbst denken und sich da einbringen, wo es alle angeht.

Eine Mitgliedschaft als Studierender im Senat ist gesetzlich zwar etwas Normales und trotzdem nichts Selbstverständliches.
Einer Riege von meist festangestellten Mitarbeitern gegenüber die Belange der Studierenden zu vertreten und die Geschicke der Hochschule mitzudenken, obwohl nur zeitlich begrenzt deren Angehöriger; mitzudiskutieren, obwohl die Verästelungen und Geschichten der Agenda oft zeitlich lange zurückreichen und deren Auswirkungen die eigene Studienzeit überschreiten, erfordert eine hohe Bereitschaft zu kritischer Begleitung des Betriebs und Mut, bei unklaren und unangenehmen Themen so lange zu bohren, bis sich die eingefahrenen Rädchen entzahnen und das Getriebe sich öffnet, um einen Blick auf sein eigenes Funktionieren zu werfen.
So haben wir ihn  erlebt: Er hat die oft langen Sitzungen nicht nur wach mitgetragen sondern uns auch sanft insistierend und nachfragend immer wieder daran erinnert, dass die Vorgänge dort nur ein Ziel haben können: Die Hochschule zu einem besseren Platz für Alle zu machen.
Das jetzt in der Vergangeheitsform schreiben zu müssen ist sehr schmerzlich, aber dafür sind wir ihm unendlich dankbar, dafür werden wir ihn sehr vermissen.

Beate Gütschow, hans w. koch
Senatsvorsitzende, 28.10.2018




Non réconcilié


Als ich von Steffens Tod erfuhr, befand ich mich gerade in Halle, 500 Kilometer entfernt von dem Ort, an dem dieser gestorben war. Es war mir unmöglich, dieses Ereignis mit distanziertem Blick zu verfolgen, und so hatte der räumliche Abstand keine beruhigende Wirkung. Ich verfolgte hilflos und verzweifelt die Nachrichten, ohne in das Geschehen eingreifen zu können. Erst nach meiner überstürzten Abreise fand ich die Gelegenheit, einige Tage am Hambacher Forst zuzubringen.


Jede*r, die*der eine Sitzblockade durchgemacht hat, oder sich nachts an den Flutscheinwerfern und den im Wald postierten Polizeifahrzeugen vorbei geschlichen hat, kennt den Stress, den eine solche Situation verursacht. Ein Großteil dieses Stresses resultiert aus deren Kontingenz. Unvorhersehbar, ja willkürlich, erscheint die Reaktion der Agent*innen der staatlichen Repressionsorgane auf die Handlungen zivilen Ungehorsams seitens der Aktivist*innen. Auch wenn sich Steffens Sturz ohne direkte Fremdeinwirkung ereignet hat: „Unfall“ scheint mir ein Euphemismus, der den konkreten Umständen des Geschehen, deren Gewaltasymmetrie und der damit einhergehenden psychischen und emotionalen Belastung, in keiner Weise gerecht wird.


„Unfall“ und „Unglück“: Begriffe, die die Frage nach den Täter*innen ausklammern. Letzterer insbesondere erweckt den Eindruck einer unausweichlich schicksalhaften Fügung, die von den Zwangszusammenhängen zweiter Natur nichts wissen will. Nicht nur wird dadurch die gesellschaftliche Dimension des Protestes nivelliert – überdies wird Steffens politisches Engagement entwertet. Ein politischer Mensch – wie Steffen es war – hätte ein Recht gehabt, sein Ableben auch politisch gewürdigt zu wissen.


Der Trauer um Steffen mischte sich schnell Wut bei. Wut, befeuert durch die zynischen Aussagen des Innenministers Reul : Dessen Aufforderung an die Aktivist*innen, „die Gefahr, die davon [von Wald, Gelände, (Baum-)Häusern und Bäumen] ausgeht, einfach jetzt zur Kenntnis [zu] nehmen“. Als ob die Waldbewohner*innen absichtlich an Baumaterial gespart hätten, die Tatsache übergehend, dass dieses mühsam an den Einsatzkräften hatte vorbeigeschmuggelt werden müssen. Reul suggerierte dadurch, der Wald sei der vermeintliche Aggressor. An die gesellschaftlichen Bedingungen, die eine solche Konstellation erzwungen hatten, verschwendete der Innenminister keinen Gedanken.

Gelände ist der Begriff, den Reul für den Hambacher Forst verwendet. Gelände ist auch der Begriff, den Kurt Lewin verwendet, um die Phänomenologie der Kriegslandschaft zu beschreiben.


Auf Steffens Beerdigung sprach der Pastor viel von Liebe: Von Loslassen und Abschied nehmen. Von anderen Gefühlen, von der berechtigten Wut, mit der mich der vermeidbare Tod eines zu jung gestorbenen Kommilitonen immer noch erfüllt, sprach er nicht.


Ich meine von Steffen sagen zu können, dass es sein ausgeprägtes Unrechtsgefühl war, was ihn in seinem politischen Handeln antrieb. Steffen besaß in dieser Hinsicht einen sehr präzisen moralischen Kompass; und ein gründliches Missfallen gegenüber vorschneller Urteilsbildung. Er wollte stets die Perspektiven aller Beteiligten kennen und verstehen, bevor er eine Entscheidung traf. Nicht selten hat mich diese Unvoreingenommenheit genervt. Doch musste ich – nach einem Moment der Besinnung – zumeist anerkennen, dass Steffens Unbehagen berechtigt war.


Aus einem Gedicht Brechts stammt der mir unvergessliche Satz: „Auch der Hass gegen die Niedrigkeit / Verzerrt die Züge. / Auch der Zorn über das Unrecht / Macht die Stimme heiser.“ Steffen ist von solchen Deformationen bis zuletzt auffällig frei geblieben. Die Geduld und Aufmerksamkeit, mit der er beharrlich versuchte, allen Menschen in seiner Umwelt gerecht zu werden, hat mich beindruckt. Ich werde seine nachdenkliche Unbeugsamkeit – nicht nur bei der hochschulpolitischen Arbeit – vermissen.


Jonas Hermanns, 07.10.2018

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