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In Erinnerung an Prof. Dr. Alfred Biolek (1934–2021)

Alfred Biolek im Studio A der KHM bei der Aufnahme eines Gesprächs anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der KHM (Foto: Luis Neuenhofer)

Alfred Biolek war Mitglied des Gründungsbeirats der Kunsthochschule für Medien Köln und von 1991 bis 1997 nebenberuflicher Professor der KHM. 1998 wurde er zum Honorarprofessor der Hochschule ernannt. In seinen Seminaren begeisterte er die Studierenden für ein lebendiges, stets überraschendes und qualitativ hochwertiges Fernsehen, als Senatsvertreter engagierte er sich über viele Jahre in der Selbstverwaltung der Hochschule.
Alfred Biolek ist gestern im Alter von 87 Jahren in Köln gestorben. Die KHM verliert mit ihm einen ihrer Mitbegründer, einen großartigen Hochschullehrer, einen großzügigen Freund und Unterstützer. Sie wird ihn in Erinnerung halten. Ein Nachruf von Dietrich Leder, Kollege und Professor von 1994 bis 2021 an der KHM.

Alfred Biolek, der am Freitag, den 23. Juli, im Alter von 87 Jahren starb, war nicht nur ein erfolgreicher Fernseh-Moderator, ein experimentierfreudiger Redakteur und erfahrener Produzent. Er war zugleich ein ordentlich promovierter Jurist, auch wenn er über die Zeit seines Jura-Studiums und die nachfolgende Anstellung im Justiziariat des ZDF ungern sprach, da ihn die Jurisprudenz doch eher langweilte. Und er war seit 1990 nebenberuflicher Professor für Fernsehen an der neugegründeten Kunsthochschule für Medien Köln (KHM).

Er teilte sich mit Dr. Horst Königstein, damals Redakteur im NDR, und Dr. Hansjürgen Rosenbauer, damals Kulturchef des WDR-Fernsehen, eine volle Professur. Drei promovierte Professoren an einer Kunsthochschule, die für ein ambitioniertes, aber stets auch erfolgsorientiertes Fernsehen standen. Das war mehr als ungewohnt, unterstrich aber, dass die KHM nicht eine weitere klassische Kunsthochschule sein sollte, sondern mehr und anderes. Für sie zählten die populären Künste wie der Kinofilm, die Popmusik oder das audiovisuelle Design zu ebenso bedeutsamen Fächern wie die der Bildenden Kunst. Alfred Biolek amtierte zunächst also nicht als Honorarprofessor, sondern war einer von mehreren nebenberuflichen Professoren, die neben ihrer beruflichen Praxis die Studentinnen und Studenten der KHM in die Möglichkeiten eines modernen, gesellschaftlich relevanten und ästhetisch ambitionierten Fernsehens einführten. Zugleich wirkte er in der Selbstverwaltung der Hochschule mit, so saß er mehrere Jahre im Hochschulrat, dem Vorgängergremium des heutigen Senats, in dem sein Wort Gewicht selbst bei denen hatte, die ihn sonst als Fernsehmann nicht unbedingt ernst nahmen. In seinen Seminaren vermittelte Alfred Biolek nicht irgendeinen Wissenskanon. Er verstand seine Lehre als Orte, in denen die Studentinnen und Studenten frei ihre Ideen entwickeln konnten. Er war jemand, der ihnen vieles ermöglichte, Wege bahnte, Hindernisse beseitigte, bis diese Ideen so realisiert werden konnten, wie sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer seiner Seminare das vorgestellt hatten. Eine Art Fernsehlabor, in dem mit viel Leidenschaft und stets gutem Essen, das er für alle kochte, experimentiert wurde.

Er stellte sich in den Dienst dieser Projekte bis in die Selbstironisierung hinein. Um nur ein Beispiel zu nennen: In der Show „Farbfernsehen“, die Claudia Horst (Produktion), Sarah Siegl (Redaktion), Peter Dommaschk (Autor), Ingo Haeb (Moderation), Lars Montag (Live-Regie), Dirk Oetelshoven (Autor) und Uli Wilkes (Bühnenbild und Design) entwickelten und dann in Zusammenarbeit mit dem WDR 1996 unter professionellen Bedingungen realisiert hatten, ist Alfred Biolek als Bühnenarbeiter zu sehen, der einen besonderen visuellen Gag vorbereitet und also sofort von seiner Person ablenkt. Unvergessen auch die Show „No Talk“, mit der Uli Wilkes (Konzept, Design, Regie) 1998 sein Studium an der KHM abschloss. Hier treffen sich sieben bekannte Fernsehmoderatorinnen und -moderatoren in einem Studio, um 45 Minuten lang zu schweigen. Neben Alfred Biolek wirkten an diesem Experiment, das bei seiner nächtlichen Fernsehausstrahlung eine enorme Resonanz und nebenbei auch eine hohe Einschaltquote erreichte, unter anderem Arabella Kiesbauer, Günter Jauch und Roger Willemsen mit.

1998 wurde Alfred Biolek zum Honorarprofessor der KHM ernannt. Der Grund war ebenso einfach wie generös. Er hatte damals erklärt, dass er das Gehalt eines nebenberuflichen Professors nicht mehr bedürfe. Er wollte aber weiter an der KHM arbeiten und unterrichten. Durch den Wechsel im Status gewann die Hochschule eine weitere nebenberufliche Professur hinzu, ohne Alfred Biolek zu verlieren. So war er noch Jahre, nachdem er das Pensionsalter erreicht hatte, für die KHM tätig, beispielsweise moderierte er lange Zeit die jährliche Diplomfeier. Die KHM verliert mit ihm einen ihrer Mitbegründer, einen großartigen Hochschullehrer, einen großzügigen Freund und Unterstützer. Sie wird ihn in Erinnerung halten.


Dietrich Leder



Oliver Schwabe, Kölner Regisseur und Produzent, der in den 1990er Jahren an der KHM studierte und seit zwei Jahren als Gastprofessor hier lehrt, führte 2015 anlässlich des 25-jährigen Jubiliäums der KHM ein Studiogespräch mit Alfred Biolek, in dem er Auskunft über sein Leben und Arbeiten gibt.

Redaktion — Ute Dilger
Studiogespräch mit Prof. Dr. Alfred Biolek anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der KHM 2015
  • 27:04
    +25 KHM: Alfred Biolek
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