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HAUPTSACHE ARBEIT? – In Erinnerung an den Filmemacher Konstantin Faigle

Konstantin Faigle, Tübingen 2007 | Foto: Maximilian Erbacher

Vor sechs Jahren starb der Filmemacher und KHM-Absolvent Konstantin Faigle (1971-2016). In einer Filmmatinee und einem Filmabend präsentieren Wegbegleiter und Freunde eine Auswahl seiner herausragenden Filme, darunter auch zwei Arbeiten, die er während seines Studiums an der KHM realisierte.

Sonntag, 1. Mai, 11 Uhr + 4. Mai, 19:30 Uhr
Odeon Kino Köln
Severinstr. 81, 50678 Köln
Kartenvorbestellungen: 0221/313110 (ab 16 Uhr)

„Teils humorvoll, teils melancholisch.” Oder „wunderbar ketzerisch”. Geht es um die Dokumentarfilme von Konstantin Faigle, fallen höchst unterschiedliche Begriffe. Aufgewachsen im Schwarzwald, beleuchtete der Kölner Filmemacher seine Kindheit im Dorfladen, ein sich depressiv gebendes Deutschland oder den bizarren Kult um den „Gott der Arbeit”. Faigles Werk „steckt voller aktueller Themen”, urteilte die Kölner Stadtrevue im Juni 2021.
Erstmals erinnert eine Filmreihe an den vor sechs Jahren verstorbenen Kölner Filmemacher. Die Veranstaltung wurde von Journalist Matthias Holland-Letz und KHM-Absolvent Maximilian Erbacher organisiert, in Kooperation mit der Kunsthochschule für Medien Köln, dem ZDF, Kick Film München, una film Köln, W-Film Köln, Bayrischer Rundfunk und dem Odeon Kino.


Sonntag, 1. Mai 2022, 11 Uhr bis 16:30 Uhr

Odeon-Kino, Severinstr. 81, 50678 Köln
11:00 Uhr Begrüßung und Einführung: Prof. Dietrich Leder

11:30 Uhr Filme von Konstantin Faigle

„Out of EDEKA”, 2001, 90 Min., 2. Projekt an der KHM
„Materazzo!”, 2003, 26 Min., Diplomfilm an der KHM
„Die große Depression – Eine Komödie zur Lage der Nation”, 2005, 90 Min., ZDF/una film/Film- und Medienstiftung NRW


Mittwoch, 4. Mai 2022, 19:30 Uhr
Odeon-Kino, Severinstr. 81, 50678 Köln

19:30 Uhr Begrüßung

im Anschluss Filme von Konstantin Faigle
„Frohes Schaffen. Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral", 2012, 99 Min., Hupe/Corso, WDR/Film- und Medienstiftung NRW
„Im Baumarkt”, 2013, 29 Min., WDR


Eine Kartenreservierung ist ab Mitte April hier möglich.

Konstantin Faigle wurde 1971 in Sulz am Neckar geboren. Nach dem Abitur und Zivildienst arbeitete er als Schreiner und Psychiatriepfleger in München. Von 1993 bis 1998 studierte er Medientechnik in Stuttgart, von 1999 bis 2002 Regie und Drehbuch an der Kunsthochschule für Medien Köln. Für seinen ersten langen Dokumentarfilm "Out of EDEKA" erhielt er 2001 den Bayerischen Dokumentarfilmpreis, für die Entwicklung seines Debütfilms "Die große Depression" 2003 ein Gerd-Ruge-Stipendium der Film- und Medienstiftung NRW. Seit 2001 arbeitete Konstantin Faigle als freier Autor und Filmemacher für Kino und Fernsehen. Am 16. Juni 2016 ist er in Köln gestorben.

Über Konstantin Faigle:

Konstantin Faigle gehörte zu den besonderen Dokumentarfilmern in Deutschland. Seine Methode beruhte auf der Erkenntnis, dass das, was das Leben ausmacht, nicht in dem aufgeht, was mit einer behutsamen Beobachtung allein abzubilden wäre. Für ihn gehörten Gefühle, Träume, Erinnerungen, aber auch soziale Phantasien zu eben diesem Leben dazu. Er baute deshalb in seine Filme immer wieder inszenierte oder animierte Passagen ein, in denen das, was gefühlt, geträumt, erinnert oder sozial erträumt wird, szenisch aufscheint. So tauchen in „Out of Edeka“ oft komisch anmutende Träume auf, mit denen sich der Ich-Erzähler des Films aus der dokumentarisch erfassten Wirklichkeit des Ladens der Eltern hinwegphantasiert. „Frohes Schaffen“ enthält eine utopische Szene, in denen die gusseiserne Moral einer die Arbeit als Selbstzweck verherrlichenden Gesellschaft zerbrochen ist. Noch ehe einem der leichte Kitschgehalt dieser Utopie bewusst wird, hebt Faigle diese idyllische Szene durch einen harten Schnitt selbst auf. Es ging ihm um die grundsätzliche Alternative zur Arbeitsgesellschaft und nicht um ihre konkrete Gestalt. Noch an einem anderen filmischen Verfahren kann man seinen Zweifel daran, wie die Wirklichkeit alltäglich medial abgebildet wird, erkennen. Er stellt in seinen Filmen oft Fragen, die sichtbar die Befragten irritieren. Es sind Fragen, die an die Selbstverständlichkeit dessen rühren, was als wirklich gilt. Oft beginnen die Befragten im Bild – und mit ihnen die, die das im Kino sehen - über etwas nachzudenken, was ihnen bislang selbstverständlich erschien. Es sind diese Momente, die das filmische Werk von Konstantin Faigle auszeichnen. (Dietrich Leder, 2021)

Zu den Filmen von Konstantin Faigle


„Out of Edeka“, 2001, 90 Min.
Konstantin Faigle unternimmt eine exotische Reise an die Stätte seiner Kindheit: In den Edeka-Laden, den seine Eltern in der schwäbischen Provinz führen. Dafür erhielt er den Bayerischen Dokumentarfilmpreis „Der junge Löwe“. Die Jury urteilte: „Dem Regisseur gelingt in einer Balance zwischen grotesker, surrealer und dokumentarischer Bildersprache ein tragikkomisches Werk…“.
Eine Kick Film Produktion in Koproduktion mit der Kunsthochschule für Medien Köln, BR und SWR und Förderung der Film- und Medienstiftung NRW


„Materazzo!“, 2003, 26 Min.
Die schmerzhaft-witzige Odyssee eines jungen Paares durch Kölner Matratzenläden. So schwer ist die Suche nach der optimalen Schlafunterlage! "Materazzo!" war der Diplomfilm von Konstantin Faigle an der KHM.

„Die große Depression“, 2005, 90 Min.
Konstantin Faigle und Team begeben sich auf die Suche nach der „schweren, deutschen Seele“. Ein ungewöhnliches Road-Movie, kreuz und quer durch Deutschland. Und dann wird der Regisseur auch noch Vater…
Eine Produktion der unafilm in Koproduktion mit dem ZDF/ Das kleine Fernsehspiel, gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW.

„Frohes Schaffen“, 2012, 99 Min.
Der moderne Mensch huldigt einem neuen Gott, dem Gott der Arbeit. Das findet Konstantin Faigle – und hinterfragt diesen Lebenssinn. Eine Mischung aus Essay, Satire und Dokumentarfilm. „Dem Vergnügen dieser Gedankenspiele sollte sich keiner entziehen“, empfahl der NDR.
Eine Produktion von Hupe Film und Konstantin Faigle, in Koproduktion mit dem ZDF/ Das kleine Fernsehspiel und gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW, FFA und DFFF.

„Im Baumarkt“, 2013, 29 Min.
Eine Woche lang beobachtet Konstantin Faigle Kunden und Fachpersonal. Wir lernen „Frau Evelyn“ kennen, erfahren, was eine Domina im Baumarkt macht und welches Holz taugt, um eine „Buddelkiste für Kaninchen“ zu zimmern. „Ein Platz zum Spielen, zum Handwerken. Und zum Philosophieren.“ – Gesendet in der Reportagereihe „Hier und Heute“ (WDR).

Redaktion — Ute Dilger
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