Der Regisseur und Autor lehrte von 1991 bis 2010 Fernsehen an der Kunsthochschule für Medien Köln und teilte dabei seine Erfahrung als Pionier und Entwickler des Fernsehens mit einer ganzen Generation von Studierenden.

Horst Königstein ist am 12. Mai 2013 in Hamburg gestorben. Er war ein wundervoller Kollege, Lehrer und Freund. An seine Haltung und an seine Herzlichkeit werden wir uns immer erinnern.


Nachruf von Prof. Dietrich Leder in der aktuellen Funkkorrespondenz

Wir trauern um Prof. Dr. Horst Königstein

Der Regisseur und Autor lehrte von 1991 bis 2010 Fernsehen an der Kunsthochschule für Medien Köln und teilte dabei seine Erfahrung als Pionier und Entwickler des Fernsehens mit einer ganzen Generation von Studierenden.
Horst Königstein war Autor, Regisseur, Redakteur und Textdichter und schrieb auf vielfältige und einzigartige Weise 40 Jahre deutsche Fernsehgeschichte. Als Regisseur drehte er "Sympathy for the Devil" (1972), "Ringo und die Stadt am Ende des Regenbogens" (1976), "Hard Days, Hard Nights" (1989), "Hamburger Gift" (1992), "Liane" (1996) oder "Jud Süß - ein Film als Verbrechen?" (2001). Gemeinsam mit Heinrich Breloer schuf er als Autor die Dokudramen zu großen deutschen Themen wie „Das Beil von Wandsbek“, (1982) „Das Todesspiel“ (1997) über die RAF, die Trilogie „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ (2001), „Speer und er“ (2005) über Hitlers Architekten und erst vor einigen Jahren noch "Die Buddenbrooks" (2008). Als Redakteur brachte Horst Königstein aber auch Filme auf den Weg wie "Was tun Pina Bausch und ihre Tänzer in Wuppertal?" (1981) von Klaus Wildenhahn oder "Das Phantom von Bonn" (1996) von Claus Strobel.
Mehrfach wurde Horst Königstein für seine Filme mit dem Grimme-Preis und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. 1993 erhielt er die "Besondere Ehrung" des Adolf-Grimme-Preises für seine Verdienste um die Entwicklung des Mediums Fernsehen.
1991 wurde der promovierte Soziologe als Professor an die Kunsthochschule für Medien Köln berufen und baute in den Anfangsjahren diese insbesondere im Bereich Fernsehen zusammen mit den Professoren Hansjürgen Rosenbauer, Alfred Biolek, Klaus Katz und später Dietrich Leder auf.
 
"Mir war er in all den Jahren in der KHM ein Freund, auf den ich mich immer verlassen konnte, der zugleich mit seinem Witz, auch seinem Spott, seiner unruhigen Produktivität einen antrieb und mit sanfter Gewalt dazu zwang, sich nicht einzurichten, sondern Dinge weiterzudenken, zu radikalisieren. An Horst zu denken, heißt deshalb auch, sich der eigenen Prinzipien und Ansprüche zu vergewissern." (Prof. Dietrich Leder, Sprecher des Bereichs Film der KHM).

Horst Königsteins Lehrangebote als nebenberuflicher Professor konzentrierten sich auf wesentliche Kapitel der Geschichte des Fernsehens und auf die Praxis von Essay-, Dokumentar- und Featurefilmen sowie des Dokudramas. Er beschäftigte sich und die Studierenden mit der Frage, wie dieses Laboratorium des Fernsehens funktionierte und wie es in Zukunft betrieben werden könnte. In seinen knapp 20 Jahren als Professor an der KHM verlangte Horst Königstein den Studentinnen und Studenten das Besondere, das Individuelle, die Zuspitzung und die Radikalisierung ab. Er hat auf diese Weise vielen Regisseurinnen und Regisseuren den Weg bereitet, die nun seine Laborarbeit weiterführen. Zu seinen Studierenden, die heute für das Fernsehen und Kino arbeiten, zählen unter vielen anderen: Benjamin Arcioli, Philipp Bank, Christian Becker, Jan Bonny, Lars Büchel, Markus Busch, Reto Caffi, Kai Christiansen, Julia Daschner, André Erkau, Michael Esser, Wolfgang Fischer, Piet Fuchs, Jörn Hintzer, Jakob Hüfner, Lars Jessen, Jan Krüger, Lars Montag, Sandeep Mehta, Heike Mutter, Steffi Niederzoll, Susanne Ofteringer, Dirk Oetelshoven, Daniela Roos, Dirk Schäfer, Oliver Schwabe und Britta Wandaogo.

"Horst wird in meiner Arbeit immer weiterwirken – er war mein Mentor und väterlicher Freund, der mich vertrauensvoll und bedingungslos gefördert und unterstützt hat. Seine hanseatische Art, seine Scharfsinnigkeit, sein Humor, seine Ehrlichkeit und seine liebevolle Treue werden mir fehlen. Ich bin stolz und froh, dass ich ein Teil seines Kosmos sein durfte."
(Oliver Schwabe, Regisseur und Kameramann)

"Horst Königstein ist ein großer Fan gewesen, das hört sich gar nicht so groß an, ist aber mit das Allergrößte. Er konnte das, Fan sein, er hatte Lust an der Teilhabe, am Mitmachen und Mitdenken, am Rumzündeln - wie er wohl selbst sagen würde. Diese Großzügigkeit und diese Haltung, dem Menschen und dem Menschsein mit Interesse, Wachheit und grundsätzlicher Zuneigung zu begegnen, das werde ich nie vergessen. Das von ihm zu lernen, hört nicht auf." (Jan Bonny, Regisseur und Autor)

Zu Ehren von Horst Königstein zeigt der NDR am Mittwoch, 15. Mai, 23:50 Uhr das Doku-Drama "Ich, Ringo und das Tor zur Welt" (2010, 90 Min.) von Oliver Schwabe und Jan Bonny. Die beiden KHM-Absolventen erzählen in dem Film von der Arbeit Horst Königsteins als Filmemacher, Autor und Redakteur und lassen Horst Königstein in Interviews selbst zu Wort kommen. Einiges ist frei erfunden. Wahr ist, dass er eine ähnliche Nase wie Ringo Starr hatte und sich schon immer mit ihm verglich. Die Frage des Reporters im Film nach der Ähnlichkeit setzt eine Rückschau in Gang. Horst Königstein wird gespielt von Matthias Brandt, Tom Schilling und Horst Königstein selbst.
Der Regisseur und Autor lehrte von 1991 bis 2010 Fernsehen an der Kunsthochschule für Medien Köln und teilte dabei seine Erfahrung als Pionier und Entwickler des Fernsehens mit einer ganzen Generation von Studierenden.

Horst Königstein ist am 12. Mai 2013 in Hamburg gestorben. Er war ein wundervoller Kollege, Lehrer und Freund. An seine Haltung und an seine Herzlichkeit werden wir uns immer erinnern.


Nachruf von Prof. Dietrich Leder in der aktuellen Funkkorrespondenz
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