Gelebte Gender-Gerechtigkeit an deutschen Filmhochschulen

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Prof. Bettina Reitz (HFF München), Simone Stewens (ifs Köln), Dr. Maria Furtwängler, Sandra Braun (dffb), Prof. Thomas Schadt (Filmakademie Baden-Württemberg), Prof. Dr. Susanne Stürmer (Filmuniversität Babelsberg)

Vertreter*innen deutscher Filmhochschulen haben ihre Aktivitäten zu Gender-Gerechtigkeit beim 13. Berlinale Empfang der deutschen Filmhochschulen am 25. Februar in der Landesvertretung NRW vorgestellt.

Die Pressekonferenz fand am 25.2. um 15 Uhr in der Landesvertretung NRW in Berlin statt.

Vertreter*innen der deutschen Filmhochschulen haben heute zusammen mit Dr. Maria Furtwängler ihre Aktivitäten für GENDER-GERECHTIGKEIT vorgestellt. Auf der Berlinale 2018 hatten die sechs staatlichen Filmhochschulen eine gemeinsame Selbstverpflichtung zur Geschlechtergerechtigkeit an den Hochschulen und in der Filmbranche abgegeben. Beim heutigen Pressetermin wurde deutlich, dass die Ergebnisse zahlreich und wirksam sind, auf unterschiedlichsten Ebenen ansetzen und wahrgenommen werden.

Übergreifende Zusammenarbeit in der Hochschullandschaft: Synergien mit Signalwirkung

Zwar gab es an vielen Filmhochschulen bereits Ansätze - der Zusammenschluss 2018 führte jedoch zum Austausch von Ideen, Inhalten und Erfahrungen im Sinne eines Bündelns von Best Practices. Gemeinsames Ziel war und ist, ein Bewusstsein zu schaffen für Geschlechterdarstellungen im Film, Frauen für das Filmbusiness stark zu machen und in den Hochschulstrukturen zu signalisieren: Hier wird geschlechter-gerecht gedacht und gearbeitet! Ein gemeinsames Leuchtturmprojekt ist das Mentoring-Programm "Into the Wild": Alle sechs Hochschulen geben hiermit ihren Absolventinnen die Möglichkeit, Teil eines Netzwerkes aus jungen und erfahreneren Frauen zu werden und in einem zweiwöchigen Drehbuchcamp an ihren Ideen zu arbeiten.

Neue Forschungsergebnisse & Verankerung in den Curricula

An nahezu allen Filmhochschulen wurden Lehrveranstaltungen zur Vermittlung von Genderkompetenz, zu den Themen Vielfalt und Inklusion initiiert und in den Curricula verankert. Dazu gehören u.a. Empowerment-Workshops, Coachingprogramme, Reflexionsgespräche zur Geschlechter-Repräsentation und zu diversitätssensiblen Arbeitsprozessen in studentischen Filmprojekten - an der Filmakademie Baden-Württemberg z.B. unter dem Titel "Gender in Progress". Die Filmuniversität Babelsberg unterstützt mit einem speziellen Fonds studentische Filme, die sich aktiv und differenziert mit der Geschlechter-Thematik auseinandersetzen. Die Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) erarbeitete Social Spots zu Gewalt gegen Frauen für die Frauenrechtsorganisation Medica Mondiale (siehe Pressemeldung hier). Auch in der Forschung wurden die o.g. Themen aufgegriffen. U.a. entstand an der HFF München die Studie „Geschlechterrollen im Spiegel der HFF-Abschlussfilme 2015-2018“.

Im Hochschulalltag für Studierende, Lehrende & Mitarbeiter*innen

An allen Hochschulen wurde an der Weiterentwicklung von Frauenförderplänen bzw. Gleichstellungskonzepten gearbeitet. Zentrale Punkte darin sind die Erhöhung der Zahl der Professorinnen, die geschlechterparitätische Besetzung von Gremien, die Entwicklung von Richtlinien zur Verhinderung von Machtmissbrauch, Diskriminierung, sexueller Belästigung und Gewalt oder die Etablierung von Ombudsstellen für eine externe und neutrale Beratung in solchen Fällen. Die Filmakademie Baden-Württemberg beispielsweise lud hochschulintern zur Klausurtagung zum Thema „Gender & Diversity“ für alle Lehrenden und Mitarbeiter*innen ein. Die Kunsthochschule für Medien Köln wiederum thematisierte den Genderaspekt in Berufungsverfahren in zwei Workshops für alle Lehrenden und Mitarbeiter*innen mit Lehranbindung.


Aktionen mit Strahlkraft in die breite Öffentlichkeit

An allen Hochschulen wurden Veranstaltungen mit nationaler und internationaler Vernetzung und Sichtbarkeit durchgeführt. So veranstalteten die drei Münchner Kunsthochschulen gemeinsam den Aktionstag „Respekt!“ mit einer Mischung aus Workshops, Vorträgen sowie auch der künstlerischen Umsetzung der Thematik. An der Filmuniversität Babelsberg fand das Symposium „Raus aus dem Malestream" statt, in dem es u.a. um Filmemacherinnen mit Vorbildfunktion, den Bias in der Filmgeschichtsschreibung und die Sensibilisierung von Studierenden für Genderthemen ging. Die ifs internationale filmschule köln brachte das Thema „Embracing Diversity in European Film Schools“ in einer Twin-Con-ference mit dem europöischen Hochschulverband GEECT und der NFA Amsterdam in den europaweiten Diskurs und erörterte in Amsterdam sowie Köln Best and Worst Practices, bot Workshops an und leitete aus den Ergebnissen einen Vielheitsplan ab. In einer weiteren Konferenz der ifs unter dem Titel „Science Meets Fiction – AI in Fiction and Reality“ in Kooperation mit MEVIS (Fraunhofer Institute for Digital Medicine) und MINTEE (Stiftung für MINT-Entertainment-Education-Excellence) stand u.a. die Repräsentation von Wissenschaftlerinnen in Filmen und Serien im Fokus.

Im Schulterschluss mit der Branche

Mit der MaLisa Stiftung, die Dr. Maria Furtwängler gemeinsam mit ihrer Tochter Elisabeth gegründet hat, wird die Initiative der deutschen Filmhochschulen von einer wichtigen Partnerin mit Brückenschlag zur Branche unterstützt. Die MaLisa Stiftung engagiert sich für gesellschaftliche Vielfalt und die Überwindung einschränkender Rollenbilder in den Medien und damit immer mit Blick auf das aktuelle Branchengeschehen. Auch weitere Partner*innen arbeiten mit den Filmhochschulen zusammen: So wird auch die mittlerweile zweite Runde von "Into the Wild" von namhaften Förderinstitutionen und Firmen unterstützt. Die Filmuniversität Babelsberg bietet mit "Beyond Stereotypes – Genderbewußtes Erzählen" zusammen mit ihrem Erich Pommer Institut und in Kooperation mit der MaLisa Stiftung eine Weiterbildung für Sender und Produktionsfirmen an, die sich über alle Phasen von Stoffentwicklung über Casting und Produktion mit der Frage beschäftigt, wie ein der Vielfalt der Gesellschaft entsprechendes, differenziertes Erzählen jenseits vorherrschender Geschlechterstereotypen in der Praxis aussehen kann.

​​​​​​​Zusammenfassend ist festzustellen, dass an Filmhochschulen ein nachhaltiger Änderungsprozess im Hinblick auf Gender-Gerechtigkeit, Diversität und Inklusion eingeleitet wurde, der auch in die Branche strahlt. Dieses positive Fazit bestärkt die Hochschulpartnerinnen, weiter gemeinsam zu arbeiten.

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