KHM-Heimspiel Spezial: Dokumentarische Kurzfilme im Fernsehen

KHM
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Still aus "Lutwi", Dokumentarfilm von Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier
— von Ute Dilger —

Der Abend stellt kurze Dokumentarfilme von KHM-Absolvent/innen für aktuelle Fernseh- und Online-Formate vor. Das Gespräch mit den anwesenden Filmemacher/innen führt Solveig Klaßen.

Der Abend stellt vier KHM-Absolvent/innen vor, die für ihre kurzen Dokumentarfilme bei aktuellen Fernsehformaten bzw. bei crossmedialen Projekten im letzten Jahr ausgezeichnet wurden. Gezeigt werden „Lutwi“ (2016, 29 Min.) von Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier sowie „Stefan“ (2015, 29 Min.) von Bettina Braun. Beide Filme sind Teile des crossmedialen Projekts „Nordstadtkinder“ des WDR (Redaktion: Hier und heute) über die Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen des Dortmunder Stadtbezirks. Aus der Reihe „Ab 18!“, in der 3sat kreative Dokumentarfilme über die Erlebniswelt junger Erwachsener sendet, wird der Film „Der Struggle ist real“ (2016, 38 Min.) von Britta Wandaogo gezeigt.

"Lutwi" von Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier (2016, 29 Min., in der Reihe "Nordstadtkinder", WDR)
Lutwi ist ein Junge, den das Leben mit großer Wucht trifft: Ihm und seiner Familie droht die Abschiebung in den Kosovo. Lutwi ist es, der beim Rechtsanwalt übersetzen muss, er erklärt seinen Eltern, was in den Briefen der Ausländerbehörde steht. Viel Verantwortung für einen Zwölfjährigen. Aber aufgeben? Für Lutwi keine Option.

Der Film erzählt konsequent aus Lutwis Perspektive. Was jedem Erwachsenen den Boden unter den Füßen wegziehen würde, versucht Lutwi auf seine Art und Weise zu meistern. Es ist die Geschichte eines Jungen, der hin- und hergerissen ist zwischen überbordendem Spiel und erdrückender Unsicherheit.

Das Team – Regie, Buch und Schnitt: Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier, Schnitt: Gerhard Schick, Redaktion: Emanuela Penev, Produktion: WDR, Margot Schimmelpfennig, Projektteam „Nordstadtkinder“: Maik Bialk, Emanuela Penev, Dorothee Pitz, Sophie Schulenburg, Brit Underwood, Auszeichnung: Grimme-Preis 2017, Erstausstrahlung: 9. Mai 2016, WDR, Hier und heute



"Stefan" von Bettina Braun (2015, 29 Min., in der Reihe „Nordstadtkinder“, WDR)

Stefan ist zehn Jahre alt und lebt mit seiner Mutter und vier Geschwistern in einer Einzimmerwohnung in der Dortmunder Nordstadt. Sie sind Roma aus Rumänien. Stefan muss sich täglich großen Herausforderungen stellen: Die Enge der Wohnung, der ständige Geldmangel, das Gefühl, als ältester Sohn den Vater ersetzen zu müssen, der seit drei Jahren im Gefängnis sitzt. Und nicht zuletzt die Anstrengung, die deutsche Sprache zu erlernen. Doch Stefan ist ehrgeizig, kämpft beharrlich und stellt sich auf die fremde Sprache und die Werte ein, die ihm auch seine Mutter Lucica vermittelt. Über allem thront der abwesende und doch allzeit präsente Vater. Ein intimer Einblick in den Alltag der Familie

Das Team – Regie und Buch: Bettina Braun, Kamera: Beate Scherer, Schnitt: Bettina Braun, Gesa Marten, Redaktion: Maik Bialk, Dorothee Pitz, Produktion: B’Braun Produktion im Auftrag des WDR, Projektteam „Nordstadtkinder“: Maik Bialk, Emanuela Penev, Dorothee Pitz, Sophie Schulenburg, Brit Underwood, Auszeichnung: Nominierung, Grimme-Preis 2016 in der Kategorie Information & Kultur, Medienpreis der Kindernothilfe 2016, Erstausstrahlung: 5. Dezember 2015, WDR, Hier und heute



"Der Struggle ist real" (Dokumentarfilm, 2016, 38 MIn.) in der Reihe Ab 18!

„Egal, was du sagst, egal, was du tust – ich mach’s trotzdem“. Das eigene Ich zu finden ist ein großes Projekt: Ich bin jung, will durchstarten und weiß nicht wohin. Ich weiß nicht mit wem und mit welchem Motor ich mich gefühlstechnisch organisiere. Jugend ist gelebter Leichtsinn und Kontrollverlust, wenn die Gefühlswelt auf Hochtouren läuft. Die Filmemacherin Britta Wandaogo dokumentiert ihre Tochter Kaddi in einer neuen Lebensphase, zwischen Mathe-Nachhilfe und Partyplanung, Instagram und familiärer Nähe.

Das Team – Regie und Buch: Britta Wandaogo, Kamera und Montage: Britta Wandaogo, Producer: Merle Rueffer, 2. Kamera: Jan Krämer, Schnittassistenz: Pia Marschmann, Manh Tung Pham, Sounddesign: Claas Berger, Farbkorrektur: Ramin Khadjaviha // Redaktion: Udo Bremer // Produktion: wandaogo Production im Auftrag von ZDF/3SAT, Auszeichnungen: Nominierung Grimme-Preis 2017, Nominierung Preis der deutschen Filmkritik 2017, Erstausstrahlung: 24. Oktober 2016, 3sat, Ab 18!

Medienpreis der Kindernothilfe, 2016

Die Filmemacher/innen und Autor/innen

Jürgen Brügger und Jörg Haaßengier
studierten von 2003 bis 2006 an der KHM. Seit 2005 machen sie gemeinsam Filme – unter anderem den Diplomfilm „Kopfende Haßloch", der mit dem Deutschen Kamerapreis prämiert wurde. Es folgten die Kinofilme „Ausfahrt Eden“ und „Vom Ordnen der Dinge“ (Grimme-Preis 2016) sowie Arbeiten für das Fernsehen u.a. Lutwi (Grimme-Preis 2017). Neben ihrer Kino- und Fernseharbeit realisieren sie dokumentarische Erzählformen fürs Netz – zuletzt die VR-Doku „Inside Auschwitz“ (nominiert für den Grimme Online Award 2017).

Bettina Braun

Studium am Central St. Martins College of Art & Design in London und an der Kunsthochschule für Medien Köln. Seit 1997 Regisseurin und Dozentin für Dokumentarfilm. Ihre Filme laufen auf nationalen und internationalen Festivals und erhalten diverse Auszeichnungen u.a. Phoenix Dokumentarfilmpreis auf der Cologne Conference, Förderpreis des Landes NRW für junge Künstlerinnen und Künstler, Film+ Schnitt, Preis für den besten Dokumentarfilmschnitt, Publikumspreis der Duisburger Filmwoche. Für ihre Dokumentarfilmtrilogie: „Was lebst du?“, „Was du willst“, „Wo stehst du?“ wird sie 2013 mit dem Grimme-Preis Spezial ausgezeichnet. 2016 wurde ihr Kurzfilm „Stefan“ aus der WDR-Reihe „Nordstadtkinder“ für einen Grimme-Preis nominiert und gewann den Medienpreis der Kindernothilfe. Sie ist Gründungsmitglied von LaDOC, Dokumentarfilm-Frauen-Netzwerk, Köln, und Mitglied im Vorstand des Filmbüro NW e.V

Britta Wandaogo

Geboren 1965 in Unna. Postgraduiertenstudium an der Kunsthochschule für Medien Köln von 1993 bis 1996. Diplom mit dem Dokumentarfilm „Bilfou Biga“. 2000 Gründung der Filmproduktion wandaogo-production. Für ihre Filme wird sie mehrfach ausgezeichnet u. a. mit dem CIVIS Medienpreis 2001 für „Liebe Schwarz Weiss“, mit dem Kurzfilmpreis in Gold 2003 für „Die Krokodile der Familie Wandaogo“, mit dem Preis der Jury beim New York Int’l Children’s Film Festival 2014 und dem Filmpreis der Bundeszentrale für politische Bildung 2013 für „Krokodile ohne Sattel“. Sie ist Gründungsmitglied von LaDOC, Kölner Dokumentarfilm-Frauen-Netzwerk und Mitglied im Filmbüro NW e. V. Seit 2010 ist sie Professorin für dokumentarische, journalistische und künstlerische Filmformate im Fachbereich Design an der Hochschule Düsseldorf. Sie lebt in Köln mit ihrer Tochter Kaddi Wandaogo.

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