Martin Baumeister

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Martin Baumeister, Der letzte Sommer. Manuskripte, 2020, Texte

„Er dachte seit langem, sie seien wie die Instrumente, die sie spielten, Imitate von echten Menschen, in geliehenen Leben, zum schnellen Verschleiß bestimmt.“


Martin Baumeister setzt sich in seiner künstlerischen Praxis mit Sprache auseinander. Ein Fokus seiner Arbeit liegt auf der Erforschung der musikalischen Potenziale, die den Worten innewohnen, ihrem Rhythmus, ihrem Klang. Ein anderer Fokus liegt auf den Formen, die sich entweder aus den Anordnungen der Worte selbst ergeben, oder die, tradiert, der Sprache eine Form geben.

Es geht ihm darum, mit der Sprache als einem sinnlich wahrnehmbaren Material zu arbeiten, und die Materialität der Sprache zu erforschen. Dazu gehört auch die Erkundung der Möglichkeiten, Form und Inhalt miteinander zu verweben. So benutzt Martin Baumeister die Sprache nicht als Medium, um etwas Externes auszudrücken, also einen Inhalt zu übermitteln, sondern erforscht, inwiefern sich die Sprache selbst aussprechen kann, inwiefern sie selbst zum Inhalt ihres Ausdrucks werden kann.

In seinem Diplomprojekt „Der letzte Sommer. Manuskripte“ versammelt Martin Baumeister drei Ausschnitte aus Romanmanuskripten, die in den Jahren 2018 bis 2020 entstanden sind. Die Texte stellen unterschiedliche Versuche über den Roman dar. „Milan und Franz“ ist das Ergebnis eines Experiments, in dem es darum ging, mit der Sprache einen Beat zu erzeugen, der sich durch den Roman zieht. „Der letzte Sommer“ ist ein Versuch über eine klassische Romanform, die mit filmischen Ansätzen versetzt wird. „Rotmilan“ wiederum experimentiert mit der Idee, in der Form des Romans und mit den Mitteln der Sprache in Farben, Linien und Formen zu arbeiten, sodass sich vor dem inneren Auge der Lesenden ein Bild manifestieren kann. Nebeneinandergestellt erzählen die Texte aber auch eine eigene Geschichte über das Schreiben von Texten, das Ent- und Verwerfen von Material und die Verselbstständigung von Charakteren. In allen drei Manuskripten tritt eine Figur mit dem Namen Milan auf. Diese Figur verändert sich von Text zu Text jedoch derart, dass ihre unterschiedlichen Manifestationen letztlich kaum noch etwas eint. So wird „Der letzte Sommer“ auch zu einer Meta-Geschichte über einen künstlerischen Prozess, über die Genese von Gedanken und über die Frage, ob ein Name und eine prozessuale Verknüpfung überhaupt reichen können, um eine Identität zu behaupten.


Martin Baumeister, geboren 1991 in Coesfeld, von 2017 bis 2021 postgraduales Studium der Medialen Künste an der Kunsthochschule für Medien Köln; von 2011 bis 2017 Bachelorstudium der Literaturwissenschaften und Philosophie in Bonn sowie Masterstudium der Philosophie in Köln und Warwick.  |  martinbaumeister.com


Diplombetreuung: Prof. Ulrich Peltzer, Alina Herbing, Prof. Dr. Isabell Lorey

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