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Prädikat "besonders wertvoll"

Still aus "dark matter" von Viktor Brim

Der Abschlussfilm von Viktor Brim an der KHM "dark matter" (Experimentalfilm, 2020, 20 Min.) erhält das höchste Prädikat der Filmbewertungsstelle Wiesbaden.

Mit dem Experimentalfilm "dark matter" hat Viktor Brim 2019 sein Studium an der Kunsthochschule für Medien Köln abgeschlossen. Der Film feierte seine deutsche Premiere beim Dok-Leipzig 2020; die internationale Premiere fand beim Festival International du Court-Métrage in Clermont-Ferrand 2021 statt.

Die Deutsche Filmbewertung (FBW) verlieh "dark matter" das Prädikat "besonders wertvoll" mit folgender Begründung: "Der experimentelle Kurzfilm 'dark matter' entzieht sich einer klassischen filmischen Narration und erzählt stattdessen mit den Mitteln eines Gemäldes – und doch auch mit bewegten Bildern. Aber dass es sich überhaupt um Filmaufnahmen handelt, dessen können sich die Zuschauer erst allmählich sicher sein, so sehr macht Viktor Brim zunächst unkenntlich, was seine Kamera da erfasst. Aufnahmen des Tagebaus werden durch Dunkelheit und Tempo bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Die riesigen Maschinen, die schon in "realistischen" Aufnahmen monströs erscheinen, werden im Dunkeln von Brims Szenen endgültig zu apokalyptischen Dämonen, die sich in die Erde fressen. Die Erde selbst erscheint mehr als Materie denn als vertraute Umgebung. Zusätzlich unterstreicht die Tonspur das Artifizielle der Bilder. Fast glaubt man sich auf einem anderen Planeten oder zumindest in einer anderen Zeit, einer dystopischen Zukunft nach der Klimakatstrophe. Zugleich geht von den Bildern etwas Hypnotisches aus, und immer wieder gelingt eine Szene von bizarrer Schönheit. Die Jury begriff den Film als eine Meditation darüber, wie der Mensch die Erde verändert und ausbeutet, in seinen hochästhetisierten Bildern macht er die Zerstörung durch Nutzbarmachung sichtbar, er bewegt und verunsichert zur gleichen Zeit." (Jurybegründung der FBW)

"dark matter" von Viktor Brim (2020, 19:52 Min.)
Seine Tableaus bezeugen in ihrer audiovisuellen Kraft die Hinterlassenschaften der auch unter dem Eindruck der Klimakatastrophe ungemindert voranschreitenden industriellen Ausbeutung des Planeten. In seinem jüngsten Film 'dark matter' (2020) führt Brim eine neue Ebene der Abstraktion ein: Aus dichtem Nebel schälen sich schemenhaft Trümmerreste, Strommasten und Industrieanlagen im spärlichen Licht der Scheinwerfer. Die apokalyptisch anmutende Szenerie wechselt mit Landschaftsbildern, deren hügelige Formen den Faltenwurf eines Samttuches evozieren. Schließlich taucht die Kamera in das riesige, von konzentrischen Fahrstraßen umzeichnete Loch der weltgrößten sogenannten Kimberlitpfeife bei Mirny in Jakutien im Nordosten Sibiriens. Die Konturen der Diamantmiene verlieren sich im tiefen Schwarz des Abgrunds, gleich einem unendlich langsamen Sturz ins Bodenlose. (Text: Florian Wüst)

"dark matter" (2020, Experimentalfilm, 19:52 Min.)
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Regie und Konzept: Viktor Brim; Bildgestaltung: David Schittek; Ton: Danila Lipatov; Sound Effekte: Joel Jaffe; Audio Postproduktion: Judith Nordbrock; Colour Grading: Fabiana Cardalda; Diplombetreuung: Prof. Matthias Müller, Daniel Burkhardt, Prof. Mischa Kuball; Produktion: Kunsthochschule für Medien Köln und Viktor Brim; Förderung: Film- und Medienstiftung NRW

Viktor Brim wurde 1987 in Taschkent, Usbekistan, geboren. Von 2009 bis 2011 studierte er Medienkunst an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und von 2011 bis 2015 Filmregie an der Filmuniversität Babelsberg. Von 2015 bis 2019 studierte er als Postgraduierter an der Kunsthochschule für Medien Köln. "dark matter" ist sein Abschlussfilm an der KHM. Die Experimentalfilme von Viktor Brim werden von Light Cone (Paris) vertreten.

Redaktion — Ute Dilger
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