Drehbuchpreis beim Kinofest Lünen 2017

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Lars Rudolph (links) verkörpert die Rolle des trinkenden Vaters in "Die Körper der Astronauten"

Alisa Berger erhält für ihren Abschlussfilm "Die Körper der Astronauten" den Hans W. Geißendörfer Drehbuchpreis 2017.

Für ihre Leistungen als Drehbuchautorin ist Alisa Berger mit ihrem Abschlussfilm an der Kunsthochschule für Medien Köln "Die Körper der Astronauten" beim Kinofest Lünen ausgezeichnet worden. Der mit 2.500 Euro dotierte Preis wird von der Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion gestiftet und an einen Spielfilm aus dem LÜDIA-Wettbewerb vergeben.
Die Jury – bestehend aus Hans W. Geißendörfer (Regisseur, Produzent), Almut Getto (Regisseurin) und Traute Hoess (Schauspielerin) – begründete ihre Entscheidung wie folgt: „Das Buch – mutig und unkonventionell strukturiert – findet eine interessante Entsprechung für das Auseinanderbrechen einer Familie: Wenn das Mutterschiff im Weltall auseinanderbricht, werden die Astronauten hilfloses Treibgut. Jeder für sich allein ist seinem Schicksal ausgeliefert. Was bleibt, ist der Versuch, sich selbst zu spüren.“

Alisa Berger ist nicht nur Drehbuchautoren sondern auch Regisseurin von "Die Körper der Astronauten". Ihr Spielfilm  handelt von den Körpern einer Familie und die Sehnsucht nach Schwerelosigkeit. Sie erzählt von Michael (58), dem alkoholkranken Vater, der sich wochenlang nicht wäscht, von seinem Sohn Anton (19), der seinem Körper entsagt, um seinem Traum, Astronaut zu werden, näher zu sein, vonber Tochter Linda (19), die ihren Körper entdecken will, um sich das Leben anzueignen und über die jüngste in der Familie, Irene (8), die von den älteren Geschwistern zurückgelassen, darum kämpft, die Liebe zum Vater angesichts seines Verfalls nicht zu verlieren.

Alisa Berger über ihren Film: "Im Vordergrund stehen nicht Alkoholmissbrauch, emotionale Gewalt oder soziales Elend, sondern die Träume der vier Protagonisten, ihre Begierden, sich ihren Wunschvorstellungen und einander zu nähern, ihr Wille, gut zu sein, besonders zu sein, jemand zu sein, geliebt zu werden, für einander oder für sich selbst da zu sein. Dazwischen liegt die fragile Autonomie der Körper: Der Körper ist in diesem Falle nicht das Vitale. Der Körper ist das Verdrängte, das Verbannte, aus der Wahrnehmung der Vernunft, das Unkontrollierbare, welches eine ständige Sehnsucht hat, die sich in diesem Film im Verfall (Michael), Lähmung und Kontrolle (Anton), sexuelle Begierde, Unsicherheit (Linda) und Loslösung von Funktion (Irene) äußert. Es ist ein Film über die Sehnsucht der verbannten Körper."

"Die Körper der Astronauten" (2017, 75 Min.) –  Das Team: Regie und Buch: Alisa Berger | Schauspiel: Lars Rudolph, Zita Aretz, Béla Gabor Lenz, Luzie Nadjafi und Daniel Michel | Regieassistenz: Peter Haas | Bildgestaltung: Bine Jankowski | Visual Effects: Peter Anlauf | Schnitt: Alisa Berger | Sounddesign: Jonathan Kassel | Mischung: Judith Nordbrock | Musik: Leonard Huhn und Christian Lorenzen, Ron Hofmann | Szenenbild & Kostümbild: Santiago Alvarez | Produktionsleitung: Robert Schäfer, Darius Cernota | Betreuung: Prof. Frank Döhmann, Prof. Katrin Schlösser, Prof. Julia Scher | Produktion: Kunsthochschule für Medien Köln | Förderung: Film- und Medienstiftung NRW | Uraufführung: Festival Max-Opüls-Preis in Saarbrücken 2017


Alisa Berger (*1987 in Machatschkala/Dagestan/Russland) ist eine deutsche Künstlerin mit nordkoreanischen und jüdischen Wurzeln. Von 2010 bis 2016 studierte sie an der Kunsthochschule für Medien Köln. Sie arbeitet in den Bereichen Film, Videokunst, Expanded Cinema und audiovisuelle Performance. Ihr Abschlussfilm an der KHM und erster Langfilm “Die Körper der Astronauten” wurde 2017 zum Max-Ophüls-Festival uraufgeführt und war für den FIRST STEPS Award nominiert. Seit 2016 kuratiert Alisa Berger jährlich das Videokunst- und Filmprogramm, sowie das audiovisuelle Performance-Programm der Kölner Messe für Gegenwartskunst "FAR OFF". Sie ist derzeit Stipendiatin des DAAD und des Internationalen Austauschs des Frauenkulturbüros NRW und Teil der Goethe-Institut Wanderausstellung „DIE GRENZE“, wo ihre jüngste Video-Arbeiten in Russland, Georgien, der Ukraine, Weißrussland und Zentralasien präsentiert wird.

Redaktion — Ute Dilger
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