Künstlerische Arbeiten Studierende

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Betreuung:
Prof. Jürgen Klauke
Projektart: 1. Projekt
Eine Produktion der Kunsthochschule für Medien Köln
Quelle:
Archiv Kunsthochschule für Medien Köln
Copyright: KHM / Autoren
Kontakt: archiv@khm.de

Nature Morte

Autor/innen:
  • Bianca Patricia Radziwanowska
Untertitel: Sehnsucht
Entstehungsjahr: 2008
Kategorien: Fotografie, Fotoarbeit
Projektart: 1. Projekt
Stillleben, als Ausdruck und Zurschaustellung der gesellschaftlichen Wertvorstellungen und Verhältnisse der jeweiligen Zeitepoche. Die Stillleben-Serien ""Nature Morte - Sehnsucht"" befassen sich mit Sexspielzeugen, die zugleich den technischen Fortschritt sowie die Bedürfnisse und Phantasmen der Menschen im 21. Jahrhundert widerspiegeln. So sind diese ""Thematischen Stilleben"" - eine Ansammlung von Symbolen der Funktion und Sehnsucht - ein Beitrag zu unserer gegenwärtigen Realität, zu der kollektiv praktizierten Fiktion von Liebe, Sexualität, Glück, Erfüllung und Begierde. Die Bilder thematisieren die Einsamkeit und Zerbrechlichkeit der Männer, inmitten einer zunehmend aggressiv-feministischen Gesellschaftsstruktur, bei welcher der Kampf um die Gleichberechtigung zuweilen in Diskriminierung der Männer umschlägt. In der Sexspielzeug-Industrie manifestieren sich die gesellschaftlichen Zustände sowie die sich wandelnden Rollen von Mann und Frau. Während die Sexspielzeuge für Frauen auf Funktionalität und Leistung setzen - verpackt in attraktives bizarres, buntes, oft überhöhtes Design - ist der Großteil der Sexobjekte zur Befriedigung der Männer möglichst naturgetreu und ""gefühlsecht"" gestaltet. Auch in den Produktbeschreibungen werden die Objekte für Männer verstärkt mit emotionalen Argumenten angepriesen. So sollen sich die Materialien wie ""echte Haut"" anfühlen und werden unter der Bezeichnung ""Cyberskin"" verkauft. An manchen Verpackungen werden sogar kleine Materialproben in Form von offenen Mündern oder Miniatur-Vaginas montiert, anhand derer sich die potentiellen Käufer von der ""Natürlichkeit"" des Gefühls überzeugen können. Viele der weiblichen Attrappen sind häufig Abgüsse der Geschlechtsteile von existierenden Pornostars. Die Sexpuppen haben auch immer einen Namen, einen Charakter, eine angedeutete Identität und Geschichte. Hierbei steht nicht so sehr die Ästhetik im Vordergrund, sondern die Verwirklichung der Illusion von Weiblichkeit und Auslebung der männlichen Gefühle. Der Mangel und die Begierde der Männer scheinen im Versprechen der Emotionalität eine Erfüllung zu suchen. Die Vermarktung der Produkte zur Befriedigung der Frauen setzt hingegen verstärkt auf Ästhetik, Farben, attraktive Formen und Technik. Die Objekte ähneln oft Skulpturen oder gar Küchengeräten. Die Argumentation für weibliche Käufer ist stärker motorischer, leistungsorientierter Natur. Die Frauen suchen also eher einen leistungsfähigen, jederzeit verfügbaren Penis-Ersatz, aber nicht einen Mann, während die Männer einen Anschluss an das Reale und die Möglichkeit zur Auslebung ihrer Gefühle und persönlicher Phantasien suchen. Frauen befriedigen sich abstrakter, Männer brauchen die Suggestion eines wirklichen, menschlichen Bezugs. Dieser Zustand spiegelt teilweise für mich auch die Situation zwischen Männern und Frauen in der gegenwärtigen europäischen Gesellschaft wider. Immer mehr Frauen sind intellektuell, materiell und im sozialen Kontext in der Lage, sich das zu nehmen, was sie wollen oder brauchen, während Männer zunehmend orientierungsloser in ihrer gesellschaftlichen und sexuellen Rolle werden. Eine Frau, die mehrere Dildos oder sonstige Objekte zur sexuellen Befriedigung besitzt und benutzt, wird im allgemeinen als amüsant, cool oder selbstbewusst empfunden. Sie kann öffentlich darüber sprechen und auch in Kombination mit einem Sexualpartner oder Partnerin die Objekte einsetzen. Ein Mann, der Sexpuppen, Vaginas und ähnliche Objekte zur sexuellen Befriedigung besitzt und benutzt, gilt im Allgemeinen als Verlierer und Freak, der für keine Frau attraktiv sein könnte. Würde er sich öffentlich dazu bekennen, würde er bei den meisten Menschen auf Ablehnung stoßen. Diese Reaktions- und Wertungsmuster werden auch stark in den Massenmedien kommuniziert. In mehreren ""Nature Morte""-Arrangements werden die verschiedensten Objekte sowohl zur männlichen als auch weiblichen Befriedigung zusammengestellt. An diesem Ort treten sie miteinander in Dialog, spiegeln Sehnsüchte, Wertesysteme und Begierden wider.
Betreuung:
Prof. Jürgen Klauke
Autor/innen:
  • Bianca Patricia Radziwanowska
Eine Produktion der Kunsthochschule für Medien Köln
Quelle:
Archiv Kunsthochschule für Medien Köln
Copyright: KHM / Autoren
Kontakt: archiv@khm.de
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