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Prof. Dr. Lilian Haberer

Professorin für Kunstwissenschaft mit erweitertem Materialbegriff
+49 22120189 - 313
lilian.haberer@khm.de

Lilian Haberer hat nach einem Studium der Kunstgeschichte, Italianistik und Philosophie an der Universität zu Köln und La Sapienza in Rom sowie diversen Forschungsaufenthalten eine wissenschaftliche Assistenz für Rosemarie Trockel absolviert. Parallel dazu hat sie eine Reihe von kuratorischen Projekte für Museen und Institutionen realisiert, etwa im Rahmen der niederländisch-deutschen Plattform _gap. Zusammen mit Regina Barunke hat sie den Ausstellungsraum Projects in Art & Theory geleitet, der sich für eine Annäherung von Ausstellungs-, kuratorischer Praxis und wissenschaftlichem Diskurs eingesetzt hat.

Von 2007 bis 2014 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin u. Projektkoordinatorin des DFG-Projekts Reflexionsräume kinematographischer Ästhetik tätig, in dem bereits die Materialität der Medien und gebauten Projektionsräume im Fokus standen. Von 2011–2016 war sie als wissenschaftliche Assistentin für Kunst des 20./21. Jh. am Kunsthistorischen Institut der Universität zu Köln tätig. Von 2015–2018 initiierte sie mit Prof. Karina Nimmerfall im Rahmen einer Förderung der digitalen Lehre das Labor für Kunst und Forschung, Mass Observation 2.0, an der Humanwiss. Fakultät der Kölner Universität. Von 2019–20 arbeitete sie mit Karin Lingnau und Prof. Anke Eckardt am Forschungsprojekt Material archive in the fringes of the arts. Lehraufträge und Vertretungen, u. a. an der Kunstakademie Düsseldorf sowie als Vertretungsprofessorin für Kunstgeschichte im Medialen Kontext (2016–2019) , im SoSe 2020 Gastprofessorin für allgemeine Kunstgeschichte an der Kunsthochschule für Medien.


Kunstwissenschaft mit einem erweiterten Materialprozess (zum Lehrgebiet und Forschungsschwerpunkt):

Der Blick auf den Umgang mit Material in der Kunst ist ein zentraler Gegenstand der Kunstgeschichte, wurde vor allem im Hinblick auf Formfragen thematisiert. In der kunstwissenschaftlichen Forschung wurde die Prozessualität in ihrer Unabgeschlossenheit oftmals zugunsten einer auf das künstlerisch autonome Werk ausgerichteten Rezeption vernachlässigt oder im Hinblick auf den umfassenden Topos der Kreativität verhandelt. Seit einigen Jahren jedoch sind Transformationsprozesse im Ausstellungsraum erneut Gegenstand künstlerischer Verfahren, die im Zuge des sogenannten Material Turn von philosophischen Reflexionen flankiert werden. Im Unterschied zu bestimmten Theorien des New Materialism und der Akteur-Netzwerk-Theorie richtet sich die Aufmerksamkeit hier auf die in einem zeitlichen Prozess intraagierenden Kräfte – um einen Begriff Karen Barads zu verwenden – und ihrer sich erst in der Handlung einstellenden Intentionalität.

Ein erweiterter Materialbegriff birgt die Herausforderung, sowohl auf heterogene, im künstlerischen Prozess intraagierenden Materalität zu blicken, als auch menschlich und nicht menschlich Agierende mit einzubeziehen und dabei im Feld der Materialreflexionen einen eigenen Materialitätsbegriff in postmedialen Umgebungen im Kontext von Displays und Dispositiven zu formulieren. Dabei stehen künstlerische Prozesse mit performativen und feministischen Materialansätzen, sowohl die Aktivitäten eines Produktionsprozesses, als auch die rezeptive Erfahrung als gemeinsame gesellschaftliches Handlungsformen (John Dewey) im Fokus. Dabei werden Fragen adressiert, wie: Was geschieht in einem künstlerischen Prozess, in dem Kenntnisse nicht im Hinblick auf Materialwissen und Kunstfertigkeit angewendet werden, sondern diese bewusst aussparen? Und wie lassen sich kooperierende und kollaborative Produktionsweisen beschreiben und analysieren, die neben Fertigkeiten, die sich zeitlich und intentional im Handeln selbst einstellenden Prozesse beschreiben?

Innerhalb des Forschungsfeldes werden diese Prozesse als Affiliationen von Materialität untersucht und stehen Aspekte der Zusammenarbeit, des kollektiven und queer-feministischer künstlerischen Agierens im Fokus.

Letzte Publikationen (Auswahl):

- „Tangible Files and Merged Displays. Zur Materialität fotografischer Praktiken“, in: Grein/Gütschow/Holschbach/Schneider (Hg.) Photographic Materials: Archives and New Tools, Köln 2021 (im Druck).

- „Transpositionen. Künstlerisches Forschen und verkörperte Erfahrung“ (dt./eng.), in: degree_show – out of KHM, Ausst.-Kat. KIT – Kunst im Tunnel, Düsseldorf 2020.

- „Movement as driving element and Mode of Reflection in Alexander Kluge’s cooperations with Female Artists“, in: Langston/Adelson/Jones/Wilms (Hg.), Alexander-Kluge-Jahrbuch, Bd. 6. The Poetic Power of Theory, Göttingen 2020.

- „Rewind | Downscale. Künstlerische Verfahren zum ,armen Bild‘, in: Zeitschrift für Ästhetik u. allg. Kunstwissenschaft, Ästhetik der Skalierung, 2020, Herausgeberin mit Ursula Frohne und Annette Urban von Display | Dispositiv. Ästhetische Ordnungen, Paderborn 2019.

- „Random Access. Medientechnologien partizipativ und experimentell“ (dt./engl), in: 9. Nam June Paik Award, Ausst.-Kat. Westfälischer Kunstverein, Münster 2019.

- „Screenings zum Documentary Turn“, in: Sandra Aßmann u. a. (Hg.), Wenden in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften, (Wiesbaden 2017); Herausgeberin mit Annette Urban Bildprojektionen. Filmisch-Fotografische Dispositive in Kunst und Architektur, Bielefeld 2016.

- „Subtle fractures in the perception modes of media politics. Staging photofilmic imagery as a form of countervisuality“, in: Cohen/Streitberger (Hg.): The Photofilmic. Entangled Images in Contemporary Art and Visual Culture, Leuven 2015.

- „Rhythm of the Interval. Projection, Circulation and Fragmentation of Images and Words in Tris Vonna-Michell’s Art practice“, in: PhotoResearcher Nr. 24, Slideshow, Okt. 2015.


In Kürze erscheint in Herausgabe mit Karina Nimmerfall: Movement. Mouvement. Handlungsfelder des Ästhetischen und Politischen. Für Ursula Frohne, München 2021.

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