ZOOM präsentiert "Egotrip"

Die Plattform der KHM für künstlerische Filmprojekte im Netz präsentiert den Kurzfilm von Urs Domingo Gnad.

Termine
ab sofort im Netz
Mit einem begleitenden Text
von Karin Lingnau

Die Kunsthochschule für Medien Köln präsentiert den Kurzfilm "Egotrip" (2003, 3 Min.) auf ihrer Online-Plattform für audiovisuelle, künstlerische Projekte ZOOM. Es ist das erste Projekt von Urs Domingo Gnad, das er im Studium an der KHM realisierte. Der Film wurde auf vielen internationalen Festivals und Ausstellungen gezeigt u. a. beim Festival New Directors/New Films 2005 im MOMA, New York, dem Internationalen Filmfestival Rotterdam 2005 und der Art Biennale (for the Olympics) Beijing 2007. ZOOM präsentiert neben aktuellen Filmen und Videoarbeiten von Studierenden der KHM auch Fundstücke aus dem Archiv der künstlerischen Projekte der Studierenden.

Anlässlich der Veröffentlichung von "Egotrip" schreibt Karin Lingnau, künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin für Experimentelle Informatik an der KHM, über den Film:  Ein Mann. Ein Ball. Und Schnee. Urs Domingo Gnads Miniatur spielt mit der Einfachheit der Kameraeinstellung: Sichtbar ist nur das, was im festgestellten Bildraum stattfindet. Vorerst. Der Protagonist, als Passant auf einem Feld mit Schnee, tritt in das Bild, und bewegt sich wieder heraus. Vorerst. Ein Mann wirft einen beiläufig aufgesammelten Ball. Er verlässt das Blickfeld der Kamera. Nach einer kurzen Zeitspanne kehrt er von der anderen Seite zurück, vermutlich läuft er im gleichen Abstand zur Kamera im Rund. Irritierend und gleichzeitig irgendwie logisch ist das Zurückkehren des geworfenen Balles. (Warum eigentlich kein Schneeball?) Es ist ein Spiel mit sich selbst, ein Ein-Mann-Spiel, ein Egotrip, wie auch der Titel verrät. Irgendwie kommt die Vermutung auf, der Mann ist nicht alleine, sondern hat einen Doppelgänger, der sich im Außerhalb des Bildraumes befindet. Aber warum läuft dann der Protagonist aus dem Bild und kommt, wie der Ball, zurück? Es bleibt verwunderlich und gleichzeitig logisch. Der Film suggeriert die tatsächliche Bewegung, zeitlich gesehen bleibt die Bewegung des Balles und die Umrundung der Kamera im Tatsächlichen. Nur die zweite Person, die für die Handlung unabdingbar ist, ist nicht da, wirkt wie ausradiert. Die Situation wird aber scheinbar aufgelöst und dadurch noch erstaunlicher: Die Kamera bewegt sich mit, als die dritte Umrundung beginnt. Gleiche Prozedur, gleiche Person, gleiche Bewegung. Mit vollem Einsatz wird der Ball gefangen, geworfen, gefangen, geworfen, bis die Erschöpfung zum Aufhören bewegt. Ebenso beiläufig, wie sie begonnen hat, hört die Handlung auf. Der Protagonist, ein (!) Protagonist, lässt den Ball fallen und geht wieder aus dem Bild, der Blick auf die Landschaft und den Schnee bleibt. Wie gesagt: Ein Mann. Ein Ball. Und Schnee." (Karin Lingnau)

"Egotrip" (2004, 3 Min.) Idee und Realisation: Urs Domingo Gnad | Darsteller: Michael Böhm | Ton: Benjamin Arcioli | Assistenz: Roman Rösler, Reto Gnad | Postproduktion: Mateusz Parzouka | Tonmischung: Nic Wohlleben | Betreuer: Prof. Hans Beller | Produktion: Kunsthochschule für Medien Köln

Veröffentlichungen (Auswahl): Art Biennale (for the Olympics) Beijing, China 2007 | Molodist International Film Festival Kiev 2006 | Curtas Vila do Conde Filmfestival  2006 | New Directors/New Films 2005, MOMA New York | IFFR International Film Festival Rotterdam 2005 | Festival de Cine de Huesca 2005; Gwangju International Film Festival 2005, Südkorea; Interfilm Berlin 2005; EMAF European Media Art Festival 2005, Osnabrück; Cinema Texas 2005; European Shortfilm Festival Maastricht 2004; Kinofest Lünen 2004; Kunstfilmbiennale Köln 2004; TTV FESTIVAL Performing Arts on Screen Bologna 2004; Festival Max-Ophüls-Preis 2004; Roshd International Filmfestival Teheran 2005; Int. Festival of Cinema and Technology 2007, Los Angeles; Teilnahme an der Global Visions Tour EMAF (2005/06) mit internationalen Auftritten z. B. im Indianapolis Museum of Contemporary Art; Teilnahme an der Tour des Festival des Trés Courts 2005 mit Vorführungen in u. a. in Frankreich, Senegal und Südkorea.

ZOOM ist ein virtueller Ort für audiovisuelle, künstlerische Projekte und Produktionen der Kunsthochschule für Medien Köln. In regelmäßigen Abständen werden künstlerisch vielschichtige Positionen ausgewählt, um sie im Netz einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der programmatische Fokus der KHM-Plattform ZOOM liegt dabei auf kurzen, audiovisuellen Formen mit eigenständiger künstlerischer Handschrift und einer hohen Sensibilität für ihr Sujet. Abstrakte visuelle Experimente stehen neben dokumentarischen Formaten, Found Footage-Filme neben Performancevideos, nicht-narrative Musikvideos neben 3D- oder Stop Motion-Animationen. ZOOM ist ein Projekt von Daniel Burkhardt, Prof. Lilian Haberer, Karin Lingnau, Daniel Sondermann und Tom Uhlenbruck an der Kunsthochschule für Medien Köln, initiiert gemeinsam mit Prof. Dietrich Leder.​​​​​​

Redaktion — Ute Dilger
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