Antrittsvorlesung: Prof. Marcel Kolvenbach

KHM
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— von Ute Dilger —
Der Filmemacher wurde zum Sommersemester 2017 als Professor für Dokumentarfilm mit dem Schwerpunkt TV und Internet an die KHM berufen. Begrüßung: Prof. Dr. Hans Ulrich Reck, Rektor der KHM.
Seit April 2017 lehrt Marcel Kolvenbach als Professor für Dokumentarfilm mit Schwerpunkt Fernsehen und Internet an der Kunsthochschule für Medien Köln. Der Filmemacher erkundet seit über 20 Jahren gesellschaftliche Konflikte im In- und Ausland. In seinen politischen Reportagen, investigativen Dokumentationen und Dokumentarfilmen für arte, ZDF und die ARD geht es um die Rolle der USA in Lateinamerika und indigenen Widerstand, korrupte Deals deutscher Rüstungsfirmen oder den Einsatz ehemaliger Kindersoldaten aus Afrika für die US-Armee im Irak. In seiner Kamera- und Montagearbeit sucht er einen ästhetischen Umgang mit diesen gesellschaftlichen Wirklichkeiten, wobei die filmische Poesie oft einen Kontrapunkt zu den erschütternden Inhalten setzen soll. Marcel Kolvenbach wird in seiner Antrittsvorlesung Ausschnitte seiner aktuellen Produktionen für Fernsehen, Kino und Internet vorstellen und auf ein Leitmotiv eingehen, das ihn seit langem beim Filmemachen begleitet: „Die Arbeit besteht darin, sich politisch mit Bildern und Tönen und ihren Beziehungen auseinanderzusetzen.“ (Pierre Bourdieu)

Marcel Kolvenbach (*1969) Studium der Visuellen Kommunikation an der FH Düsseldorf. Seit 1993 arbeitet er als freier Autor und Filmemacher u.a. für den WDR, ARD, ZDF und arte. Seine Filme wurden international ausgezeichnet u.a. mit der Gold World Medal (New York), dem Environment Investigation Award (Japan), dem Green-Screen Award (Toronto). Er erhielt den Deutschen Menschenrechtsfilmpreis, den Marler Fernsehpreis und war beim Grimme-Preis nominiert. Nach Stationen
in New York, Brüssel und zuletzt Kampala (Uganda) lebt und arbeitet er seit 2012 wieder in Köln. 2015 stellte er sein Kino-Debut „Dügün“ vor, außerdem wirkte
er an crossmedialen Projekten mit, u.a. „netwars“, das neben zahlreichen inter-nationalen Auszeichnungen auch den Grimme Online Award erhielt. Seit 2017
ist er nebenberuflicher Professor für Dokumentarfilm (TV/Internet) an der KHM.

Filme (Auswahl): „Azizabad – Bomben für den Frieden“ (2009, 52 Min.) für NDR/arte; „Sansibar: Über den Inseln Afrikas“ (2010, 5 x 52 Min.) für SWR/arte; „Kenia/Somalia: Afrika hungert“ (2011, 45 Min.) für die ARD; „Uganda: Das Geschäft mit den Kindersoldaten“ (2012, 52 Min.) für arte; „Atomic Africa“ (2013, 90 Min.) für WDR; „netwars“ (2014, 52 Min.), für ZDF/arte; „Stunde Null“ über die Kunstbewegung ZERO von Otto Piene, Heinz Mack und Günther Uecker (2014, 52’) für arte; „Dügün“ (2015, 90 Min.) für den WDR; „Tahrib – Die unendliche Reise“ (2016, 60 Min.) für den BR; „Wir hacken Deutschland“ (2017, 60 Min.) für die ARD.

In seiner Antrittsvorlesung stellt er beispielhaft Ausschnitte folgender Filme vor:  

„Atomic
Africa“, TV-Dokumentarfilm, 2013, 90 Min.
Der Film ist ein politisches Road-Movie auf der Spur der Atom-Lobby: von Johannesburg zum ersten Atomreaktor Afrikas in Kinshasa und von dort auf der „Straße des Urans“ im Niger in eine „strahlende“ Zukunft.
Eine Produktion von a&o buero im Auftrag des WDR

  „Dügün“, Kinodokumentarfilm, 2016, 90 Min.
Der Film taucht ein in die blütenweiße Traumblase türkischer Hochzeiten in Duisburg Marxloh. Er beschreibt poetisch und melancholisch die Suche nach Heimat in der Heimatlosigkeit der türkischen Community.
Eine IFAGE Produktion in Zusammenarbeit mit dem WDR, Kinostart: 8.9.2016

  „netwars“, TV-Dokumentation und crossmediales Projekt, 2014, 52 Min.
Im Zentrum des Films steht der Live-Hack eines deutschen Strom-Versorgers. Es geht um hybride Kriegsführung in Israel, USA und China. Im Online-Teil des Projektes wird
der User selber zur Zielscheibe.
Eine Produktion von Filmtank Berlin für ZDF/arte.
Mehr unter www.netwars-project.com


An der Kunsthochschule für Medien Köln lehren über 30 Professor/innen in den Fächergruppen exMedia, Film/Fernsehen, Kunst sowie Kunst- und Medienwissenschaften im gemeinsamen Diplomstudiengang „Mediale Künste". Einige der Professuren an der KHM sind geteilt bzw. nebenberuflich. Damit gewährleistet die Hochschule eine möglichst gute Anbindung der Lehre an die künstlerische Praxis und die Film- und Medienbranche.

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