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Prädikat "wertvoll"

Filmplakat "Kassieren", Dokumentarfilm von Franca Pape, Lea Sprenger und Amelie Vierbuchen

Die Dokumentarische Miniatur von Franca Pape, Lea Sprenger und Amelie Vierbuchen "Kassieren" erhält das Prädikat "wertvoll" der Filmbewertungsstelle Wiesbaden.

Der gemeinsame Dokumentarfilm von Franca Pape, Lea Sprenger und Amelie Vierbuchen „Kassieren“ feierte seine Uraufführung im Wettbewerb beim Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 2023 (siehe Pressemeldung hier). Der Kurzfilm entstand im Grundlagenseminar „Dokumentarische Miniaturen" unter der Leitung von Solveig Klaßen und Prof. Philip Scheffner und zeigt die Recherche der drei KHM-Studierenden zur Geschichte der chemischen Fabrik im Kölner Stadtbezirk Kalk. 


"Kassieren" wurde nun von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden mit dem Prädikat „wertvoll" mit folgender Begründung ausgezeichnet: "Im Rahmen eines Projekts wird ihnen deutlich, dass das Wegwerfen durchaus auch wissenschaftlicher Standard sein kann. Bei Nachforschungen zur Kölner Chemiefabrik Kalk stellen sie fest, dass die Kölner Archive im Laufe der Zeit auch durchaus wichtiges Material entsorgt, oder wie der Archivar es nennt, ‚kassiert‘ haben.

Die Mehrdeutigkeit des Begriffs KASSIEREN in Bezug auf die Eingangssequenzen dieses Kurzdokumentarfilms hat die Mitglieder der Jury zunächst einmal auf eine falsche Fährte gelockt. Offenbar waren die Filmemacherinnen von der genannten Verwendung des Wortes so begeistert, dass sie der eigentlichen Fragestellung ausgemustertes Schnittmaterial vorweggestellt und das Wort ‚Kassieren‘ zum Titel erhoben haben.

Tatsächlich wird auch für einen Film meist nur ein Bruchteil des vorhandenen Rohmaterials verwendet. Analog zu den fehlenden Materialien aus dem Kölner Archiv steht daher auch jede und jeder Filmschaffende vor der Frage, was tun mit Material, das keine Verwendung gefunden hat. Es liegt nahe, vieles davon zu vernichten, andererseits ist jede Sekunde Film auch einzigartig und mag Jahre später von Belang sein.
Immer wieder greifen Pape, Sprenger und Vierbuchen diese Parallele auf. Sequenzen aus den Archiven werden mit Sequenzen ihres Arbeitsprozesses, aber auch Sequenzen aus augenscheinlichem Random Footage geschnitten. Fragmentierte, schnelle Bildfolgen entstehen. Einvernehmlich wähnte sich die Jury, ob der schnellen Schnitte und des hin und wieder an Beliebigkeit grenzenden Materials, überfordert. Immer wieder zeigte sich in der Diskussion, dass der Jury wertvolle Sekunden fehlten, in denen sie sich mit dem gezeigten Material hätte verzahnen und das Fragmentarische gedanklich zu einer neuen Einheit erheben zu können.“




Das originelle Thema und die Arbeit eines Archivars werden in diesem Film auf interessante Weise aufbereitet. Dabei lässt sich natürlich, und hier liegt die Doppelbödigkeit des Films, der Vorgang des Kassierens beispielhaft auch auf andere Bereiche der Gesellschaft übertragen. Denn wer hat sich nicht schon einmal die überfordernde Frage gestellt: Was hebe ich auf und von was trenne ich mich? Und auf einer weiteren Ebene stellt der Film ganz subtil die kritische Frage, ob nicht das Kassieren gerade in der Geschichte von Firmen dafür sorgen kann, dass eben die falschen Sachen in Vergessenheit geraten können. KASSIEREN ist ein Film über den Umgang mit Geschichte. Klug, doppelbödig und mit gutem Timing montiert.






"Kassieren", Dokumentarfilm, 2023, 9 Min.
Wer entscheidet, welche Geschichten aufgehoben oder weggeworfen werden? In ihrem Dokumentarfilm machen sich die drei Filmemacher*innen Lea Sprenger, Franca Pape und Amelie Vierbuchen auf die Suche nach Archivmaterialien über die Chemiefabrik Kalk in Köln.
Mit schnellen Schnitten erzählt der Film von der Suche, vom Wegwerfen, von Lücken und Fehlern und vom eigenen Unvermögen, dem immer wieder mit Selbstironie begegnet wird.

Das Team: Regie: Franca Pape, Lea Sprenger und Amelie Vierbuchen; Montage und Sounddesign: Franca Pape und Lea Sprenger; Musik: Sektfrühstück; Tonmischung: Ralf Schipke, Judith Nordbrock; Produktion: Kunsthochschule für Medien Köln, Lea Sprenger, Franca Pape und Amelie Vierbuchen; Betreuung: Solveig Klaßen, Prof. Philip Scheffner; Uraufführung: DOK Leipzig 2023

Redaktion — Ute Dilger
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