Medien der Fremderfahrung – Ringvorlesung

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Vorträge / Filmscreenings zu Robert Gardner und Maya Deren. Clémentine Deliss zum ethnografische Museum als Experimentierfeld.

Anlässlich der Ausstellung "Michael Oppitz. Bewegliche Mythen", die ab dem 21. Juni 2018 im Kolumba – Kunstmuseum des Erzbistum Köln zu sehen sein wird, nimmt die Vorlesungsreihe Oppitz’ Auseinandersetzung mit der "fremden Fremderfahrung" des Schamanismus zum Ausgangspunkt, um über künstlerische und wissenschaftliche Befremdung der Welt nachzudenken. Vorträge und Filme, die Fremderfahrungen und ihre Medien thematisieren, nehmen einen Modus der Welterfahrung in den Blick, der nicht nur ein Anderes, sondern immer auch die eigene Positionalität verfremdet und sichtbar macht. Diese Vorlesungsreihe diskutiert diese Erkenntnisbewegung anhand von Beispielen aus Kunst, Ethnologie und Kulturwissenschaft.


Veranstaltungen an der KHM


02.05., 19 Uhr, Michael Baute (Berlin): Wie erzählt man eine Stadt. Robert Gardners "Forest of Bliss". Einführung und Gespräch. Film: "The Forest of Bliss" von Robert Gardner (USA  1986, 90’).

Die Veranstaltung widmet sich dem US-amerikanischen Filmemacher und Anthropologen Robert Gardner, einem der wichtigster Vertreter der Visuellen Anthropologie, wenn auch nicht unumstritten, denn sein dokumentarischer Blick ist nie wertfrei, sondern immer tendenziös und radikal subjektiv. Sein umfangreiches Werk ist gekennzeichnet von der Suche nach der richtigen Balance zwischen ästhetischer Erfahrung, dokumentarischem Anspruch und wissenschaftlichem  Erkenntnisgewinn. In seinem wohl bekanntesten Film The Forest of Bliss reflektiert Gardner den Lebenszyklus und den rituellen Umgang mit dem Tod in der heiligen indischen Stadt Benares. Bekanntheit erhielt Gardner zudem als Begründer des "Harvard Film Studies Center" aus dem auch das "Sensory Ethnography Lab" hervorgegangen ist, eine der bekanntesten Strömungen des gegenwärtigen ethnographischen Kinos.


06.06., 19 Uhr, Michaela Schäuble (Bern): Maya Deren und die Kunst des kontrollierten Zufalls. Filmscreenings: "Meshes of the Afternoon" (USA 1943, 14’); "Divine Horsemen", "Living Gods of Haiti"(USA 1945-54/1985, 52’) von Maya Deren.

Die ukrainisch-amerikanische Avantgardekünstlerin und Filmtheoretikerin Maya Deren hat zwischen 1946 und 1952 umfangreiches Bild-, Ton- und Filmmaterial zu haitianischen voudoun Besessenheitsritualen, Tänzen und Musik erstellt. In ihrem Aufsatz "Cinema as an Art Form" beschreibt sie das Medium Film als »new man-made reality« und die Dialektik zwischen Realismus und schöpferischem Engagement als Kunst des kontrollierten Zufalls. Der Vortrag nimmt diese Filmtheorie Derens im Hinblick auf das kreative Potenzial des Mediums und dessen spezielles »Auge für Magie« (Deren) in den Blick und setzt sie in Bezug zu aktuelleren Diskussionen um die Darstellbarkeit von veränderten Bewusstseinszuständen und ekstatischen Körpertechniken im ethnographischen Dokumentarfilm.


12.07., 19 Uhr,  Clémentine Deliss (Berlin/Paris): Art and Anthropologie - the field in bewteen.

Bei ihrer Arbeit als Kuratorin u.a. am Weltkulturen Museum in Frankfurt a. M., das sie von 2010 bis 2015 als Direktorin leitete, betrachtet die österreichisch-französische Kunstwissenschaftlerin und Ethnologin Clémentine Deliss das ethnografische Museum als Experimentierfeld in dem sie künstlerische und wissenschaftliche Positionen und Verfahren miteinander in Austausch bringt.  So auch die Zusammenarbeit von Michael Oppitz und Lothar Baumgarten in der Gruppenausstellung "Objekt Atlas. Feldforschung im Museum" (2012). Deliss studierte Ethnologie und Gegegnwartskunst in Wien, Paris und London und promoviert mit einer Arbeit über die ethnografische Sammlung des Musée de L’Homme in Paris. Als Gastprofessorin lehrte sie u.a. an der Städelschule in Frankfurt a. M. Von 2003-2010 leitet sie ein internationales Kunstlabor zur Erforschung und Entwicklung neuer interdisziplinärer Formen zukünftiger Kunstinstitutionen, von 2015-2016 forschte sie am Wissenschaftskolleg zu Berlin. Aktuell ist sie Co-Kuratorin der Ausstellung "Hello World. Revision einer Sammlung", die im April 2018 im Hamburger Bahnhof in Berlin eröffnet. 

Redaktion — Juliane Kuhn

Konzept & Organisation: Anja Dreschke (Fellow an der KHM )und Martin Zillinger; in Kooperation mit a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities & Global South Studies Center GSSC, der Universität zu Köln und der Kunsthochschule für Medien Köln.


Ringvorlesung Sommersemester 2018

Bitte beachten Sie die wechselnden Veranstaltungsorte!


25.4.

Martin Zillinger (Köln) & Anja Dreschke (Bern/Köln): Medien der Fremderfahrung. Zur Einführung

18.00, Universität zu Köln, Hörsaal XXII, Universitätsstr, 35, 50931 Köln

                 

02.05.  

Michael Baute (Berlin): Wie erzählt man eine Stadt: Robert Gardners ›Forest of Bliss‹ - Einführung und Gespräch. Film: The Forest of Bliss (USA 1986) von Robert Gardner

19.00, Aula der Kunsthochschule für Medien Köln, Filzengraben 2, 50676 Köln

                 

09.05.  

Alban von Stockhausen (Bern): Die Gegenwärtigkeit des verborgenen Raums. Erkundungen zu Ritual und Topographie im Schamanismus Ostnepals.

18.00, Universität zu Köln, Hörsaal XXII, Universitätsstr, 35, 50931 Köln


16.05.  

Anna Brus (Siegen): Von fliegenden Erbsen und tanzenden Gurken. Mediumismus in der rheinischen Kunstszene der 1970er Jahre.

18.00, KOLUMBA – Kunstmuseum des Erzbistums Köln, Kolumbastr. 4, 50667 Köln


30.5.     

Michael Oppitz (Berlin) im Gespräch mit Barbara Engelbach (Köln). Film:  Schamanen im Blinden Land, Michael Oppitz.

18.00, Filmforum NRW im Museum Ludwig, Bischofsgartenstr. 1, 50667 Köln

                 

06.06.  

Michaela Schäuble (Bern): Maya Deren und die Kunst des kontrollierten Zufalls. Filme: Meshes of the Afternoon (USA 1943), Divine Horsemen, Living Gods of Haiti (USA 1945) von Maya Deren.

19.00, Aula der Kunsthochschule für Medien Köln, Filzengraben 2, 50676 Köln


13.06.  

Film: Ursprung der Nacht, Lothar Baumgarten (D 1973).

18.00, Filmclub 813 – Kino in der Brücke, Hahnenstr. 6, 50677 Köln


20.6.

Michael Oppitz im Gespräch. Eröffnung der Ausstellung: Michael Oppitz: Bewegliche Mythen.

18.00, KOLUMBA – Kunstmuseum des Erzbistums Köln, Kolumbastr. 4, 50667 Köln

                                                                        

27.06.  

Erhard Schüttpelz (Siegen): Das Goldene Zeitalter: Michael Oppitz zwischen Kunst und Wissenschaft

18.00, KOLUMBA – Kunstmuseum des Erzbistums Köln, Kolumbastr. 4, 50670 Köln

                 

04.07.  

Georg Stanitzek (Siegen): Beschäftigung mit dem Flipper, um 1970

18.00, Universität zu Köln, Hörsaal XXII, Universitätsstr, 35, 50931 Köln


12.07.  

Clémentine Deliss (Berlin/Paris): Art and Anthropologie - the field in bewteen

19.00, Aula der Kunsthochschule für Medien Köln, Filzengraben 2, 50676 Köln


Informationen unter www. artes.phil-fak.uni-koeln.de

Eintritt frei


Die Ausstellung Michael Oppitz. Bewegliche Mythen ist vom 21. Juni bis zum 3. Dezember in KOLUMBA

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