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Die griechische Filmregisseurin und Produzentin Athina Rachel Tsangari spricht mit Silvia Federici über Commoning & Allmende. Eine Kooperation des Internationalen Frauen Film Fest Dortmund+Köln und der Kunsthochschule für Medien Köln
„There can be no commons without community.“
Aktueller Widerstand gegen den zerstörerischen Turbokapitalismus ist für Silvia Federici Teil eines andauernden Aufstands gegen die Einhegungen von gemeinschaftlichem Land und gesellschaftlichen Beziehungen. In Europa begann die Landprivatisierung im späten 15. Jahrhundert, zeitgleich mit der kolonialen Expansion. In ihrem bahnbrechenden Werk „Caliban und die Hexe“ untersucht Federici die Geschichte der Frauen im Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus. Die drei Jahrhunderte andauernde Hexenverfolgung deutet sie als beispiellosen Krieg gegen Frauen, dem Hunderttausende zum Opfer fielen. Ihre Macht musste zerschlagen werden, damit der Kapitalismus sich entwickeln konnte. Weil sie stark von Vertreibung und Umweltzerstörung betroffen sind, spielen Frauen noch heute eine zentrale Rolle in den Kämpfen um die Commons. Wie erschaffen wir neue Formen von Kooperation, die unsere natürliche Mitwelt einschließt?
Das Gespräch wird hybrid auf Englisch geführt.
Athina Rachel Tsangari (1966) gilt als zentrale Protagonistin des jungen griechischen Kinos. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaft, Philosophie und Theater an der Aristotle University in Thessaloniki. Zudem absolvierte sie ein Masterstudium in Performance Studies an der New York University und ein Filmstudium an der University of Texas. Den Einstieg ins Kino fand sie durch eine Rolle in Richard Linklaters legendärem Film „Slackers“. „The Slow Business of Going“ war ihr Abschlussfilm. Sie produzierte Filme wie Richard Linklaters „Before Midnight“ oder Yorgos Lanthimos’ „Dogtooth“. Letzterer war Produzent ihres gefeierten Spielfilms „Attenberg“, der den Spielfilmpreis 2010 beim IFFF in Dortmund gewann.
Silvia Federici (1942) ist feministische Aktivistin, Autorin und war bis 2005 an der Hofstra University in Hempstead Professorin für politische Philosophie und International Studies. 1967 zog sie zum PhD-Studium in Philosophie von Italien in die USA. 1972 war sie Gründungsmitglied des International Feminist Collective, mit dem sie die internationale Kampagne „Wages for Housework" („Lohn für Hausarbeit") initiierte. Sie forschte in Nigeria und lehrte an der University of Port Harcourt. Jahrzehntelang arbeitete sie zusammen mit einer Vielzahl internationaler feministischer Organisationen wie Women in Nigeria und Ni una menos in Lateinamerika. Sie war Mitglied des Midnight Notes Collective. In ihrem bekanntesten Werk „Caliban und die Hexe – Frauen, der Körper und die ursprüngliche Akkumulation“ (2004) griff Silvia Federici die Positionen von Karl Marx und Michel Foucault kritisch auf und dachte sie feministisch weiter. Sie veröffentlichte zahlreiche Bücher und Essays zu marxistischen und feministischen Theorien, zum weltweiten Widerstand gegen die kapitalistische Globalisierung und über die Macht von Gemeinschaften. Sie lebt und arbeitet in New York City.
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