Sieben neue Professor*innen an die KHM berufen

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v. l.: Anke Eckardt, Navid Kermani, Liz Haas (Ubermorgen), Yvette Mutumba, Ulrich Peltzer, Bettina Brokemper und Hans Bernhard (Ubermorgen)
— von Juliane Kuhn —

Ubermorgen (Professur für Netze), Anke Eckardt (Professur für Sound 2), Navid Kermani und Ulrich Peltzer (Gastprofessuren für Literarisches Schreiben), Bettina Brokemper (Vertretungsprofessur Fernsehdramaturgie / kreative Fernsehproduktion)  und Yvette Mutumba (Vertretungsprofessur für Globalisierungsdiskurse) haben zum WS 2017/18 ihre Lehrtätigkeit aufgenommen.

Das Künstlerkollektiv Ubermorgen, bestehend aus Liz Haas und Hans Bernhard, nimmt gemeinsam die neu eingeführte Professur für Netze im Kunstbereich der KHM wahr. Der Studienschwerpunkt Sound wird mit der Klangkünstlerin Anke Eckardt personell und inhaltlich verstärkt. Der an der KHM neu entwickelte Studienschwerpunkt Literarisches Schreiben hat mit den renommierten Schriftstellen Navid Kermani und Ulrich Peltzer seine ersten postgradualen Studierenden aufgenommen und seinen ersten Lehrplan entwickelt. Bettina Brokemper, Produzentin und Geschäftsführerin der Heimatfilm Filmproduktion in Köln, übernimmt die Vertretungsprofessur für Fernsehdramaturgie / kreative Fernsehproduktion. Die Kuratorin und Chefredakteurin Yvette Mutumba vertritt das Lehrgebiet Globalisierungsdiskurse im wissenschaftlichen Bereich der KHM.


UBERMORGEN (Professur für Netze) oder lizvlx (geboren in Österreich) und Hans Bernhard (US/CH) leben und arbeiten in Wien, Köln und St. Moritz. Berühmt-berüchtigt durch ihre avantgardistische net.art (etoy/194) Mitte der 1990er und ihre Media Hacks in den 00er Jahren konvergieren sie Code & Sprache, Konzept und Ästhetik und transformieren diese Informationscluster zu digitalen Objekten, Software Art, net.art, Rauminstallationen, Neuer Malerei, Videos, Press Releases und Aktionen. UBERMORGEN besitzen 75+ aktive Webseiten, die tief in den Schweizer Alpen, in militärisch gesicherten Anlagen (Swiss Data Vaults), geschützt verwaltet werden.
Im Jahr 2000 wurde die Strategie hinter der Wahlstimmenverkaufsplattform "Vote-Auction" von der Libération als "un plan machiavélique" bezeichnet und von CNN wurden sie als "Maverick businesspeople" beschrieben. 2005 benannte die NZZ das Projekt "Google Will Eat Itself" als sachliche und perverse Konzeptkunst und Artforum schrieb "The methods of UBERMORGEN could be characterized as productive subversion". In den letzten Jahren wurden ihre Arbeiten unter anderem im Centre Pompidou, MoMA/PS1, Sydney Biennale, MACBA Barcelona, New Museum New York, SFMoma, ICC Tokyo, der Gwangju Biennale und bei unzähligen Kunstmessen gezeigt. UBERMORGEN sind Gewinner des Swiss Art Award, der Ars Electronica, dem Medienkunstpreis der Stadt Wien (Lebenswerk), dem Transmediale Award, dem IBM Award for New Media und dem ARCO Beep Award.
UBERMORGEN wurden beeinflusst von Rammstein, Samantha Fox, XXXTentacion, Olanzapine von Pfizer & LSD von Hoffmann, dunkler Schokolade von Lindt & Kentucky Fried Chicken's Coconut Shrimps Deluxe und dem Wiener Aktionismus.


Anke Eckardt (Professur für Sound 2) ist Künstlerin und lebt in Köln. Ihre Arbeit umfasst Installationen, Lehre und Forschung. Zusätzlich hat Anke einen professionellen Background in Tontechnik. Als Teil der transdiziplinären Forschungsplattform BAU KUNST ERFINDEN, welche im Fachgebiet Bildende Kunst der Universität Kassel gegründet wurde, entwickelt sie experimentell neuartige, audiovisuelle Materialien in kollaborativen Forschungsprojekten. In ihren Installationen arbeitet sie mit Klang (inclusive Ultraschall und Infraschall) und Licht in Kombination mit festen Materialien. Es entstehen Räume in häufig architektonischem Maßstab, die sie international in Ausstellungen präsentiert. Ihre Arbeiten befassen sich mit den ästhetischen, kulturellen, technologischen und politischen Aspekten der Konstruktion von Raum sowie mit der Art und Weise, wie deren komplexes Zusammenspiel wahrnehmbar ist.

Navid Kermani (Gastprofessur Literarisches Schreiben), geboren in Siegen, lebt als freier Schriftsteller in Köln. Er ist habilitierter Orientalist und Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Von 2000 bis 2003 war er Long Term Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, von 2009 bis 2012 Senior Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen. Das Jahr 2008 verbrachte er als Stipendiat der Villa Massimo in Rom. Er hielt die Poetikvorlesungen in Frankfurt, Göttingen und Mainz. Gastprofessor war er in Frankfurt sowie am Dartmouth College in den Vereinigten Staaten. Zusammen mit Guy Helminger ist er seit 2006 Gastgeber des Literarischen Salons im Kölner Stadtgarten. Am Thalia-Theater in Hamburg leitet er seit 2012 gemeinsam mit Carl Hegemann das "Herzzentrum“. Für seine Romane, Essays, Reportagen und Monographien erhielt Navid Kermani unter anderem den Hannah-Arendt-Preis, den Kleist-Preis, den Joseph Breitbach-Preis und den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Am 27. November erhält den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westalen. Kermanis Sachbücher erscheinen bei C. H. Beck, sein literarisches Werke im Carl Hanser Verlag.

Ulrich Peltzer (Gastprofessur Literarisches Schreiben), geboren in Krefeld, studierte Philosophie und Psychologie in Berlin, wo er seit 1975 lebt. Er veröffentlichte die Romane "Die Sünden der Faulheit" (1987), "Stefan Martinez" (1995), "Alle oder keine" (1999), "Bryant Park" (2002) und "Teil der Lösung" (2007) sowie die Frankfurter Poetikvorlesungen "Angefangen wird mittendrin" (2011). Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem dem Preis der SWR-Bestenliste, dem Berliner Literaturpreis und dem Heinrich-Böll-Preis. Zuletzt erschien der Roman "Das bessere Leben" (2015), der auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand und unter anderem mit dem Marieluise-Fleißer-Preis, dem Peter-Weiss-Preis und dem Franz-Hessel-Preis geehrt wurde.


Bettina Brokemper (Vertretungsprofessur Fernsehdramaturgie / kreative Fernsehproduktion) studierte an der HFF München Produktion und Medienwirtschaft. Im Anschluss ans Studium erhielt sie den GWFF-Preis für junge Produzentinnen, der es ihr ermöglichte in Los Angeles zu studieren und zu arbeiten. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland war sie als Produzentin für die Neue Impuls Film und Zentropa Köln (damals Pain Unlimited) für nationale und internationale Kinofilme tätig, wo sie sich als deutsche Koproduzentin von u. a. Lars von Trier einen Namen gemacht hat. Im Jahr 2003 gründete sie mit Heimatfilm ihre eigene Produktionsfirma. Sie hat bis heute über 40 nationale und internationale Filme produziert, bzw. koproduziert. Viele davon preisgekrönt, z.B.:  "Bal – Honig" (u.a. Goldener Bär 2010) oder "Hannah Arendt" (u.a. Deutscher Filmpreis in Silber 2013) und "WILD" (u.a. Deutscher Filmpreis in Bronze 2017).
Bettina Brokemper ist Mitglied der Europäischen und der Deutschen Filmakademie und wurde 2008 für herausragende europäische Koproduktionen mit dem „Prix Eurimages“ ausgezeichnet. 2014 erhielt sie die Auszeichnung des Kölner Kulturrats „Kulturmanagerin des Jahres 2013“.


Yvette Mutumba (Vertretungsprofessur Globalisierungsdiskurse) ist Mitbegründerin und Chefredakteurin des Kunstmagazins "Contemporary And (C&)". Sie ist Teil des kuratorischen Teams der 10. Berlin Biennale (9. Juni bis 9. September 2018). Von 2012 bis 2016 war sie Kuratorin am Weltkulturen Museum, Frankfurt am Main. Hier ko-kuratierte sie die Ausstellungen "Ware & Wissen – or the stories you wouldn’t tell a stranger", "El Hadji Sy: Paintings, Performance, Politics" und "A Labour of Love". Letztere war für den Global Fine Art Award 2016 nominiert. Derzeit ist "A Labour of Love" (bis 5. November 2017) in der Johannesburg Art Gallery zu sehen. 2016 ko-kuratierte sie den "Focus: African Perspectives" der Armory Show, New York. Mutumba studierte Kunstgeschichte an der Freien Universität und promovierte am Birkbeck, University of London. Als Autorin und Herausgeberin hat sie zahlreiche Texte/Bücher zu zeitgenössischer Kunst aus Afrikanischen Perspektiven sowie zu Globaler Kunstgeschichte veröffentlicht. Neueste Publikation: "I am built inside you", hrsg. von C& und ifa (Sternberg Press, 2017).

Yvette Mutumba spricht am 4. Dezember, zusammen mit Julia Grosse, bei ihrem Vortrag  "Not african, but Contemporary" an der KHM über ihre Arbeit für die digitale Plattform "C&".

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