
""Während meines Studiums an der KHM gab es die NB1 (Nachbearbeitung 1), ein professionelles Schnittstudio mit einem riesigen GrassValley Video-Mixer. Viele Nachtschichten verbrachte ich dort, um zu experimentieren. Da ich zuvor mehrere Jahre als Cutter beim Fernsehen gearbeitet hatte, war es für mich selbstverständlich, die Handbücher der Geräte gründlich zu studieren, um jede noch so kleine Funktion auf ihr kreatives Potenzial hin auszuprobieren.
Beim Experimentieren mit Animations-Keyframes für die Farbmuster-Generatoren des Mixers und mit Video-Feedback entwickelte ich erste Prototypen für die Arbeit Colors. Am Ende mancher Nachtschicht ertappte ich mich dabei, wie ich für viel länger als 30 Minuten in den Monitor versank, auf dem die farbigen Kreise unendlich aus der Mitte wuchsen, um sich in der Welt ausserhalb des Monitors immer wieder aufzulösen – die Videos hatten geradezu hypnotische Wirkung.
Auch die Messgeräte der NB1 – Waveform-Monitor und Vektorskop – erwiesen sich als unerwartet geeignet, wiederholende Animationen zu erzeugen, die beim längeren Betrachten aus kurzer Distanz eine ähnliche, sehr tranceartige Wirkung entfalten.
Die dreikanalige Videoarbeit Colors entstand aus einer Vielzahl dieser visuellen Experimente und ist als Stück visueller Musik zu verstehen.
Einige der hierbei entwickelten Bild-Ideen verwendete ich später auch im Tanztheaterstück Ex Machina von Frédéric Flamand und Fabrizio Plessi (1994), für das ich Teile des Videodesigns gestaltete.
Wenn man der Arbeit philosophisch näher kommen möchte, drängt sich das Prinzip der Wiedergeburt auf. Der Kreis ist ja an sich schon eine geschlossene Linie, der man endlos folgen kann, ohne jemals anzuhalten. In der Hauptanimation entstehen und vergehen die Kreise ebenfalls in einem stetigen Loop von Werden und Vergehen. Auch im Vektorskop erscheint das Farbspektrum als Kreis, der sich unaufhörlich weiterdreht, wenn die Farben von Rot über Grün und Blau zurück nach Rot wechseln. So hat man beim Betrachten der Arbeit fast das Erlebnis, für einen kurzen Augenblick in das Prinzip der ewigen Wiedergeburt einzutauchen – allein durch die Bewegung von Farbe und Form.""
""Während meines Studiums an der KHM gab es die NB1 (Nachbearbeitung 1), ein professionelles Schnittstudio mit einem riesigen GrassValley Video-Mixer. Viele Nachtschichten verbrachte ich dort, um zu experimentieren. Da ich zuvor mehrere Jahre als Cutter beim Fernsehen gearbeitet hatte, war es für mich selbstverständlich, die Handbücher der Geräte gründlich zu studieren, um jede noch so kleine Funktion auf ihr kreatives Potenzial hin auszuprobieren.
Beim Experimentieren mit Animations-Keyframes für die Farbmuster-Generatoren des Mixers und mit Video-Feedback entwickelte ich erste Prototypen für die Arbeit Colors. Am Ende mancher Nachtschicht ertappte ich mich dabei, wie ich für viel länger als 30 Minuten in den Monitor versank, auf dem die farbigen Kreise unendlich aus der Mitte wuchsen, um sich in der Welt ausserhalb des Monitors immer wieder aufzulösen – die Videos hatten geradezu hypnotische Wirkung.
Auch die Messgeräte der NB1 – Waveform-Monitor und Vektorskop – erwiesen sich als unerwartet geeignet, wiederholende Animationen zu erzeugen, die beim längeren Betrachten aus kurzer Distanz eine ähnliche, sehr tranceartige Wirkung entfalten.
Die dreikanalige Videoarbeit Colors entstand aus einer Vielzahl dieser visuellen Experimente und ist als Stück visueller Musik zu verstehen.