Transformationsdesign ist Teil eines erweiterten Gestaltungsverständnisses, das Design nicht als (rein) formgebende Disziplin begreift, sondern als aktive Mitgestaltung gesellschaftlicher Verhältnisse. Es steht exemplarisch für eine breitere Entwicklung innerhalb des Designs, in der Gestaltung zunehmend in Interdependenz zu sozialen, politischen und ökologischen Konflikten neu verhandelt wird.
Während soziale, ökologische und ökonomische Krisen ineinandergreifen und autoritäre Kräfte an gesellschaftlichen Raum gewinnen, kann Design nicht mehr als neutrale oder autonom-formale Gestaltungspraxis verstanden werden – auch wenn der universalistische Gestus des Designs dies, ausgehend von den westlichen Industrienationen, lange behauptete. Design als (marktförmige und machtunkritische) Disziplin ist mehr Problem als Lösung. Eine kritische Designpraxis begreift sich vor diesem Hintergrund als Teil gesellschaftlicher Aushandlungen – situiert, sozial, konflikthaft, parteilich und machtkritisch.
Transformationsdesign zielt nicht auf die Herstellung fertiger Lösungen, sondern auf prozessorientierte Praktiken innerhalb offener, oft widersprüchlicher Kontexte. Im Fokus steht das Gestalten von Bedingungen, Beziehungen und Möglichkeitsräumen in den unterschiedlichsten medialen Formaten und Distributionskontexten – mit dem Anspruch, demokratische Aushandlungsprozesse, gemeinsames Handeln und Zukünfte unter realen, konfliktbeladenen Bedingungen mitzugestalten. Gleichzeitig fordert es eine kritische Auseinandersetzung mit den strukturellen Rahmenbedingungen, in die solche Praktiken eingebettet sind, und mit den– ökonomischen, politischen und kulturellen Kräften – die Gestaltungsmöglichkeiten begrenzen oder öffnen.