KHM beim Festival DOK-Leipzig 2017

Dok_Leipzig_2017.jpg
Festivalmotiv 2017, artwork by David Spaeth
— von Ute Dilger —

Insgesamt vier Filme von Studierenden der KHM werden beim Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm gezeigt, davon drei in Uraufführung.

Starke Präsenz zeigen in diesem Jahr Filme von Studierenden und Absolvent/innen der KHM beim größten deutschen Festival für Dokumentar- und Animationsfilm.

Für den Deutschen Wettbewerb wurde der Abschlussfilm "Touching Concrete" von Ilja Stahl (2017, 55 Min.) ausgewählt. Der in Südafrika gedrehte Film ist nicht nur für eine Goldene Taube sondern auch für den ver.di-Preis für Solidarität, Menschlichkeit und Fairness sowie den DEFA-Förderpreis nominiert.

In das Internationale Programm des Festivals wurde der Abschlussfilm "Parallel Planes" von Nicole Wegner (2017, 100 Min.) eingeladen. Der Musikfilm ist außerdem für den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts 2017 nominiert.

Im Internationalen Programm laufen auch zwei Kurzfilme, die Yana Ugrekhelidze und Angelo Wemmje als erste Projekte in ihrem Postgraduiertenstudium an der KHM realisierten: der Animationsfilm "Summer Story" (2017, 10 Min.), der seine Uraufführung bei den Kurzfilmtagen in Oberhausen 2017 feierte, sowie der Essay "Bohemia, IA", der in Leipzig erstmals zu sehen sein wird.

Im Deutschen Wettbewerb sind außerdem drei KHM-Absolventen mit ihren ersten Arbeiten nach dem Studium vertreten: Enno Endlicher als Kameramann des neuen Films von Stanislaw Mucha "Kolyma", sowie Matthias Stoll und Patrick Buhr mit ihren neuen Animationsfilmen "Deine Fremde" und "The Train, the Forest".

Auch in diesem Jahr wird eine Gruppe von Studierenden der KHM unter der Leitung von Solveig Klaßen das Festival in Leipzig besuchen, das sich in diesem Jahr das Thema "Nach der Angst" gesetzt hat und mit einem umfangreichen Jubiläumsprogramm "Now and Then – Then and Now" seinen 60. Geburtstag feiert.



"Touching Concrete" von Ilja Stahl (2017, Südafrika, 55')
Eine bereichernde Begegnung! Ob zufällig oder herbeigeführt – das ist im weiteren Verlauf des Miteinanders zwischen Filmemacher und Gefilmten unerheblich. Denn tatsächlich überlagert dieses „Feeling of Being There“, das Richard Leacock als Essenz des Dokumentarischen bezeichnete, alle Zweifel und Einwände. Beeindruckt von der Stilsicherheit, mit der sich Ilja Stahl die „richtige“ Vertrautheit mit seinen jugendlichen Protagonisten in einer überbevölkerten Neighbourhood in Johannesburg erarbeitet hat, fühlt man sich zugleich glücklich, als Zuschauer einen Sommer lang mit dem 16-jährigen Tebogo und dem 15-jährigen Karabo durch ihr Revier treiben zu dürfen. Ihr Revier, das sind Tiefgaragen, Hochhausdächer, nächtliche Straßen. Zwischen Langeweile und überschüssiger Energie lassen sie die Zeit verstreichen. (Ralph Eue, Vorsitzender der Auswahlkommission Dok-Leipzig)

"Parallel Planes" von Nicole Wegner (2017, 100 Min.)
Dies ist eine filmische Hommage an den amerikanischen Do-it-yourself-Spirit und die vielfältige US-Musikszene jenseits der kommerziellen Tonträgerwirtschaft. Während viele andere Musikfilme in der Heldenverehrung verharren, bleibt Regisseurin Nicole Wegner in ihrem Roadmovie konsequent auf Augenhöhe mit ihren zwölf Gesprächspartnern, darunter Ian MacKaye (Minor Threat, Fugazi), Michael Gira (Swans) und Valentine Falcon (Get Hustle). Allen ist gemeinsam, dass sie sich nicht um Vermarktungsstrategien und Zielgruppenorientierung scheren, sondern lustvoll die Musikindustrie hacken und nach ihren eigenen Regeln spielen. Obwohl im Film verschiedenste Musikstile vertreten sind – herrscht Einigkeit darüber, die Do-it-yourself-Idee als wichtigstes Erbe des Punk und Ausgangspunkt von Selbstermächtigung und Widerstand zu begreifen.
(Luc-Carolin Ziemann, Auswahlkommission Dok-Leipzig)


"Bohemia, IA" von Angelo Wemmje (2017, 30 Min.)
90 Prozent des „Mais-Staates“ Iowa werden landwirtschaftlich genutzt. Das brandmarkt die hier in den Vordergrund gerückten „Eingeborenen“ aber noch lange nicht als weltfremde Landeier. Sie machen Musik und Polaroidfotos, schauen sich auf YouTube Vorträge über Quantenphysik an oder diskutieren darüber, ob nun Elvis oder Picasso mehr „goth“ ist. Aus dem Maisfeld ertönt Buddy Hollys „Listen to Me“ – und das Iowa-Attribut „Swing State“ hat plötzlich einen anderen Klang. (Esther Buss, Dok-Leipzig)

"Summer Story" von Yana Ugrekhelidze (2017, 10 Min.)
Gierige Münder, bedrohliche mehräugige Frauengesichter, die mit Kanonen gefüttert werden wollen: Der Krieg ist wie ein Paukenschlag in die Kindheit eines Mädchens eingebrochen. Es ist Sommer, aber nichts bleibt, wie es war. Außer vielleicht die Kuh und manche nächtliche Träume, die sie mit den jäh verstorbenen Eltern verbinden. Doch die Kuh wird geschlachtet und das Schuften für fremde Mächte geht weiter wie ein makabrer Totentanz. Eine surreale Fotocollage mit atonal-expressionistischer Musik. (Nadja Rademacher, Dok-Leipzig)

Bitte warten