Aktuelle Informationen zu Aktivitäten im Lehrgebiet »Queer Studies in Künsten und Wissenschaft«

“Die mikropolitische Dimension wird immer wieder auf all die asignifikanten Elemente, all die Elemente der Singularität zurückkommen; sie wird die Dinge in dem Moment wieder komplizieren, in dem man glaubte, Einigkeit erzielt zu haben. Genau in diesem Moment wird deutlich, dass es keine Einigkeit gibt, genau in diesem Moment taucht die Existenz selbst in ihrer Singularität wieder auf. Das ist die Dimension – ich würde sagen: die Fluchtlinie – der Mikropolitik.” (Félix Guattari, Mikropolitik, im Gespräch mit Suely Rolnik)
In den aktuellen Ausformungen des maschinischen Kapitalismus sehen wir uns einem komplexen Gefüge aus Identitarismen, (Mikro-)Faschismen und Affekt-Strömen gegenüber, das die Individuen nicht einfach nur einfängt, unterwirft oder auslöscht, sondern vielmehr deren Flüsse steuert und optimiert. Regierung bedeutet hier nicht einfach eine Struktur, die uns beherrscht. Mikropolitische Selbstregierung entsteht in den Poren, Falten und Fasern der sozialen Beziehungen und technopolitischen Maschinen, in der täglichen Einübung in Häme und Hass.
Doch im Alltag entstehen nicht nur neue Regierungsweisen, hier werden auch Widerständigkeiten und Singularitäten produziert, die die Kraft haben, neue Gesellschaftsformen entstehen zu lassen. Indem sie die unterstellte Dichotomie von Mikro- und Makro- unterlaufen, haben Mikropolitiken nicht die institutionelle Machtergreifung zum Ziel, sie durchqueren die Trennung des Politischen und des Sozialen. Die Revolution erscheint hier nicht einfach als auf Staaten und Institutionen ausgerichtetes Projekt, sondern als molekulare Revolution der Subjektivierungsweisen, der Lebensweisen, der Singularisierungsprozesse.
Die Konferenz soll auf der Basis mehrerer neuer Bände von transversal texts in der Nachfolge von Félix Guattari, Suely Rolnik, Michel Foucault und Gilles Deleuze die Aktualität mikropolitischer Positionen herausstreichen und die Verbindung des theoretischen Konzepts mit aktuellen sozialen Bewegungen untersuchen.
Moderation: Niki Kubaczek, Monika Mokre
Eine Konferenz des eipcp in Zusammenarbeit mit der Akademie der bildenden Künste Wien und der Kunsthochschule für Medien Köln.
Link: Konferenzwebseite

transversal texts, August 2026
Herausgegeben von Isabell Lorey
Der Sammelband stellt die erste umfassende Auseinandersetzung mit den antifaschistischen, queeren und transversalen Praktiken des katalanisch-französischen Psychiaters François Tosquelles (1912–1994) im deutschsprachigen Raum dar. Seit einigen Jahren findet eine lebhafte Rezeption zu Tosquelles' Arbeit im internationalen Kunstfeld statt, mit großen Archiv- und Forschungsausstellungen, Katalogen und Filmen. Ausgehend von der transversalen Praxis in der Klinik von Saint-Alban und der institutionellen Psychotherapie, aktualisieren die Beiträge im Sammelband die Genealogien von Tosquelles' vielfältigem Umfeld und seiner Nachwirkung – Guattari, Simon, Basaglia, Deligny, Nerval, Marx – und befragen sie nach ihren Potenzialen für die Gegenwart.
Mit Beträgen von Christoph Hubatschke, Brigitta Kuster, Isabell Lorey, Angela Melitopoulos, Stefan Nowotny, Anne Querrien, Gerald Raunig, Francesco Salvini, Ruth Sonderegger sowie einem 1989 entstandenen Interview mit Tosquelles mit dem Titel „Eine Politik des Wahnsinns“.
transversal texts, August 2026
ISBN: 978-3-903046-51-1
342 Seiten, broschiert, € 20,00
Die Printversion ist im Buchhandel erhältlich; als pdf und epub unter: transversal.at

– MUSS LEIDER WEGEN KRANKHEIT ENTFALLEN –
Isabell Lorey im Gespräch mit Andrea Maihofer (Uni Basel)
Sommersemester-Ringvorlesung der Queer Studies, KHM und der Gender Studies in Köln (GeStiK), Universität zu Köln
7. Mai, 16:00 - 17:30 – online (Weblink folgt)
Bereits 1929 veröffentlichte die Schriftstellerin und Verlegerin Virginia Woolf ihren für die Frauenbewegung so wichtigen Essay Ein Zimmer für sich allein. Zehn Jahre später, 1938, beantwortete sie in Drei Guineen die ungewöhnlicherweise an sie als Frau gerichtete Frage: Wie lässt sich Krieg verhindern? Für Woolf war diese Frage Anlass dafür, sich ausführlich zu den Verbindungen von Patriarchat, Militarismus, Krieg und Faschismus zu äußern. Eingebunden in die Intellektuellen und Künstler:innenkreise in London, lebte sie in den 1920er Jahren offen ihre lesbische Beziehung zu Vita Sackwille-West.
Isabell Lorey spricht mit Andrea Maihofer über Woolfs scharfsinnige Analyse der bürgerlichen Geschlechterordnung, vor deren Hintergrund sie eine Utopie der Vervielfältigung von Geschlecht und Sexualität formuliert. Und es geht um Woolfs teilweise damit verwobene weitsichtige Analyse von Prozessen der Faschisierung.
Andrea Maihofer ist Philosophin und Soziologin und emeritierte Professorin für Geschlechterforschung an der Universität Basel.
Das Webjournal zu »QUEER TOSQUELLES – Anti-Fascism, Vagabonding Psychiatry, Non-Identitarian Lives« ist nun auf Englisch, Deutsch und Französisch unter folgendem Link verfügbar:
Isabell Lorey im Online-Gespräch mit Mia Jenni zu ihrem Buch Demokratie im Präsens auf Einladung der Anny-Klawa-Morf-Stiftung und dem Denknetz in Bern im März 2024.
Link zum Buch beim Suhrkamp Verlag: Demokratie im Präsens: Eine Theorie der politischen Gegenwart
Link zu: tl;dr #51: Michel Foucaults Gouvernementalität | mit Isabell Lorey
Mit dem Begriff der «Gouvernementalität» bezeichnet Foucault eine spezifische Regierungsweise in der westlichen Spätmoderne, die Macht nicht in erster Linie über Verbote, Gewalt und Sanktionen ausübt, sondern durch «produktive Techniken» – beispielsweise durch die Disziplinierung und Normierung von Körpern, Subjekten, Wissen und Diskursen. Das «Individuum» wird dabei in seine kleinsten Bestandteile und Bewegungsabläufe zerlegt und somit zum Gegenstand einer «Biopolitik», in der das Leben selbst Einzug in das Regieren erhält.
Wie übertragen sich staatliche Regierungsweisen auf Subjektivierungsweisen des Selbst? Ist Freiheit eine Zumutung? Inwiefern ist Foucault Vordenker heutiger Bewegungen, die als identitätspolitisch gelten? Und hat der späte Foucault tatsächlich mit dem Neoliberalismus sympathisiert, wie ihm zuweilen vorgeworfen wird?
In der neuen Folge des Theorie-Podcasts führt Alex Demirović in Foucaults Konzept der Gouvernementalität ein und spricht mit Isabell Lorey, Politikwissenschaftlerin und Professorin für Queer Studies in Künsten und Wissenschaft an der Kunsthochschule für Medien Köln, über die Aktualität seines Denkens.
The transversal audio season presents the lectures of the international conference "QUEER TOSQUELLES - Anti-Fascism, Vagabonding Psychiatry, Non-Identitarian Lives" that took place this June at the Academy of Media Arts in Cologne (KHM), in cooperation with the eipcp (>>>>). The conference brought together researchers and artists working on the genealogies of Catalan/French psychiatrist François Tosquelles's (1912–1994) manifold surrounds and exploring the potentials of his practice today. Starting from the practices of Tosquelles, who influenced Félix Guattari, Frantz Fanon and many others, the talks engage with the history and actuality of revolutionary, anti-fascist practices from institutional analysis to political philosophy. Here, queerness emerges in many facets: through Tosquelles's insistence on the deconstruction of the nuclear family and the importance of other forms of making kin, through the various rhythms of vagabonding, through the weird, the strange, the non-sensical and the non-normalized, through a political philosophy of multiplicity, through a queering practice that traverses all non-identitarian forms of life.
New episodes will be published on Wednesdays at 18:00 CET, starting on 30 October 2024 with:
Isabell Lorey: Ergotherapy, Vagabondage, and Instituent Care
Referentinnen
Maren Mildner
T +49 221 20189 - 123
Fax: +49 221 20189 - 49123
maren@khm.de
Heidi Pfohl
T +49 221 20 189 383
heidi.pfohl@khm.de