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Nachwuchspreis des Landes NRW geht an Almourad Aldeeb

Zum Abschluss der Duisburger Filmwoche 2026 wurde der KHM-Student Almourad Aldeeb mit dem Nachwuchspreis des Landes NRW ausgezeichnet. Die KHM-Absolventin Lenia Friedrich erhielt den Andocken-Preis für dokumentarische Perspektiven der Film- und Medienstiftung NRW.
50. Duisburger Filmwoche (2. bis 8. November 2026)
filmforum – Kommunales Kino, Dellplatz 16, 47051 Duisburg
Am vergangenen Samstag wurden die Preise der 50. Duisburger Filmwoche (2. bis 8.11.2026) vergeben.
Mit dem „Carte blanche“ Nachwuchspreis des Landes NRW wurde der erste lange Dokumentarfilm „استحبس (Estahbes)“ des KHM-Studenten Almourad Aldeeb ausgezeichnet. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird jährlich an Nachwuchsfilmemacher*innen für ihren ersten oder zweiten Film vergeben.
Der in Homs, Syrien, geborene und aufgewachsene KHM-Student Almourad Aldeeb reiste 2024, nach dem Zusammenbruch des Assad-Regimes, nach Damaskus, um dem Schicksal seiner Freunde nachzugehen, mit denen er 2013 inhaftiert wurde. Der Film erinnert an sieben junge Menschen, die in der Zeit nach dem Arabischen Frühling in Haft und unter Folter starben. Gemeinsam mit seinen KHM-Kommilitonen Ayham Khalifeh (Bildgestaltung) und Mustafa Kur (Performative Intervention) entstand ein persönlicher, essayistischer Film über Erinnerung, Haft und den Versuch, den Opfern politischer Gewalt eine Stimme zu geben. „استحبس (Estahbes)“ feierte im April beim Festival „Vision du Réel“ in Nyon seine Weltpremiere (siehe Pressemitteilung hier) und wurde beim Filmfest München im Juni mit dem Audience Award International ausgezeichnet (siehe PM hier) und ist aktuell für den Menschenrechtspreis 2026 nominiert siehe PM hier).
Der Andocken-Preis für dokumentarische Perspektiven der Film- und Medienstiftung NRW, der eine herausragende Projektidee im Entwicklungsstadium auszeichnet und zum zweiten Mal im Rahmen der Duisburger Filmwoche verliert wurde, geht in diesem Jahr an „OCTOPUS MOTHERSUCKERS“ von KHM-Absolventin Lenia Friedrich. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wurde von Nazgol Majlessi, Förderreferentin für Animations- und Dokumentarfilm der Film- und Medienstiftung NRW überreicht. Die Jurybegründung finden Sie hier.
Die Jurys der Duisburger Filmwoche haben in diesem Jahr über sechs Auszeichnungen im Gesamtwert von 28.000 Euro entschieden. Informationen zu allen Preisträger*innen des Festivals finden Sie hier.
Die Jurybegründung:
استحبس Estahbes, D/Syrien, 2026, 81 Min. mehr
Dokumentarfilm von Almourad Aldeeb
Arabisch mit deutschen und englischen Untertiteln
Der Blick aus dem Fenster in eine grobkörnige Dunkelheit. Almourad Aldeeb lässt uns Zeit, genau hinzusehen. Dann bricht eine Straßenbahn aus dem Dunkel.
Wenn das Jahr doch nur 364 Tage gehabt hätte!
Am letzten Tag des Jahres 2013 werden Aldeeb und seine Freunde in Damaskus verhaftet und in die Abteilung 215 gebracht, die „Abteilung des Todes“ in Kafr Souse. Nur drei von ihnen überleben die Gefangenschaft. Elf Jahre später, nach dem Sturz des Assad-Regimes, kehrt er mit einer 16-mm-Kamera zurück. Die Stimme des Films ist seine eigene. Die Bilder, gedreht von Ayham Khalifeh und dem Filmemacher selbst montiert, verharren in langen, statischen Einstellungen vor den menschenleeren Gängen und Zellen des ehemaligen Foltergefängnisses. Filmkorn, entsättigte Farben und Stille geben den Bildern eine haptische Materialität.
Hände fädeln sieben Olivenkerne auf, einen für jeden ermordeten Freund. Aldeeb nimmt den Faden ihrer Geschichten wieder auf. Originalaufnahmen der Befreiung der Gefangenen brechen abrupt in diese Stille ein.
Hier treffen zwei Perspektiven aufeinander: der suchende, tastende Blick der 16-mm-Kamera und die unmittelbare Zeug:innennschaft der digitalen Bilder. Aus ihrer Reibung entsteht eine konkrete Form der Erinnerungsarbeit. Bis in die Gegenwart reicht dagegen die Sequenz, in der Aldeeb vor und in den Familienwohnungen der Ermordeten ihre Porträts aufstellt. Hier saßen sie. Könnten sie doch immer noch hier sitzen!
Aldeeb führt die Zeitlichkeiten des Films mit großer Feinheit und dramaturgischer Strenge zusammen: das Heute in Köln, das Jetzt und die Vergangenheit in Damaskus, die stillstehende Zeit der Gefangenschaft, die Zeit der Rückkehr und des Erinnerns, die mediale Gegenwart der Befreiung. Aus der Dauer der Einstellungen und der geduldigen Wiederkehr der Bilder entsteht eine intensive Verdichtung filmischer Zeit. Aldeeb illustriert das Grauen nicht, sondern schafft einen filmischen Erinnerungsraum.
Die Jurymitglieder waren Karin Berger, Caroline Pitzen und Jasco Viefhues.
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