Alle Termine

Logo
Logo Text

Widerstand und Wunden: Zwei KHM-Projekte in Dortmund

Grafik: Carla Selva Matthes

Im Rahmen der Ausstellung zu genderspezifischer und sexualisierter Gewalt „Widerstand und Wunden“ sind zwei KHM-Filme im Künstler*innenhaus Dortmund zu sehen. 

Eröffnung: 18. September (bis 8. November) 2026, Künstler*innenhaus Dortmund
Sunderweg 1
44147 Dortmund

Im Künstler*innenhaus Dortmund wird am 18. September 2026 die Ausstellung „Widerstand und Wunden“ eröffnet. Teil der Ausstellung sind die beiden experimentellen Dokumentarfilme „Für Çiçek“ von Raika Er und „Ich hätte lieber einen anderen Film gemacht“ von Suse Itzel, die im Rahmen des Studiums an der KHM entstanden sind. 


Die Ausstellung setzt sich mit genderspezifischer und sexualsierter Gewald auseinander. In der Beschreibung des Künstler*innenhaus Dortmund heißt es: „Gewalt gegen Frauen, Kinder, queere und trans* Personen sowie gegen andere marginalisierte Gruppen ist eine globale Realität, die tief in sozialen Strukturen, Normen und Machtverhältnissen verankert ist. Mit Fotografie, Film, Installation und textbasierte Werken machen Jenny Bewer, Raika Er, Suse Itzel, Simone Karl & Jay Ritchie diese Gewalt sichtbar und schaffen einen Raum für Austausch und Reflexion, der auch Möglichkeiten von Solidarität und Heilung aufscheinen lässt.“ 


„Für Çiçek" war im Mai und Juli als Teil von Raika Ers multimedialer Diplominstallation „TO HOLD WHAT BREAKS“ in Glasmoog zu sehen (mehr). „Ich hätte lieber einen anderen Film gemacht“ ist der Diplomfilm von Suse Itzel und wurde bereits auf zahlreichen Festivals gezeigt und ausgezeichnet. Er erhielt unter anderem den Jurypreis im Deutschen Wettbewerb beim Kurzfilmfestival Hamburg 2025 (mehr), zwei Preise bei der Duisburger Filmwoche 2025 (mehr) und den Preis für den besten Experimentalfilm beim Slamdance Filmfestival in Los Angeles 2026 (mehr).


Die Ausstellung ist bis zum 8. November 2026 in Dortmund zu sehen. 

„Ich hätte lieber einen anderen Film gemacht“ von Suse Itzel

D, 2024, 24 Min. 

In dem experimentellen dokumentarischen Essayfilm setzt sich die Regisseurin mit den schmerzhaften Erinnerungen an die sexualisierte Gewalt in ihrer Kindheit und Jugend auseinander, mit deren Folgen sie noch immer kämpft.„Anfang November 2018 beschloss ich einen autobiographischen Film zu machen. Kurz dachte ich, ich könnte es mir einfach machen. Ich könnte den Bericht der psychiatrischen Klinik einfach vorlesen: Die Patientin berichtete, dass sie vom 11. bis zum 15. Lebensjahr von ihrem Vater sexuell missbraucht worden sei… – Sie sagen, es sei behandelbar. Vielleicht wäre ich heute genauso traurig, wenn das alles nicht passiert wäre?“ In einem Voice-Over erzählt Suse Itzel von der sexualisierten Gewalt, die sie als Kind und Jugendliche erdulden musste und von den Folgen, die eine derartige Gewalt haben kann. Eine experimentelle Bildspur begleitet das gesprochene Wort. Fotografien aus der Vergangenheit: Bilder aus einem Wohnzimmer, das es nicht mehr gibt. Die Familie taucht auf Fotos nur noch als Lücke auf. Eine grüne Couch auf alten Fotos und als nachgebaute Skulptur. Bilder als Projektionen im Raum: Schmerzhafte Erinnerungen, die im Heute wieder auftauchen. In Psychiatrieräumen, Atelierräumen oder WG-Zimmern. Therapieversuche.


„Für Çiçek“ von Raika Er

D, 2025, 24 Min. 

„Für Çiçek“ ist ein feministisches Erinnerungsprojekt. Der Versuch, einer verlorenen Schwester und Tante, und all jenen Frauen, die patriarchale Gewalt erlebt und nicht überlebt haben, Gerechtigkeit, Respekt und Würde zurückzugeben. Der dokumentarisch-experimentelle Filmessay verhandelt die Auswirkungen von Migration, intergenerationalem Trauma und das Schweigen innerhalb von Familien. Gemeinsam mit ihrer Mutter kehrt die Filmemacherin in das seit Jahren verlassene Haus ihrer Großmutter in der Türkei zurück, das von Erinnerungen und Geistern durchdrungen ist. Dieser Ort wird zum Schauplatz einer Auseinandersetzung mit familiären und gesellschaftlichen Gewalterfahrungen. Im Zentrum steht die Geschichte ihrer Familie, die in den 1970er Jahren im Zuge der sogenannten Gastarbeiter*innenbewegung aus der Türkei nach Deutschland kam. Die älteste Tochter wird von einem Nachbarn missbraucht. Statt Unterstützung erfährt sie Schuldzuweisungen durch die deutsche Justiz, Verharmlosung der medialen Berichterstattung und Isolation durch die eigene Familie, bis sie sich im jungen Alter das Leben nimmt. Ihr Schicksal bleibt jahrzehntelang verschwiegen und doch allgegenwärtig - die Last wird an die nachfolgenden Generationen weitergegeben. "Für Çiçek" erzählt von den Spuren rassistischer und patriarchaler Gewalt, die sich durch Generationen ziehen. Davon, wie und ob eine Sprache für das Unsagbare gefunden werden und Heilung stattfinden kann.


Redaktion — Giulia Maion
Bitte warten