Die Fächergruppe Film und Fernsehen unterrichtet die Studierenden in den Fächern Spielfilm, Drehbuch, Dokumentarfilm, Kamera, kreatives Produzieren und fernsehspezifische Formen. Diese Gebiete sind nicht gegeneinander abgeschottet, können also miteinander verbunden werden, so dass jeder Studierende seinen individuellen Neigungen nachgehen und sich auf den unterschiedlichsten filmischen Feldern erproben kann. Für die erwähnten Fächer existieren Lehrvorstellungen, in denen Theorie-, Grundlagen- und praktische Fachseminare aufeinander folgen und mit den Projekten der Studierenden im Hauptstudium verzahnt werden.
Diese Seminare sind zum einen variabel gestaltet, d. h. hier wechseln sich Professor*innen, künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiter,*innen Lehrbeauftragte und Gastdozent*innen ab. Zum anderen sind bestimmte Seminare einzelnen Lehrenden zugeordnet, die diese regelmäßig anbieten. Hinzu kommen Fachseminare für Produktion, Film- und Fernsehgeschichte, Sound und Montage.
Jede*r Studierende muss nach dem Vordiplom zwei Projekte und das Diplomprojekt realisieren. Projekte können kurze Spiel- oder Dokumentarfilme, Szenen der Regieübungen, aber auch Drehbücher, Kameraarbeiten bei Filmen der Kommilitonen, umfangreiche Recherchen für Dokumentarfilme oder Konzepte für Fernsehsendungen sein. Jedes Projekt muss von mindestens einem Lehrenden betreut werden, der den Entwicklungs- und Produktionsprozess begleitet und die Leistung testiert.
Die Bandbreite der Diplomprojekte in der Fächergruppe Film und Fernsehen reicht von langen Kinospielfilmen, mittellangen und kurzen Spielfilmen, mittellangen und abendfüllenden Dokumentarfilmen über Drehbücher für Kinospielfilme und Fernsehserien bis hin zu Kameraarbeiten oder zur Konzeption und Probenummer einer Unterhaltungsshow. Im Bereich der filmischen Fiktion werden verschiedene Genres verwendet. In den letzten Jahren dominierte die realistische, in der Gegenwart spielende Filmerzählung, aber es wurden auch Thriller, Filme mit einer Horror-Anmutung und Komödien realisiert. Im Bereich Dokumentarfilm finden sich beobachtende Studien, biografische Gesprächsfilme wie stark visuell vorgehende Expeditionen an den Rand der Gesellschaft, aber auch Essays zu komplexen gesellschaftlichen Verhältnissen.
„Regie führen ist die Kunst, den Zufall zu ermöglichen.“ (Roberto Ciulli)
Regie führen (frz.: Réalisateur), gilt noch immer als eine der wichtigsten Funktionen innerhalb eines Arbeitskollektives (Team), um ein individuell geprägtes, visuelles Kunst/Werk im Film oder im Theater herzustellen.
Regie führen bedeutet, ein komplexes Gebilde unterschiedlicher fachspezialisierter Berufsgruppen, wie Kamera, Drehbuch, Licht, Ton, Architektur-Ausstattung, Kostüm-Design, Maskenbild u.a.m. zu führen und anzuleiten. Das impliziert in vielen dieser Gewerke (zu mindestens) Grundkenntnisse erarbeitet zu haben.
Regie führen heißt aber vor allem, eine schöpferische Kraft für das Eigene zu entwickeln.
Das Studium an der KHM hat deshalb das Ziel Autor*innen (frz. Auteur) auszubilden und den Kunstfilm (künstlerischen Film) zu etablieren, verbunden mit einem fundierten Wissen in der analytischen Theorie und der Filmgeschichte.
Mit André Bazin hat die Filmsprache (die spätere Filmsemiotik) in den 60er Jahren begonnen, klare Begrifflichkeiten zwischen technischem Fortschritt und Content herzuleiten und zu definieren, welche bis heute die Grundlagen der Filmanalyse und der Filmkritik bestimmen. Wichtige Eckpfeiler dafür sind:
- die Mise-en-Scène ( kreative Bildkomposition + Raumkonstruktion innerhalb und außerhalb des Bildrahmens, der sg. Kadrage (das On/Off-Frame)
- Regie (nach Bazin) bezieht sich gleichsam auf die Bewegung vor der Kamera und der Bewegung der Kamera selbst, als inhaltliche und ästhetische Formbestimmung, wie z.B. die Plansequenz, die Schärfentiefe etc.
- Montage, die u. a. die zeitliche Bestimmung der erzählten Zeit (diegetische Zeitspanne) und der Erzählzeit (reale Filmdauer), den Rhythmus und der Form (z. B. eliptische oder narrativen Montage) herleitet und gleichsam evoziert.
Zudem wurde in den letzten Jahren verstärkt die Arbeit mit / von Schauspielern thematisiert und in Workshops erfahrbar gemacht. Hierfür gibt es erfolgreich erarbeitete Theorien + Methodiken, die über Konstantin S. Stanislawki, Lee Strasberg, Susan Batson, Jerzy Grotowski u. v. a. manifestiert und erprobt sind. Die Schauspielarbeit und –führung und das Wissen über Tools oder Handwerkzeug von Schauspieler*innen ist eine unabdingbare Grundvoraussetzung der – auch experimentiellen - Spielfilm/ Theater-Regie.
All diese oben beschriebenen Themenblöcke werden im Studium durch praktische (Einführungs) Fachseminare und Übungen behandelt, sowie in theoretischen (Grundlagen) Seminaren diskutiert und vermittelt.
Wichtiger Bestandteil der Lehre ist im Grundstudium ein praktisches 3-semestriges Grundlagenseminar (Filmübung1), in der von der Idee bis zum fertigen Film alle Stadien eines individuellen Filmprozesses durchlaufen und erarbeitet werden.
Im Hauptstudium selbst dann eine große 2-Semestrige Filmübung2 mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten (On-Location, Studiobau, Schauspielarbeit etc.) unter dem Fokus Regie / Kamera.
Daneben werden im Hauptstudium verschiedene andere praktische Übungen angeboten wie das Herstellen eines Socialspot (künstlerischer Werbefilm), Umgang oder Erarbeitung eines Drehbuches mit Schauspielern (Freies Spiel), Einführung in die Live-Regie mit mehreren Kameras u.a.m.
Zum Dokumentarfilm werden Kenntnisse und Methoden gegenwärtiger und vergangener dokumentarischer Praxen vermittelt. Die Studierenden sollen in den Stand gesetzt werden, eigenständig Themen und Stoffe zu finden, sie bis zur Projektreife zu entwickeln, unter den bestmöglichen Bedingungen zu produzieren und fertigzustellen. Diese Projekte haben den unformatierten Dokumentarfilm zum Ziel, der von der Handschrift seines/r Autors/Autorin geprägt ist. Darüber hinaus werden im Hauptstudium auch Informationen über die formatierten Dokumentarfilmplätze, - serien und -reihen des Fernsehens in enger Kooperation mit RedakteurInnen und ProduzentInnen vermittelt.
Zu Beginn des Studiums wird in einem Grundlagenseminar anhand exemplarischer Beispiele die Geschichte des Dokumentarfilms behandelt und die verwandten Methoden diskutiert. In praktischen Modulen werden Recherche- und Interviewtechniken vorgestellt und trainiert. Hinzu kommen zwei Übungsfilme: Im ersten wird auf Video das Reagieren des Dokumentaristen im Zusammenspiel von Kamera und Ton auf ein ausgewähltes und recherchiertes Geschehen geübt. Im zweiten wird eine repetitive Tätigkeit wie ein Arbeitsvorgang oder ein sich wiederholendes Ereignis beobachtet und festgehalten.
Im Hauptstudium finden regelmäßig Fachseminare zu verschiedenen dokumentarischen Formen und Praxen statt.
Themen sind unter anderem:
Film- und Fernsehessay, Langzeitbeobachtungen, Mischformen, TV-Feature, Kinderdokumentarfilm,
Found Footage, Geschichtsdarstellung im Film.
Außerdem werden Seminare angeboten zu Dokumentarfilmproduktion, Interview und Recherche, sowie Kameraarbeit im Dokumentarfilm und Montage.
Diplomkolloquium: In einem Fachseminar werden die Abschlussprojekte von der Konzeption über die Drehphase bis zum Schnitt und zur Postproduktion besprochen.
Foto: T. Uhlenbruck
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Bildgestaltung / Kamera ist ein Lehrgebiet der Fächergruppe Film und Fernsehen, das weder auf Genres noch auf Gattungen / Formen von Filmen beschränkt ist.
Grundlage jedweder Kamera-Arbeit sind technische und ästhetische Vorkenntnisse, die in den Grundlagenseminaren vermittelt werden. Kamera- und Beleuchtungstechnik werden jedoch nie ohne einen Bezug zum Einsatz als künstlerisches Gestaltungsmittel gelehrt.
Im Hauptstudium werden diese Grundlagen komplex verbunden. Einerseits in Form von eher theoretischen Fachseminaren, in denen es immer um die Fragen geht: Warum wurde etwas wann und wie umgesetzt und wie wirkt es auf die Zuschauer heute bzw. zum Distributionszeitpunkt?
Andererseits in Form von praktisch orientierten Seminaren, die auf die Realisierung von Kurzfilmen in der kompletten Produktionskette hinauslaufen. Der Schwerpunkt der praktischen Seminare liegt auf dem Aufgabenfeld der Kameraleute im jeweiligen Produktionsabschnitt (Vorbereitung, Drehphase, Nachbereitung).
Diese Seminare werden von den Professoren Sophie Maintigneux und Sebastian Richter in Gruppenseminaren betreut. Ziel ist immer die thematische Ausrichtung mit Blick auf die jeweiligen Projekte der Studierenden, auf deren temporäre Bedürfnisse eingegangen werden kann. Wahrnehmungspsychologischen Vorgängen im Produktions- wie im Rezeptionsprozess wird hier besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
Die Kamera-Seminare sind ausdrücklich nicht auf Studenten beschränkt, die sich schwerpunktmäßig in diese Richtung orientieren. Vielmehr geht es darum, qualifizierte und unmissverständliche Kommunikation im Filmteam zu trainieren sowie qualitative Maßstäbe herauszuarbeiten, um eigene und fremde Arbeit besser beurteilen zu können.
Drehbücher? Wer schreibt schon Drehbücher. Freiwillig? Man sitzt irgendwo rum und sieht tagelang keine Menschen. Bis sie genau in dem Moment hinter einem aufkreuzen, in dem man die entscheidende Idee hat. Wenn man doch mal raus kommt, dann drohen Phrasengewitter: Content is King. TV is a writers medium. Quäle deine Hauptfigur. To write is to re-write. Film liebt Kontraste. Kein Problem - keine Geschichte ...
Selbst wenn 2-3 davon stimmen: Es hilft einem in dem Moment meist auch nicht weiter. Und dann der ganze Kaffee. Einer nicht repräsentativen Umfrage zufolge liegt die Lebenserwartung von Drehbuchautor*innen signifikant unter der des tasmanischen Beutelteufels (und der wird eh schon nicht besonders alt).
Für alle, die bis hierhin durchgehalten haben: Das war nicht die ganze Wahrheit. Die oft übersehenen Vorteile beim Drehbuchschreiben: Man sieht bei der Arbeit tagelang keine Menschen, darf Kaffee trinken soviel man will und kann nach Herzenslust seine Hauptfigur quälen ohne dafür in den Knast zu wandern. Und das mit dem Beutelteufel ist natürlich gelogen.
Die Drehbuch-Lehre an der KHM ist frei. Und sie ist systematisch: Es gibt Grundlagenseminare über alle Formen des Erzählens. Es gibt Veranstaltungen zur Theorie des Schreibens und praktische Übungen zu Dramaturgie und Stoffentwicklung. Es geht um Formen und Formate, Arbeitsweisen, Zusammenarbeiten, Rechteprobleme, Geschichte und Zukunft.
Frei ist, wofür die Bücher sein sollen oder werden: kurze oder lange Spielfilme. Fernsehfilme, Reihen, Serien. Teil oder erster Schritt einer Dokumentation. Einer Animation. Grenzgänge zu anderen, neuen Formen. Für die eigene Regie oder die einer Kommilitonin, eines Kommilitonen. Allein geschrieben oder im Team.
Vielfältig (und im stetigen Wandel) sind auch die Formen der Veranstaltungen - Übung, Fachseminar, Kolloquium - die Grenzen sind mitunter fließend. An der KHM kann das Drehbuch das Ziel sein. Das Projekt. Eine mögliche Diplomarbeit. Oder eine Eskapade im künstlerischen Findungsprozess. Ein Experiment. Oder ein Schritt auf dem Weg zu anderen Zielen (in der Regel zu einem Film).
Den Weg bestimmt ihr.
Das Studium an der KHM ist ein anspruchsvolles Projektstudium, das sich durch die freie Wahl und individuelle Kombination künstlerischer Schwerpunkte auszeichnet. In diesem offenen Prozess entsteht eine große Anzahl künstlerischer Werke, die im weitesten Sinne filmische Arbeiten sind: kurze oder lange fiktionale, kurze oder lange dokumentarische, oder experimentelle und essayistische filmische Arbeiten, Animationsfilm, Aufzeichnungen einer Performance, filmische Mischformen aller Art, u.v.a.m.
Die Studierende ist oft Ideenfinder*in, Autor*in und Regisseur*in in einer Person. Mit dem ersten Projekt wird sie aber immer gleichzeitig zu Produzent*in ihres eigenen Werks. Spätestens ab diesem Zeitpunkt muss sie lernen, die wirtschaftliche Verantwortung für ihr künstlerisches Vorhaben, ihre kreative Entscheidungen und ggf. auch das Team zu übernehmen.
Um die Zusammenhänge und die Wechselwirkung zwischen dem Künstlerischen und dem Kaufmännischen zu erkennen, die Herstellungsprozesse zu verstehen und zu meistern, vermittelten Fach- und Grundlagenseminare mit dem Schwerpunkt „Produktion“ die essentiellen wirtschaftlichen, organisatorischen und technischen Grundlagen der Herstellung audiovisueller Werke, als Projekt an der KHM oder nach dem Studium.
Anhand der konkreten studentischen Projekten behandeln wir die für Filmemacher wichtigen Themen: von Ideenentwicklung, über herkömmliche und alternative Finanzierungsarten, Casting, Packaging, Kalkulation, Produktions-, Dreh- und Postproduktionsplanung, sowie Möglichkeiten der nationalen- und internationalen Auswertung der eigenen Werke.
Das Themengebiet wird um medienrechtliche Grundlagen erweitert, um das Bewusstsein beim Verwenden von urhebergeschütztem Material zu sensibilisieren. Das Entstehen von Urheberschaft durch das Schaffen neuer Werke, das Beachten von Persönlichkeitsrechten und die Handhabung von Vergütungsansprüchen, sowie der Arbeitsverhältnisse durch Vertragsgestaltung steht neben den Verpflichtungen als Produzent*in ebenso im Fokus unsere Seminare.
Wir betonen zudem die Wichtigkeit des nachhaltigen Film- und Medienproduzierens und stellen in diesem Zusammenhang die Prinzipien des Grünen Produzierens vor.
Die Konzeption und Ausgestaltung von Fernseh-Formaten hat an der KHM Tradition. Im Grundlagenseminar 'Live-Regie' werden die Regeln und Techniken der traditionellen Live-Sendung vermittelt.
Dabei geht es um die formalen Möglichkeiten des Fernsehens: vom Magazin über die Talkshow bis zur Live-Übertragung von Musik- und Sportveranstaltungen (Beispiele hier). In der praktischen Erprobung übernehmen die Studierenden abwechselnd die unterschiedlichen Funktionen von Kamera, Live-Schnitt, Live-Regie, Redaktion und Moderation.
Im Hauptstudium werden Konzepte für neue Formate entwickelt und produziert - dabei aktuelle Distributionswege und Gestaltungsmöglichkeiten durch Internet und VOD intensiv diskutiert - und die Ergebnisse anschließend Redaktionen und Produktionsfirmen zur Kritik präsentiert.
Die Professur soll eine Vertiefung und Kontinuität der Lehre im Bereich der historischen Entwicklungen heterogener Positionen der Filmgeschichte und Filmtheorie gewährleisten – als Untersuchung von Experimenten, Filmsprache(n) und Theorien des Kinos bis hin zu Postcinema- und Postdigital Diskursen und bisher wenig erforschten oder marginalisierten Feldern der Filmgeschichte. Sie ist dabei nicht die andere Seite der Praxis, sondern versteht sich als integraler Bestandteil künstlerischer Prozesse, die sich – spätestens seit das Kino modern geworden ist – immer auf Bestehendes und bereits Gedachtes beziehen muss.
Lehrbereiche sind u.a.:
– Das Vermitteln und Hinterfragen von bestehenden Ansätzen der Filmgeschichte und -theorie (wie z.B. Ökonomie, Technikgeschichte, sozialwissenschaftliche Untersuchungen, Bild- und Erzähl-Strukturen in semiotischen und bildhistorischen Forschungen, Erkundungen im Werk einzelner Filmkünstler*innen).
– Förderung eines kritisch-analytischen Verständnisses von Filmgeschichte und -theorie, die als Ergebnis und Spiegel gesellschaftlicher Auseinandersetzungen und sich daraus ableitenden, immer wieder neu zu verhandelnden Positionen verstanden wird (im Gegensatz zur Perpetuierung eines festgeschriebenen Kanons).
Assistenz
Claudia Löwen
Heumarkt 14
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