Einführung und Übersicht

audiolectures

Hans Ulrich Reck

Überblick über Idee, Zweck, Ziel und Entstehungsgeschichte der audiolectures von Hans Ulrich Reck zur 'Geschichte der Künste im medialen Kontext'

Die audiolectures basieren auf aufgearbeitetem Material, das aus verschiedenen Semesterzyklen stammt und Vorlesungen dokumentiert, die sich auf breiter Ebene mit der Geschichte der Künste im medialen Kontext auseinandersetzen. Inhaltlich stehen dabei kunst- und kulturgeschichtliche Bezüge im Mittelpunkt, die sich mit der europäischen wie außereuropäischen Geschichte von Architektur, Urbanität, Design, bildenden Künsten sowie mit Philosophie, Kultur- und Technikgeschichte und Alltagskulturen beschäftigen.

Das Besondere an dem generierten Audiomaterial ist, dass hier nicht vom Blatt abgelesen, sondern – auf der Basis von Notizen, Zitaten/ Textauszügen und Bildabfolgen – in freier Rede ›performt‹ wird. Dadurch bleibt die besondere Situation akademischer Lehre erhalten und wird in Form der audiolecture durch Redaktion und Synchronisation von gesprochenem Ton und visuellen Referenzen, also durch die Verschaltung von Diskurs und Bild, Stimme und visuellem Dokument für eine Nutzung im Netz (sowie auch schon auf CD-Rom und DVD) aufbereitet.

Die audiolectures zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf konzeptioneller Ebene stark mit inhaltlichen Fragestellungen korrespondieren: Überlegungen zu einer Kunstgeschichte im medialen Kontext werden nun selber in einem neuen medialen Kontext behandelt. Damit wird aktiv der generell relevanten Frage begegnet, wie Wissen sich im Zeitalter des Internet als Verbindung von Hermeneutik und Poesie, also in Einheit von objektivierbarer Argumentation und begleitender Inszenierung entwickeln lässt.

Die Entstehungsgeschichte der audiolectures – die zunächst gipfelte im ersten im Netz dokumentierten Zyklus –weist Besonderheiten auf, die hier festgehalten werden sollen. Die von Hans Ulrich Reck zunächst unsystematisch und eher kursorisch für einen eigenen Trainingszweck aufgenommenen Vorlesungen wurden nicht im Blick auf eine spätere Aufarbeitung, Dokumentation oder gar Veröffentlichung gehalten. Dies vollzog sich erst durch eine studentische Initiative, die eine weiterführende Nutzung und damals (2000/ 1) noch durchgängig neuartige Form der internet-Veröffentlichung erschloss und ermöglichte. In seiner Diplomarbeit (als Abschluss eines postgradualen Studiums an der Kunsthochschule für Medien Köln mit Vertiefung im Bereich Mediengestaltung) hat Markus Unterfinger im Jahre 2001 sowohl theoretisch als auch praktisch eine dezidierte Auseinandersetzung mit den von ihm erstmals digital aufgezeichneten Vorlesungen geleistet und eigens dafür das Projekt »PART« ins Leben gerufen, das für »partizipativer audio-visueller Wissensraum« steht. Darin eruiert er die Möglichkeit, den Vorlesungsraum dynamisch zu erweitern, mit neuen Einträgen und Kommentaren zu ergänzen und – im Sinne des Titels »PART« – im digitalen Raum einen partizipativen Wissensraum zu ermöglichen, also den teilhabenden Charakter der mündlichen Überlieferung zu erhalten. Zur Diplomarbeit von Markus Unterfinger gehörte neben einer ausgreifenden theoretischen Reflektion des Themas digital eingerichteter partizipativer Wissensräume sowie des Internet generell auch die Gestaltung/ der Entwurf/ das konzeptuelle Design eines audiolecture-Prototypen in Gestalt einer beispielhaften Einzel-Vorlesung. Man kann knapp sagen, dass gegen die hypertrophe Textmaschine Computer die Grundidee Unterfingers in enger Anlehnung an die Vorlesung (Stimme, Bilder, Kommentare) von Hans Ulrich Reck war: Radio mit Bildern.

Auch wenn dieses Modell mit der ersten audiolecture noch nicht in seiner ganzen Bandbreite realisiert, sondern zunächst zugunsten einer elementareren, auktorialen Präsentation zurückgestellt worden ist, sind mit den Arbeitsschritten aus »PART« bereits grundlegende Vorleistungen für die Entwicklung weiterer audiolectures getätigt.

Dass die praktische Fortführung dieser Ansätze fruchtbar sein kann, ist durch die Fortsetzung des Prototyps »PART« durch einen weiteren Studenten der KHM, Alexander Peterhänsel, erwiesen worden. Dieser hat in den Jahren 2002 und 2003 auf Basis der unter dem Titel »PART« zusammengefassten Vorkonzeptionen einen gesamten Vorlesungszyklus inhaltlich erfasst, neu gestaltet und den avancierten technologischen Entwicklungen angepasst. Dieser engagierten Initiative ist es zu verdanken, dass der erste audio-visuelle Vorlesungszyklus der Kunsthochschule für Medien Köln öffentlich im Internet verfügbar wurde und darüber hinaus als CD-Rom im kleinen Kreis erhältlich war und ist. Die Etablierung der audiolectures wurde also studentisch bzw. in enger Zusammenarbeit mit Studierenden geleistet.

Die Initiative der Studierenden ist an dieser Stelle deshalb so prominent hervorgehoben worden, weil sie den innovativen Charakter dieses Projektes belegt. Es ist intensiv durch die Arbeit an einer Kunst-Hochschule mit ausgewählten wissenschaftlichen Bereichen geprägt. Die Realisierung der audiolectures ist praktizierten Ideal akademischen Zusammenarbeitens geschuldet, das von der Grundvoraussetzung geprägt ist, dass Wissenschaft von der steten Interaktion von Lehrenden und Studierenden im Sinne explorierender Forschungsgemeinschaft lebt – eine Überzeugung, die von Humboldt bis Karl Jaspers' 'Idee der Universität' lebendig geblieben hat.

In Fall der audiolectures generierte die Lehre Hans Ulrich Recks und dessen Überlegungen zur Kunstgeschichte im medialen Kontext eine direkte studentische Reaktion in Form von Aneignung und praktischer Umsetzung, die selber neue mediale Kontexte antizipierte. Die hier präsentierten und auch die noch folgenden audiolectures knüpfen direkt an solch optimierte Lehr- und Lernsituation an. Sie greifen die Vision eines tatsächlich partizipativen Wissensraums im Internet auf und belegen, dass die Interaktion von Lehrenden und Studierenden sich nicht nur auf die theoretische Arbeit in den institutionalisierten Formen von Seminar und Vorlesung beschränken muss, sondern auch darüber hinaus in die Gesellschaft hinein wirken kann – zumindest für alle Engagierten und Interessierten, die wissen, dass Vernetzung nicht reicht, sondern Geduld, Konzentration und, es sei nicht verschwiegen, auch ein starkes und intensives Stück Einsamkeit, mithin mindestens temporär entschiedener Rückzug aus dem Palaver der 'Kommunikationen' und Vernetzungen nötig sind, wenn man sich etwas forschend und vertiefend erschließen möchte. Das ist die Idee der audiolectures.

Die an ihrer Realisierung beteiligten Wünschen sich Interesse des Publikums und den Nutzern Vergnügen …

Hans Ulrich Reck
Köln, zuletzt im September 2014