Transmedialer Raum

Transmedialität ist ein Phänomen, das sich in den Übergängen, den Wanderungen und Verwandlungen zwischen Medien manifestiert. Sie kann sowohl auf der Ebene der Zeichen, als auch auf der technologischen Ebene beobachtet werden. Ihren ursprünglichsten Ausdruck findet sie im Traum; ihre ideellen Wurzeln in der Konzeptkunst der 70er Jahre, der geistigen Vorreiterin einer digitalen Kunst, in der alle Zeichensysteme auf Code beruhen „was die geradezu unbegrenzte Datenübertragung zwischen beliebigen semiotischen Systemen ermöglicht.“ (Simanowski 2006)


Das Atelier Transmedialer Raum versteht sich als ein Treibhaus, ein Labor zu Initialisierung und Erforschung transmedialer Prozesse. Was geschieht wenn sich gesprochene Sprache in Text verwandelt? Wenn Materie programmiert und Daten materialisiert werden?  Wenn alte Techniken des Bewusstseins auf Maschinen angewandt oder Coaching Systeme aus dem Management in „zweckfreie“ Kunst überführt werden?


In den Kolloquien und Ausstellungsprojekten werden individuelle künstlerische Positionen verstärkt und kontrastiert. Die Seminare sind an den Schnittstellen von Labor und Experiment, Kunst und Wissenschaft, Recherche-basierter Kunst und intuitiver künstlerischer Handlung angesiedelt. Die Beschäftigung mit dem Raum, sei es der physische oder virtuelle, der filmische oder der soziale Raum dient als Ausgangspunkt für eine installative Ausstellungs- und Aufführungspraxis.

Lehrende

Aktuelle Seminare

Artists as Ethnographers

Fachseminar Hauptstudium und weiterqualifizierendes Studium Donnerstag wöchentlich 14:00 – 17:00 Erster Termin 22.10.2020 Witschgasse 9-11, Atelier Transmedialer Raum, 1.0

Viele aktuelle künstlerische Erzählungen über die Welt greifen auf ethnographische Methoden zurück. Es ist nicht verwunderlich, dass nicht nur Künstler*innen zu Ethnografinnen, sondern auch Ethnograf*innen zu Künstler*innen werden. Im Begriff der künstlerischen Forschung bewegen sich beide Felder aufeinander zu und fusionieren in der Gemeinsamkeit der korrespondierenden Praktiken: Beide schreiben, zeichnen, fotografieren, filmen, werden Teil von Gemeinschaften, befragen Andere und denken über sich Selbst und ihre Beziehungen zur Welt nach.


Was genau macht die ethnologische Art, auf die Welt zu blicken, aus? Was sind die Schwierigkeiten und Herausforderungen ethnografischer Praxen heute? Wie politisch sind sie und welche Bedeutung haben sie für die von ihnen untersuchten Gesellschaften und Individuen? Um das herauszufinden wollen wir uns genauer mit den Methoden von Ethnograph*innen auseinandersetzen – von der teilnehmenden Beobachtung, über das ethnographische Interview, hin zu Methoden der Selbstreflexion in der Autoethnographie. Besonders interessant können hier neuere Forschungsfelder wie bspw. die Digital Ethnography (oder Cyberanthropologie), oder die Multispecies-Ethnographies sein. Erstere versteht den Cyberspace als Raum sozialer Gemeinschaft; Zweitere nutzt den ethnologischen Methodenapparat, um das Zusammenleben menschlicher und nichtmenschlicher Kulturen zu beforschen.


Ausgehend von eigenen Forschungsinteressen wollen wir ethnografische Methoden in der künstlerischen Praxis erproben. Parallel dazu sprechen wir über Arbeiten von Künstler*innen wie z.B.  Ulrike Ottinger, Renzo Martens, Snæbjörnsdóttir/Wilson, Angela Washko oder Karen Bolender-Hart, die sich in diesen Feldern bewegen.


Die Studierenden sind eingeladen eigene Forschungsansätze und Projekte zu entwickeln und im Kolloquium vorzustellen. Für 2021 ist eine Ausstellung mit Arbeiten der Studierenden und anderen Künstler*innen geplant.

Gäste im Seminar:

nn


Literatur:

Tom Boellstorff et al.: Ethnography and Virtual Worlds, 2012.

Stacy Holman Jones/Carolyn Ellis/Tony E. Adams: Autoethnography, 2016.

Eben Kirksey: The Multispecies Salon, 2014.

Alexander Knorr: Cyberanthropology, 2011.

Claude Lévi-Strauss: Traurige Tropen, 1955.

Installation Art

Grundlagenseminar Installation Grundstudium Kompaktseminar 22.01.2021 – 05.02.2021; 10:00 – 17:00 Witschgasse 9-11, Atelier Transmedialer Raum, 1.0 Weiterer Ort: Filzengraben 8-10, ß-Lab, 0.23


Donnerstag, 10. Dezember 2020 um 10:00 findet eine Vorbesprechung im Transmedialen Raum statt. Dieser Termin ist Voraussetzung für die Teilnahme am Grundlagenseminar in den Kompaktwochen.

Künstlerische Installationen handeln von den Beziehungen zwischen Objekten, Klängen und Projektionen. Sie sind Teil einer lebendigen Aufführungspraxis, in der Künstler_innen und Betrachter_innen den Raum immer wieder neu erfahren und konstruieren. Die Installation als Mittelpunkt und Quelle dieser Transformationsprozesse ist Herausforderung und Angebot zugleich: In ihrer Konfiguration weist sie eine Vielzahl von künstlerischen Techniken und Strategien auf, in ihrer Form ist sie ein komplexes sensorielles Angebot an die Betrachter_innen.

In diesem Seminar experimentieren wir mit Materialien und Immaterialien, mit Gefundenem, Angeeignetem und Gemachtem, in individuellen und kollaborativen Handlungsräumen. Den Rahmen hierfür bilden der Transmediale Raum das mit seiner Infrastruktur den Studierenden für ihre Experimente zur Verfügung stehen. Teil der Praxis wird das Vorstellen und Diskutieren künstlerischer Arbeiten sein. Am Ende der Kompaktwoche soll eine gemeinsame Rauminstallation für einen spezifischen Ort entstehen.

Exkursion:

N.n.


Literaturempfehlungen:

Claire Bishop, Installation Art

Ilya und Emila Kabakov, Über die „totale“ Installation

Faye Ran, A History of Installation Art and the Development of New Art Forms

Juliane Rebentisch, Ästhetik der Installation

Projekte

Vergangene Seminare

FS Multispecies Narrations / A Curious Practice

Transmedialer Raum, Große Witschgasse 9-11

Donnerstags, 14.00 -16.00 h


The blackbird sings its importance;

The babblers dance their shining prestige;

The storytellers crack the established disorder.

–Donna Haraway, Staying with the Trouble


In diesem Seminar geht es um „die Vorstellung von einer Welt, die bewohnbar sein könnte“, in einer Zeit, in der neben inner-humanen Konflikten, das massenhafte Aussterben von Arten auf der Tagesordnung steht. Zwei der häufigsten Antworten auf den Horror des Anthropozäns sind, so Haraway, eine fast schon religiöse Hoffnung darauf, dass der technologische Fortschritt uns „ungezogene aber clevere Kinder“ am Ende schon irgendwie retten werde. Und, – vielleicht noch destruktiver – dass die Zeit bereits um sei: Game Over.


Unsere Konstruktionen von Welt basieren auf politischen, ökonomischen und individuellen Narrationen – Geschichten von Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen, Menschen und Tieren. Manche führen dazu, dass wir den Kopf in den Sand stecken und damit dem Barbarismus in die Hände arbeiten. Andere stärken das Vertrauen, dass wir etwas bewirken können und machen neugierig darauf, wie eine bewohnbare Welt für ALLE aussehen könnte.


Im Seminar diskutieren wir Arbeiten von Künstler_innen wie Sin Kabeza, Allora & Calzadilla, Beatriz da Costa und  Maya Lin. Lesen Texte von Vinciane Despret, Donna Haraway und Bruno Latour. Besuchen einen Gnadenhof für sogenannte „Nutztiere“. Bauen dringend benötigte Nistplätze für Vögel und Insekten an der KHM. Und experimentieren mit multi-perspektivischen Technologien wie 360 Grad Video, binauralen Soundwalks und VR-Systemen, im Hinblick auf ihre Möglichkeiten für multi-spezies Narrationen.


Das im WS2017/18 anschließende Seminar ist für die Ausarbeitung der Projekte vorgesehen, die Anfang 2019 in einer Ausstellung präsentiert werden sollen.


Gäste im Seminar:

Susanne Karr, Kunst- und Kulturwissenschaftlerin, Wien

Martin Ullrich, Prof. für interdisziplinäre Musikforschung mit dem Schwerpunkt Human-Animal-Studies, Hochschule für Musik Nürnberg

Lisette Olivares, Künstlerin, Sin Kabeza Productions, New York


Exkursionen: Hof Butenland, Altersheim für Kühe


Workshop: Multiperspektivische Technologien


Literatur:

Karen Barad: Agentieller Realismus

Vinciane Despret: What Would Animals Say If We Asked the Right Questions?

Sue Donaldsen & Will Kymlicka: Zoopolis, eine politische Theorie der Tierrechte

Donna Haraway: Staying with the trouble, Making Kin in the Chutulescene

Susanne Karr: Verbundheit – Zum wechselseitigen Bezogensein von Menschen und Tieren

Michael Kirby: On Acting and Not-Acting

Bruno Latour: Kampf um Gaia: Acht Vorträge über das neue Klimaregime

Isabelle Stengers: In Catastrophic Times: Resisting the Coming Barbarism

Gregory S. Szarycz: The Representation of Animal Actors

Chris Wilbert: What is Doing the Killing


FS Unruhiges Forschen - Theorie & Praxis künstlerischer Forschung

Transmedialer Raum, Große Witschgasse 9-11

Donnerstags, 14.00 -16.00 h


„For the essence of this art is that it must be an adventure into the unknown, and perhaps it may be found that this, at last, is the matter of all the arts.“ (Arthur Machen, Things Near and Far, 1923)


Die künstlerische Forschung ist ein unruhiges Forschen: Sie oszilliert zwischen den Künsten, dem Design und den Wissenschaften, kann zu allen drei Bereichen etwas beitragen, ohne jedoch dazu zu gehören. Sie praktiziert in einer permanenten Ambivalenz, aus deren Unsicherheit sie produktiv schöpft. Sie folgt weder der Marktlogik der Kunst, fragt gern nach schlechtem Design und forscht undiszipliniert in den Grenzbereichen unterschiedlicher Wissensgebiete. Sie versteht die Trennung von Kunst und Wissenschaft als etwas kulturell-erzeugtes und versucht durch ihr Handeln diese künstliche Dichotomie aufzulösen. Der Modus in dem dieses Forschen operiert, ist eine unruhige Suchbewegung zwischen Kunst und Wissenschaft, zwischen Material und Denken, zwischen Widerstand und Anpassung.


Das Seminar bietet unterschiedliche Blickwinkel auf die Theorien und Praktiken künstlerischer Forschung an.

Ziel ist es, durch das Handeln im und mit Material zu den eigenen, spezifischen Fragestellungen zu gelangen und diese durch performative Vorträge zur Diskussion zu stellen. Wie kann Erkenntnis nicht faktisch, sondern ästhetisch-erfahrbar vermittelt werden? Wie finde ich das Neue, wenn ich nicht so genau weiss, was dieses Neue sein könnte? Und wie stabilisiere ich Phänomene, die nur im Augenblick existent sind?

FS Pasts Presents Futures - A Time Traveler’s Diary

Slow Chocolate Autopsy, Iain Sinclair & Dave McKean, 1997

Transmedialer Raum, Große Witschgasse 9-11

Donnerstags, 14.00 -16.00 h


„Ein bekannter Kunsthistoriker reist mit einer Zeitmaschine aus der Zukunft zurück ins 21. Jahrhundert um den Maler Mathaway zu besuchen, der zu seiner Zeit vollkommen unbekannt war und erst in der Zukunft entdeckt wurde. Er lernt ihn aber als einen verdorbenen, untalentierten, an Größenwahn leidenden Zeitgenossen kennen; Mathaway stiehlt ihm sogar seine Zeitmaschine und entflieht mit ihr in die Zukunft. Dem Historiker, der sich solcherart in unserem Jahrhundert gefangen sieht, bleibt nichts anderes übrig, als Mathaways Identität anzunehmen und sich selbst als Maler zu versuchen: das Genie ist er selbst.“ 
Slavoj Žižek nach William Tenn


Das Motiv der Zeitreise als ein Techno-Phantasie hat Autor_innen die sich mit der Auswirkung von Technologien auf die Gesellschaft beschäftigen seit jeher fasziniert. Zeitreisen haben die Space Odyssey im Hinblick auf die Komplexität von Erzählungen als zentrales Moment zeitgenössischer Science Fiction abgelöst. In der Übertreibung der Kontrolle von Zeit über viele Zeitebenen hinweg, spiegelt sich der Wunsch nach Weltbeherrschung mittels Prognostik und Computersimulation. In diesem Seminar interessieren uns Zeitreisen jenseits der Apparate vor allem als Gedankenexperimente, die eine imaginative Atemporalität ermöglichen – als Maschinen zur Herstellung von Zukunft. Welche Methoden gibt es durch die Zeit zu reisen (psychologisch, schamanistisch, künstlerisch)? Welche Rolle spielen Medien bei der Reise durch die Zeit? Und im Hinblick auf das utopische Potential der Zeitreise – wie würde der Blick aus einer postrassistischen, postsexistischen, postspeziesistischen Gesellschaft der Zukunft, auf unsere Gegenwart aussehen? Die Studierenden sind eingeladen eigene Projekte vorzustellen und zu entwickeln.


Themenfelder: Retroaktive Kausalität, Prädestinationsparadoxien Uchronie, Zeitschleifen, Zeitkapseln, Dehnungen und Stauchungen, Wurmlöcher, Parallelwelten u.v.m. 

FS Eine andere Sonne – In-Game Photography


Wiebke Elzel, Thomas Hawranke

Transmedialer Raum, Große Witschgasse 9-11 / Case - Projektraum der Fotografie


Fachseminar, Dienstags 17 - 19h

Erster Termin: Dienstag, 25. April, Transmedialer Raum


Ist unsere Wahrnehmung innerhalb virtueller Welten eine andere, als in der wirklichen Welt? Verändert sich der künstlerische Blick mit den Oberflächen, die er abtastet? Sind in den virtuellen Welten die gleichen Konzepte und Techniken anwendbar, die wir für fotografische Projekte in der realen Welt benutzen? Was geschieht, wenn künstlerische Überlegungen nicht Offline, sondern Online ihre Anwendung erfahren? Wie antworten Künstler auf die dominanten visuellen Oberflächen der unterschiedlichen Spielwelten? Und wie entgehen wir den Rhythmen der Maschine, die uns zum Handeln in der digitalen Landschaft verführen wollen?


Das Seminar sucht einen fotografisch-forschenden Ansatz im Umgang mit den virtuellen Weiten. Wir verweilen in den Landschaften, entdecken unberührte digitale Natur und fotografieren die Grenzbereiche simulierter Wirklichkeiten. 


Literaturempfehlungen:

Galloway, Gaming: Essays on Algorithmic Culture Huberts/Standke, Zwischen|Welten – Atmosphären im Computerspiel

Knorr, Cyberanthropology

Levi-Strauss, Traurige Tropen

videogametourism.at, The Art of in-game Photography

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