Künstlerische Fotografie

Im Zentrum der Lehre der Künstlerischen Fotografie steht konzeptionelles Arbeiten sowie das Experimentieren am eigenen Medium.

Ausgehend von der Fotografie als Wirklichkeit abbildendes Medium wird die Differenz zwischen fotografischer Abbildung und Abgebildetem reflektiert, um so die Möglichkeiten, Bedingungen und Grenzen des Mediums Fotografie auszuloten. Hierfür kann der Bereich der Fotografie auch verlassen und andere Medien hinzugezogen werden. Denkbar sind z.B. Arbeiten an der Grenze zwischen stillem und bewegtem Bild oder auch Ansätze, die die Kombination "handschriftlicher" und apparathafter bzw. fotografischer Aufzeichnung verfolgen. 

Zu überlegen wäre, wie fotografische Bilder in früheren Jahrzehnten in der Kunst eingesetzt wurden, aber auch, in welcher Weise Fotografien in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft heute auftauchen und den Blick des Betrachters mitbestimmen, wie z.B. durch die Produktfotografie der verarbeitenden Industrie, durch die Überwachungstechnik oder alltägliche Handyfotografie. 


Auch das Verhältnis von Fotografie zur Malerei kann von Interesse sein, ist es doch die Malerei, die unser Verständnis vom „gelungenen“ Bild nachhaltig beeinflusst hat. Es geht jedoch nicht nur um eine mediale Reflexion, sondern vielmehr darum, sich auf historische, abseitige, lokale, private oder auch politische Themen einzulassen, sie sorgfältig zu beleuchten, sich über das eigene Interesse an ihnen klar zu werden, um diese Themen dann mit den Mitteln der Fotografie oder auch einem anderen Medium zu bearbeiten.

Jeweils zum Wintersemester findet eine Reihe von Einzelausstellungen im Projektraum der Fotografie Case statt. Im Sommersemester fokussieren sich die Lehrveranstaltungen auf Inputs, Arbeitsbesprechungen, Kooperationen, externe Ausstellungsprojekte und Gästeeinladungen.

aktuelle Seminare

Aktuelles Fachseminar: Eingreifen? Politics of Art (2)
Prof. Beate Gütschow, Wiebke Elzel

Donnerstags, 10 - 12 Uhr Erster Termin: 27.10.16
Ort: CASE - Projektraum der Fotografie, Große Witschgasse 9 - 11, Hinterhof
Im Projektraum der Fotografie wird die im Sommer begonnene Ausstellungsreihe „Acht Behauptungen“ mit Einzelausstellungen der Studierenden fortgesetzt. Die Reihe gehört zu den seit längerem statt findenden Case-Ausstellungen, hat in diesem Jahr aber zum ersten Mal einen thematischen Fokus: Politische Kunst, gibt es das? Ab wann agiert Kunst, und wie verhält sich dies für die künstlerische Fotografie? Gesellschaftliche Relevanz wird vielen künstlerischen Arbeiten oft schon fast inflationär in Ausstellungs-Pressetexten bescheinigt. Im institutionellen Rahmen werden soziale Konflikte und Missstände - wenn schon nicht änderbar - so doch zumindest ausgestellt. Kann man Systeme hinterfragen, ohne den von ihnen gesetzten Rahmen zu verlassen? Sind kritisch arbeitende Künstlerinnen Volontäre der Politik? Gibt es Situationen und Kontexte, in denen die künstlerische Stellungnahme unabdingbar ist?  Die künstlerische Fotografie hat in diesem Feld eine besondere Rolle. Eine dokumentarische Praxis mag in das, was sie zeigt, mit dem Zeigen eingreifen, sie kann dabei aufklärerisch aber auch parasitär sein. Künstlerische Fotografie taucht aber auch zunehmend, nicht als künstlerische Setzung erkennbar, im Kontext von Aktionismus, Printmedien und Web auf. Was bedeutet der Verzicht auf den institutionellen Rahmen?


Für die Case Ausstellungen sind Projekte gewünscht, die es wagen, zu agieren, jedoch auch Projekte, die die Möglichkeiten dieses Agierens in Frage stellen oder das Einmischen vollständig - als explizite Haltung - verweigern. Im besonderen Fokus steht hier das Medium Fotografie, mit seinen spezifischen Bedingungen und Unzulänglichkeiten, die Bertolt Brecht in den Schriften Versuche 1-12 treffend beschreibt: „Die Lage wird dadurch so kompliziert, dass weniger denn je eine einfache ‚Wiedergabe der Realität’ etwas über die Realität aussagt. Eine Photographie der Kruppwerke oder der AEG ergibt beinahe nichts über diese Institute. Die eigentliche Realität ist ins Funktionale gerutscht. Die Verdinglichung der menschlichen Beziehungen, also etwa der Fabrik, gibt die letztere nicht mehr heraus.1

Das Seminar ist eine Fortsetzung des Seminars: Eingreifen? Politics of Art (1),  jedoch

ist es offen für Studierende, die nicht am ersten Teil teilgenommen haben. Die Ausstellungstermine sind bereits weitgehend vergeben, jedoch ist davon unabhängig das Besprechen von eigenen künstlerischen Arbeiten zum Thema möglich und ausdrücklich gewünscht.

1 Bertolt Brecht: Versuche 1-12, Heft 1-14, Neudruck der ersten Ausgabe, Frankfurt a. M. 1959, S.260

Grundlagenseminar Fotografie
Wiebke Elzel, Heiko Diekmeier, Claudia Trekel

Laufzeit über zwei Semester, Beginn jeweils im Oktober

Mittwochs, 14 - 17 Uhr


Ort: CASE - Projektraum der Fotografie, Große Witschgasse 9 - 11, Hinterhof

Das Grundlagenseminar Fotografie vermittelt profunde Grundlagen in der künstlerischen Fotografie. Die Studierenden werden mit den Möglichkeiten und Bedingungen der Fotografie vertraut gemacht, um daraus eigene künstlerische Arbeitsansätzen zu entwickeln. Wie lässt sich eine Idee fotografisch umsetzen, welche Gestaltungsmittel gibt es? Wie verhält sich der Fotograf zur Umwelt und wie wirkt sich dies auf die entstehenden Bilder aus? Welche Aussagen lassen sich treffen? Wie lassen sich Fotografien präsentieren?

Auf der technischen Ebene werden Kenntnisse der Aufnahmetechnik (Belichtungsmessung, Blende, Verschlusszeit, Tiefenschärfe) sowie der Umgang mit analogen & digitalen Kameras vermittelt. Weiterhin werden die Möglichkeiten der Weiter- bzw. Nachbearbeitung behandelt, also die verschiedenen Scanner, Drucker und der Ausbelichter Durst Lambda.

Ziel des Grundlagenseminars ist es, Theorie und Praxis möglichst weitreichend ineinander greifen zu lassen.

Im Sommersemester findet eine Gruppenausstellung mit Arbeiten der Studierenden statt.

Lehrende

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