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[∫]

11:52
/ ʃ / von Sunjha Kim
Sunjha Kim
2011, 11:52 Min., s/w


2011, 11:52 Min., schwarz-weiß
Regie, Schnitt: Sunjha Kim
Kamera: Rikisaburo Sato
Sounddesign: Sunjha Kim, Judith Nordbrock
Betreuung: Prof. Ute Hörner, Prof. Raimund Krumme, Prof. Dr. Peter Bexte
Produktion: Kunsthochschule für Medien Köln




Wenn ich den Zischlaut [∫] ausspreche, klingt er mir so leicht wie ein Atemzug. Für mich ist es eine Überraschung, dass dieses zischende Geräusch in der Sprache einen Sinn übertragen kann. Nicht nur der Klang, sondern auch die Form des Lautzeichens [∫] erscheint mir interessant, weil ich mit dieser graphischen Gestalt eine Schlangenbewegung assoziieren kann. Ein Film über die freie Interpretation und die Rekonstruktion des Lautzeichens [∫]. 


Interview mit Sunjha Kim


Der Film ist eine freie Interpretation eines Lautzeichens. Wie bist Du auf die Idee gekommen, ein Projekt über [∫] zu machen? Ist das Zeichen im Koreanischen bekannt?
In Südkorea habe ich das Zeichen [∫] sowohl in der englischen Literatur, als auch in der Mathematik als Integralzeichen kennengelernt. Außerdem ist die Schlangenlinie [∫] in meiner Heimat als die Linie der Schönheit bekannt und wird oft mit weiblichen Körperlinien (der S-Linie) verglichen. Die Idee für das Projekt entstand 2010 in Deutschland. Während meines Studiums an der KHM musste ich viele Texte auf Deutsch schreiben, dabei benutzte ich oft die deutschen Wörter: Sprechen, Schreiben, Schweigen, Schwarz, Sterne, Stein u. a. Irgendwann bemerkte ich, dass meine Lieblingswörter fast alle mit einem Zischlaut anfangen und die Begegnung mit [∫] war reiner Zufall, jedoch wollte ich das Lautzeichen immer weiter sehen und hören.

Elemente Deiner Arbeit sind eine meditative suchende Kamera, eine assoziative Montage und der Einsatz sehr vieler graphischer Linien. Wie prägt das den Film?


Wenn man das Zeichen [∫] in Ruhe betrachtet, erscheint es, als ob sich die Schlangenlinie sanft hin und her bewegt. Der obere Teil der Schlangenlinie steigt langsam hoch, während der untere Teil leicht nach unten gleitet. Die Kamerabewegung folgt der senkrechten, gegenseitigen Bewegung des Zeichens und damit bewegende Motive wie eine lebendige Schlange, atmende Körper, schwingende Steine und fallendes Wasser. Die senkrechte Kamerabewegung und Auswahl der Motive stellt meine Interpretation des Zeichens [∫] dar, vielleicht auch ein Gefühl von mir, ein schwebendes und sinkendes Gefühl in der Gewichtslosigkeit des Raums.
Danken möchte ich dem Kameramann Rikisaburo Sato für die tollen Aufnahmen. Als ich mit dem Dreh in Island angefangen habe, hatte ich nur abstrakte Bilder im Kopf. Rikisaburo hat viele Szenen vor Ort improvisiert gedreht, manchmal eigenartig schöne Bilder aufgenommen. Ohne ihn wäre der Film ganz anders.


Der Originalsound und das Sounddesign schaffen eine dichte Atmosphäre im Film. Erschließt sich Dir das Zusammenspiel von Bild und Ton während der Montage oder bereits während des Drehs?
Vor dem Dreh hatte ich schon einige Soundbilder im Kopf. Als ich mir die erste Szene mit bewegenden Körpern vorstellte, klang in mir ein leises, zartes Atemgeräusch. Die letzte Szene mit Mund und Stein wollte ich in absoluter Dunkelheit und Ruhe lassen. Vom Gefühl dachte ich, ein schwarzes Bild passt gut zum schweigenden Moment. Viele Töne und Bilder sind erst beim Dreh und bei der Postproduktion entstanden. In Island und Deutschland habe ich viele zischende Geräusche gesammelt z. B. Wasserrauschen, Windgeräusche, Atemzüge und Zischlaute. Aus diesem Soundmaterial habe ich passende Töne für die Bildmontage ausgesucht und teilweise noch einmal neu aufgenommen.    


Text — Daniel Sondermann




Sunjha Kim wurde 1983 in Anyang, Südkorea geboren. Sie lebt und arbeitet in Köln. Nach ihrem Bachelor of Fine Arts in Seoul National University absolvierte sie ein grundständiges Studium an der Kunsthochschule für Medien Köln von 2007 bis 2011. Diplom im Bereich Kunst mit dem Experimentalfilm [∫]. Mehr über Sunjha Kim und ihre künstlerischen Arbeiten erfahren Sie auf den Seiten des inter media art institute imai.


Aktueller Film
Y YAAB LA A BOÊ? („Who Is Your Grandfather?“)
D 2016| 23 Min.| Regie: Sunjha Kim, Co-Regie / Kamera: Rikisaburo Sato


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Der programmatische Fokus liegt dabei auf kurzen, audiovisuellen Formen mit eigenständiger künstlerischer Handschrift und einer hohen Sensibilität für ihr Sujet. Abstrakte visuelle Experimente stehen neben dokumentarischen Formaten, Found Footage-Filme neben Performancevideos, nicht-narrative Musikvideos neben 3D- oder Stop Motion-Animationen.

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