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First Steps Nominierung - Juriebegründung 22.08.2006
Der Sohn Gottes – The Son of God:
Wie sich ganz unterschiedliche Menschen mit den geistigen
und praktischen Problemen einer öffentlichen Darstellung
des Leidens Christi auseinandersetzen, das zeigt dieser
hervorragend recherchierte Film ohne respektvolle Distanz,
aber nie ironisch oder verletzend.
www.firststeps.de
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Ausburger Allgemeine 28.03.2006
Kreuzigung mit Feuerwerk
Drehort Passionsspiele: Otto Dietrichs Dokumentarfilm
„Der Sohn Gottes“
Von Peter Szarafinski
Wie litt Jesus in den
Tagen vor seiner Kreuzigung?Otto Dietrich sucht in seinem
dokumentarischen Film „Der Sohn Gottes –
Son of God“ nach Antworten auf diese Frage. Nicht
bei Theologen, sondern bei zwei amerikanischen
und zwei deutschen Passionsspielen, darunter natürlich
auch in Oberammergau. Im dortigen kleinen Kino fand
am Wochenende die Film-Premiere statt.
Der Streifen ist die Abschlussarbeit des 35- jährigen
Dietrich für sein Postgraduierten- Studium an der
Kölner Kunsthochschule für Medien. Der Film
gehört zur angenehmen Sorte von Dokumentarwerken,
die ohne einen Off-Sprecher auskommen und die Gesprächspartner
selbst alles wesentliche sagen lassen. Dabei traf Dietrich
eine kluge Auswahl: So in Engerazhofen bei Leutkirch
einen Jesus-Darsteller, der – noch am Kreuze hängend
– hört, wie schon die ersten eiligen Zuschauer
mit dem Auto heimfahren; so in Colorado Springs einen
Pfarrer, der mit den Mitteln seines mitreißenden
Auftretens auch Gebrauchtwagen veräußern
könnte; und in Oberammergau Christian Stückl,
der heute Intendant des Münchner Volkstheaters
ist und einst als Regisseur der Passionsspiele ausgerechnet
in Kneipen und Diskotheken nach Jesus-Darstellern suchte.
Dietrich erzählt unmittelbar, manchmal auch unvermittelt.
Er macht sich nicht die Mühe, alles zu erklären.
Sein Film tritt künstlerisch ambitioniert auf;
gleichwohl mangelt es zuweilen am Handwerklichen: Mancher
Szene hätte ein Kamerastativ, manchem Interview
ein eigener Kameramann gut getan. Doch das schmälert
das Seherlebnis kaum. Denn die Gesprächspartner
sind interessant genug.
Die Bibel als Hollywood-Skript
Der Pfarrer aus Colorado Springs begreift die Bibel
als ein wörtlich zu nehmendes Kurzskript für
ein gewaltiges Hollywood-Epos. Also müssen Engel
und Dämonen von der Decke auf die Bühne herabschweben,
also muss bei der Geißelung das Blut Jesus bis
in die vorderen Zuschauerränge spritzen, also muss
dessen Sterben an einem sich drehenden Kreuz von einem
Feuerwerk begleitet werden. Auch sollte der Hauptdarsteller
gut ausgewählt sein: „Ich will einen Jesus,
der am Kreuz gut ausschaut.“ Das Leiden Christi
als emotionsüberladene Erweckungsshow.
Dietrichs Film lebt von Kontrasten. Hier die aufwändige,
mit viel Special Effects versehene Show, die jeden noch
so abgebrühten Atheisten vom Hocker reißen
soll, dort die von Pfarrgemeindemitgliedern getragene
Laienproduktion. Und doch haben beide Sichtweisen mehr
gemein, als auf den ersten Blick zu vermuten ist. Denn
stets geht es um die Frage, wie das Leiden von Jesus
dem Publikum näher gebracht werden kann. Das lässt
sich auf der Bühne sowohl mit lärmendem Geschrei
als auch mit beklemmender Stille erreichen.
Jetzt soll Dietrichs Film erst einmal auf Festivals
die Runde machen. Große Hoffnungen, einen Kinoverleih
zu finden, hat der aus dem Ries stammende Regisseur
nicht. Aber vielleicht kann man sich ja einmal bei Arte
im Fernsehen durch diesen Streifen auf die Suche nach
Jesus machen.
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