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State Modulator
ein Medien-Objekt von Alfred Banze
Grösse: 5 x 5 m, Höhe 2m

State Modulator wurde für die Ausstellung "Der Stein der Weisen" im Herbst 2000 im ehemaligen Bundestag in Bonn realisiert, einer Veranstaltung des Forschungszentrums Jülich zum "Jahr der Physik" der Deutschen Forschungsgesellschaft.

Interaktives Objekt: 6 Theremin-Module, Director-Anwendung, 1 Rechner, Split auf 6 Monitore, 6-Kanal Audio, 6 Hologramme, getriggerte Nebelmaschine.

"...Ein riesiger schwarzer Donut auf Stelzen, ein Ufo mit Startabsichten." "Was ist das für ein Gerät?" "Dadrin ist was!"

Ein großer schwarzer Kunststoffring stösst fremdartige Klänge und Nebel aus. Sechs darin eingelassene bullaugenförmige Fenster locken die Betrachter, sich das Innere näher anzuschauen. Ihre Bewegungen werden mit Hilfe von 6 Sensorbereichen vor den Sichtfenstern, midifizierten Theremin-Modulen, ausgewertet und bestimmen die Ereignisse im Inneren der Röhre.

Soundsamples diverser ethnischer Schöpfungs- Jagd- und Beerdigungsrituale bewegen visuelle Samples aus dem Nanospace.

"Alle Körper bestehen aus Atomen - kleinen Teilchen, die sich pausenlos bewegen, bei kleinen Abständen sich anziehen, sich aber abstossen, wenn sie sich zu nah kommen." R. Feynman, in M.I. Kaganow: Grundzüge der Festkörperphysik 1994

Nähert sich ein Betrachter einem der Bullaugenfenster, so scrollt er durch die Bewegung seines Kopfes oder der Hände durch die Soundsamples. Hält er in der Bewegung inne, kann er die merkwürdigen Sounds ausführlicher anspielen. Jeder der 6 Sensor-Bereiche hat seine eigenen lokalen Sounds, und die Addition mehrerer benutzter Bereiche durch mehrere Betrachter schafft ein mehr oder weniger volles Klangbild im Raum.

Die Summe der akustischen Ereignisse bestimmt die Modulationen des visuellen Materials und gibt diese an die 6 Monitore der Sichtfenster der Installation weiter. Die Bewegungen jedes Betrachters beinflussen die individuellen Sounds, aber jeder Betrachter sieht das gleiche, die Summe der Beeinflussungen.

Schaut man in eines der Bullaugen-Fenster, so bleibt es unklar, ob es sich um 2- oder 3-dimensionale Gebilde handelt, die sich im leeren Inneren bewegen. In der Mitte des Kunstoffringes scheint ein Lichtring zu schweben. Hinter den Bullaugen sitzende Hologramme erzeugen diesen Eindruck. Die Videobilder bewegen sich scheinbar entlang dieses Lichtringes. Sie werden von 6 unter dem Kunststoffring sitzenden Monitoren in die sichtbaren Bereiche hinter den Bullaugen eingespiegelt.

Sind alle Sichtfenster von Betrachtern benutzt oder laufen einzelne Betrachter sehr schnell um das Objekt herum, wird es sehr laut. Das Bild- und Tonmaterial wird dabei shutter-artig zerhackt, und theatral angestrahlter Rauch tritt aus dem Objekt und lässt die Betrachter zurückschrecken.

"Vorsicht! Ist das Gerät kaputt?"

Bilder von der Grenze des Noch-Sichtbaren. Kristalline Systeme. "Ornamentale" Systeme. Siliziumverbindungen, Silikate. Fraktale in Mikrostrukturen. Radiolaren, Plankton, Korallen, Algen. Analogien, Symmetrien.






Elektronische Hilfsmittel visualisieren, interpretieren. Die Grenze zwischen Modell und Experiment, Simulation und empirischer Forschung ist fliessend. Und: die dabei entstehenden Bilder sind von irritiernder Schönheit. Gott sei Dank!

Ritual und wissenschaftliches Experiment. Inwieweit gibt es da Verwandschaften?

In Gesprächen bestätigten mir Jülicher Naturwissenschaftler, dass der Erfolg ihrer Forschungsprojekte nicht immer nur objektiven Gesichtspunkten unterliegt. Vielmehr bestimmt die Eigendynamik der institutionellen Hierarchie entscheidend die Forschungsergebnisse. Ellenbogenkämpfe, Ersatzkriege, Polemiken, Revierverhalten, alles Dinge die in jedem Haushalt anzutreffen sind (oder in jedem Urwald), aber meines Erachtens als Faktor der naturwissenschaftlichen Forschung nicht genügend honoriert werden. "State Modulator" thematisiert diese zwischenmenschlichen Aspekte naturwissenschaftlicher Experimente.

In diesem Zusammenhang gesehen hat der unbeirrbare Glaube der Wissenschaft an die Objektivität etwas Rituelles. Seit Anbeginn aller Erkärungsversuche der Schöpfung sind die Modelle in kollektiven Prozessen gereift, und erst diese Prozesse schufen die jeweiligen Allgemeingültigkeiten. Das vielbeschworene Glück der Wissenschaftler des gemeinsamen Arbeitens an der Sache, ist es nicht ähnlich der Erleuchtetheit der Auserwählten einer heiligen Kaste?

Das Bildmaterial für die Installation stammt vom Forschungszentrum Jülich, der Abteilung Festkörperphysik und aus dem Internet. Das Material wurde von seiner wissenschaftlichen Bedeutung befreit. Es gibt keine vermittelnden Texte, die Bilder sprechen allein durch ihre Schönheit. Und doch sind sie für ein Fachpublikum wiedererkennbar und gestalten so eine hierarchische Struktur.

Ebenso die Klänge. Die Samples der Jagd- Schöpfungs- und Beerdigungsrituale erschrecken teilweise durch ihren merkwürdigen, vulgären Klang. Sofort sind sie als Sounds "ethnischer Minderheiten" kategorisierbar. So schaffen sie eine hierarchische Struktur, wieder durch das Previleg der Gebildetheit Einiger, aber auch durch das Vorurteil und das "gesunde Volksempfinden" Anderer.

Darüberhinaus bietet das Material natürlich auch die Möglichkeit der "naiv" ästhetischen Rezeption, einem eher magischen Prozess, der bei Kindern öfter und bei Erwachsenen in unbedachten Momenten auftritt.

Bei der kollektiven Rezeption des Objektes "State Modulator" entstehen ständig neue hierarchische Strukturen. Neugier und Vorurteil, Frustration wegen des stillen Eingeständnisses der Ungebildetheit, Spieltrieb, Auftrumpfen wegen Detailwissen, etc., das sind die verborgeneren interaktiven Faktoren des Objektes "State Modulator".