Deutsch
trainiert
Vier
Künstler und "Das Fremde" bei Koch und Kesslau
Der Galerieraum ist eine Mischung aus Ethno-Museum
und Kinderzimmer-Kramkiste. Vier Künstler, die zeitweise
in Berlin leben Alfred Banze aus Köln, Ingeborg Lockemann
aus Reutlingen, Carmen Mörsch aus Kaiserslautern und Nina
Sidow aus Pöckingen nahmen sich das Thema des Fremden,
anderen vor, vermieden allerdings soziale oder politische Bezüge,
etwa zur afrikanischen Realität. Die vier verlassen sich
ganz auf die naive Erzählkraft ihres Sammelsuriums von
Mitbringseln, dazu gibt es Urania-Plakate, Masken, Karten, Fotos.
Die in Pappregale sortierten Skurrilitäten müssen
als Anspielung auf die globale Situation genügen: hier
durch einen schlaff von der Decke baumelnden Globus, der erst
beim Betätigen eines Gebläses zur prallen Weltkugel
wird, und da durch kleine Muscheln und Stöckchen, die auf
beschrifteten Zettelchen liegen. Halb fühlt man sich wie
im Naturkundemuseum, halb wie vor einem zauberischen Ritual.
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Alfred Banze erzählt von
seinen Weltreisen am liebsten in Fotokopien, Faxen und Tagebuchnotizen.
Gleich daneben behauptet Carmen Mörsch, daß es Wunder
überall gebe und vernetzt mit roter Plastikschnur die Lebensorte
aller vier Künstler auf einer Deutschlandkarte. Gegenüber
in der "Museumspädagogischen Abteilung" können
Besucher per "Klischeekatalysator" ihre eigenen Voodoo-Masken
formen. Überzeugende Nähe zum Thema "Das Fremde"
erreichte am ehesten Ingeborg Lockemann mit lakonischen Arbeiten.
So zeigt sie ein Ladenschild, in Nigeria nach Art des Landes
gemalt. Darauf verkündet sie, eine "deutsch trainierte"
Künstlerin zu sein. Dieses "Marketing" wirkt
in der Ausstellung als einzige kulturkritische Pointe. Wer sich,
wie und wo auch immer, das Fremde, das andere aneignen will,
wird sich ja doch nicht vom eigenen kulturellen Hindergrund
abkoppeln können. Dieses simple Scheitern teilen die vier
Künstler mit. Nur der unverbissene Sinnsucher entdeckt
darin Selbstironie. (ir.)
10.02.1999
Ingeborg
Ruthe, Berliner Zeitung
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