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Einige Versuche zu antworten: Das KonTiki-Projekt teilt sich in mehrere Phasen: 1.Öffentliches Arbeiten mit Medien in "paradiesischen" Weltgegenden (Orient, Südostasien, Pazifik), 1995 2. Videofilm (7 Teile), 1996 3.Strassenperformance-Tour durch Europa, Präsentation im Internet, 1997 4. "Introvertiertes" Arbeiten mit neuen und alten Medien bei einer Reise in den Orient. Dokumentation per Internet, 1997/98 (geplant). 5.Ausstellungen in Galerien und Museen und per Internet Realtime-Verbindung zu Performances im Pazifik, 1998 (geplant). Kon-Tiki / Bodhisattva verlegte das Atelier auf die Strasse, Orte im Orient, in Südostasien und auf den Inseln des Pazifik. Alle Ton- und Musikmischungen und die meisten Bildkompositionen entstanden in öffentlichen Situationen während der Reisen. Diese Umgangsweise mit Medien diente der Zerlegung und zugleich Verdichtung der Bedeutungsebenen der Aufnahme-Situation. Filmvorführungen, Performances usw fanden einerseits ein hochinteressiertes Publikum, andererseits dienten sie als Gastgeschenk, als Tauschobjekt für eine besondere Art der Offenheit und somit auch für eine spezielle Aura des mitgebrachten Materials. In der Verarbeitung des Materials am digitalen Schnittplatz entstand eine Struktur, die einerseits ein wohlsortiertes Archiv suggeriert, Einteilung in 7 Abschnitte, Ordnung nach Art des Sequenzen usw, die andererseits eine traumartige Flut von Möglichkeiten der Assozierung bietet. Als Präsentationsform der Arbeit in Europa, im alten Land, entwickelte ich eine multimediale Strassenperformance. Auf diese Weise entstand der direkteste Bezug zu der Arbeit in den Tropen. Durch die Irritation: Strassenkünstler=Bettler und Medien=Reichtum=Zukunftsträume re-inszenierte ich die vermeintliche Medienrezeption der Bewohner der Tropen, aber für ein europäisches Publikum. Gespräche über Geräte, Preise und meinen Lebensstandard wurden zugleich Gespräche über Sehnüchte der Fragenden. Der demokratischen Struktur eines allgemein informierten, zufällig zu den Aufführungen zusammenkommenden Publikums stellte sich eine hierarchische Struktur der Medien gegenüber. Vom Garten Eden zum Cyberspace. Einer "utopischen" Fragestellung folgte eine fragmentarische Antwort. Antwort als Prozess. Annäherung zum Thema nicht auf einen Kern hin verdichtend, sondern in der Fläche. Punktuelle Verknüpfung von weit voneinander entfernten Knotenpunkten. Nicht Schlüsselfiguren, sondern exemplarisch gewählten Figuren der Masse, der Fläche. Dann aber nicht soziologische Analyse, sondern ein Versuch von Spiegelung. Ein Vetreter der Jahoo-Such-Engine während eines Vortrages auf einer Multimedia-Messe:"Es gibt soviele Suchmeldungen zum Wörtchen "Sex". Aber: Fassen Sie doch mal alle Begriffe zum Thema "Computer" zusammen. Dann bekommen Sie ganz andere Mehrheitsverhältnisse." Computer benötigen ein sehr differenziertes Bezeichnungssystem. Die hier angewandte Sprache wächst zugleich mit der Hardware. Die Grenze zwischen Wort und Ding ist hier fliessend. Der Bedarf an Differenzierung der Bezeichnungen von Dingen schafft die Hierarchie der Wirklichkeit. Die für Computer gebräuchliche Sprache drängt die poetische Sprache ins Abseits. Eine poetische Sprache der Computer entsteht durch die Aneignung der neuen Computerwirklichkeit für eine poetische Handlungsweise . Der Bedarf an einer Differenzierung der Bezeichnungen schafft die Hierarchie der neuen Computerwirklichkeit. In seiner Rolle als Container, als Gefäss für alles und jeden wird der Computer mit seinen enormen Kommunikationsmöglichkeiten zu dem Medium von Subkulturen. Medien-Konzepte, die in den Sechszigern und Siebzigern entwickelt und verhindert wurden, Nachbarschaftsfernsehen, offener Kanal usw, können sich jetzt endlich entfalten. Bruce Chatwin in seinem Australien-Buch "Traumpfade": "Für einen Zigeuner gehört es zum guten Ton, geschickt im Telefonleitungen-Knacken zu sein und möglichst viele Telefonnummern aus aller Welt auswendig zu kennen." Eine subversive Aneignung des Mediums. Und:" Die Aboriginals in Australien haben ihre Welt ersungen. Die Strophen der Lieder ziehen sich durchs ganze Land. Der eine Stamm besitzt die einen Strophen und der nächste wieder andere. Ein poetisches Geflecht. Netzwerk. Eine künstlerische Arbeit die die neuen Medien anwendet, sucht die interessierte Subkultur nicht mehr vor Ort. Sehr schnell sieht sie sich einer globalen Öffentlichkeit gegenüber. Meine Arbeit als Künstler: Konzentration auf die Möglichkeiten des Individuums. Möglichkeiten der Anwendung der neuen Medien für Kommunikation von Individuen. Electronic Sokrates: Eine Sprecherin des Hot Wired-Online Magazines: Ein neuer Jornalismus ensteht. Die direkte Kommunikation des Jornalisten mit den Lesern, die Veröffentlichung der Dialoge verändert seine Funktion. Er investiert sehr viel Zeit in Rede und Antwort. Nicht mehr die Recherche und die Freigabe der verdichteten Erkenntnisse stehen im Mittelpunkt, sondern die Aufrechterhaltung eines Kommunikationsnetzes. Stay in contact. Die Arbeit an der Idee der Selbstbestimmung des Individuums. Aus der individuellen (schicksalhaften) Kontinuität heraus. Durch Katapultieren ans Weltende in die Unzeit. Versuch eines neuen Mediums der künstlerischen Arbeit: des Individuums. Thema: Sehnsucht nach Identität. Kollektives Ereignis: Staunend mit dem Publikum auf die Kunstfigur schauen. Etablierung utopischer Identität. Doppelwesen. Amphibienwesen. Multi-Identität. Zerstörung und Neuschöpfung individueller Plazierung im historischen Kontext. Was wäre, wenn ich von den Möglichkeiten des Individuums einfach berichten würde, über wirkliche Menschen, echte und edle Charaktere. Könnte das nicht Mut machen, positives Beispiel sein? Am Besten einfache Leute, solche, die sich keine Gedanken über die Form machen. Die sind. Was sind sie? Futter für Bilder. Für einen Fernsehabend? Meine Arbeit verfolgt einen anderen Ansatz. Wie kann die Arbeit mit Medien direkt in die Wirklichkeit eingreifen, wie kann sie Experimentierfeld des Rezepienten in einer mediasierten Wirklichkeit der unendlichen Summe von Bildebenen und Feedbacks sein. Das balinesische "Gesamtkunstwerk" Bali Agung. Es ist das Ergebnis der synthetisierenden Arbeit eines deutschen Künstlers,(Name?) der um die Jahrhundertwende starken Einfluss auf die balinesische Kultur ausüben konnte. Erst durch seine Arbeit wurden die vielen Einzelelemente, also Musik, Tanz usw. zum "Bali Agung" zusammengefügt. Glückliche Einheit einer individueller Tat im epischen Kontext. Für lange Zeit war die Tätowierung auf den Marquesasinseln in Polynesien in Vergessenheit geraten. Durch den Einfluss der Missionare wurde sie zum Teufelswerk erklärt. Dank der Archivierungsarbeit eines deutschen Arztes konnte eine fast ausgestorbene Kunstgattung einige Generationen später wieder zum Leben erweckt werden. Kontextkunst. Nicht das Werk zählt, sondern die Bedeutung des Werks im kulturellen Kontext. Die Malerei der Achtziger Jahre hat diesen Kontext verloren. Die Skulpturenschau in Münster definiert den Kontext als Perlenkette von Inszenierungen für einen kollektiven Event, das Wandeln durch die Stadt. Doch hat es mehr von einer Schnitzeljagd und der Kontext erschliesst sich durch die handliche Einsilbigkeit der vorher zu lesenden Kurzbeschreibungen. Kontextkunst= Kommentarkunst? Ist es ein Witz oder ist es Kunst? Der Kontext der Kunst wird durch die Kunst definiert, nicht durch die Verwertbarkeit in gesellschatlichen Anlässen. Jede künstlerische Subkultur schuf Kontextkunst. Volkskunst, Alltagskunst für Minderheiten. Das Skizzenhafte bedarf keiner Entschuldigung. Es ist Programm. |
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