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Script einer Sendung des Deutschlandfunk: "Tag für Tag", produziert von Andreas Main, Köln

"Kon-Tiki"
Ein Medienkünstler stellt Juden, Christen, Muslimen, Atheisten, Animisten & Co die alles entscheidenden Grundfragen.

Medienkünstler gelten in der Kunstszene als technik-verliebte Aussenseiter. Bei ihnen steht der Computer im Mittelpunkt- und all das, was da so dazugehört an virtuellen Realitäten und interaktiven Möglichkeiten. Bei aller anfänglicher Skepsis entdecken mittlerweile selbst Museen die Medienkunst. Und die Kirche? Auch hier gibt es erste Ansätze, sich gegenseitig zu entdecken. Das ist zum Beispiel der Fall bei dem Multimediaprojekt "Kon-Tiki". Medienkünstler Alfred Banze reist mit diesem Projekt derzeit durch ganz Europa und ist auch in Kirchengemeinden eingeladen. Die Multi-Media-Performance in der Kirche - Andreas Main hat sie sich angesehen. 

Eine nüchterne evangelische Kirche. Im Altarraum ein Stofftuch als Leinwand, Projektor, Notebook, Lautsprecher - der Medienkünstler Alfred Banze zeigt das Ergebnis seiner Reise um die Welt - per Film und im Internet. Während der Performance verteilt Banze Grabkerzen und bietet Äpfel an, verkleidet sich mit archaischen Masken.

Alfred Banze ist durch Südostasien und den Pazifik gereist, hat Juden, Christen, Muslime und Atheisten mit den grundlegenden religiösen Fragen konfrontiert. Meist verweigern seine Gesprächspartner eindeutige Antworten. Aber alle haben Paradiesvorstellungen im Kopf, jeder hat etwas beizutragen: zum Beispiel die These, dass die Wurzeln der vier wichtigsten Religionen und Kulturen in Garten Eden angelegt sind:O-Ton Film: "There are four rivers going of the garden of Eden (...) It´s like the four major roots of religions and cultures (...) Ost/ West."Wo kommen die Menschen her? Was kommt nach dem Tod? Wo ist das Paradies zu finden? Die Antworten hat Banze während seiner Reise aufgezeichnet. Bilder Texte und Mythen aus dem Westen kollidieren mit Paradies-Vorstellungen, wie sie etwa auf den Inseln der Südsee verbreitet sind.O-Ton Film: "Der Gott des Lichts erschuff zuerst das Wasser, das bis zum Himmelspalast stieg, der ganz aus Kristall und Edelsteinen gebaut ist. Der Gott des Lichts nahm einen Sprengwedel, segnete das Wasser und sprengte vom Himmel rechts und links. Und aus den feinen Tropfen wurden Engel geboren."

Theorien, Assoziationen und Geschichten, die oft bizarr wirken. Auch wegen der schnellen Schnitte und verwirrenden Klänge ist es oft schwer, der Text- und Bilderflut zu folgen. Und doch: Wer dieses Multimedia-Projekt während seiner Tour quer durch Europa erlebt, der bekommt den Eindruck, dass die Menscheit etwas eint: die Frage wo sie herkommen und wo sie hingehen.Ein Besucher: "Die wissen noch was vom Paradies. Die reden ja so selbstverständlich darüber (...) Wir sind so verbogen. Und es kommt alles vor. Er hat wirklich keine Ausnahme gemacht. Es kommen alle Couleurs von Religiösitäten und Atheismen vor, (...) die unterschiedlichsten Vorstellungen vom Paradies, bis hin zur Anbetung von Technik und angefangen bei ganz (...) entlegenen Völkern."

Vom Adventisten bis Atheisten, von Sikhs bis zu Zeugen Jehovas, sie reden über Engel und Teufel, über Adam und Eva - als ginge es um das Wetter. Für die Kölner Pfarrerin Gundula Schmidt ein Beleg dafür,O-Ton Gundula Scmidt: "...dass hinter allem diese Sehnsucht, diese Sucht nach Heil, nach Heilung, nach dem Paradies, nach diesen Dingen steckt. Und dass eigentlich alles Bilder-Machen auch damit zu tun hat."Sie sieht den Kern dieses Multimedia-Projektes darin, dass es für den Dialog der Religionen programmatisch ist. Stichwort: Einheit und Vielfalt.O-Ton Gundula Schmidt: "Diese Vielfalt und diese Unterschiedlichkeit - wir brauchen die Anderen, um (...) zu verstehen. So, also keiner es ganz besitzen kann. Aber deswegen es nicht heisst, dass das alles letztendlich dasselbe ist ,oder dass die Unterschiede unwichtig wären.

"Auch der Künstler von der international renommierten Kölner Kunsthochschule für Medien will sich den Vorwurf postmoderner Beliebigkeit nicht gefallen lassen.O-Ton Alfred Banze: Ich möchte gerne aufzeigen, dass das genau nicht geht. Ich stelle mich (...) dem Versuch, die Weltreligionen nebeneinander zu stellen. Ich erzeuge eine sehr hohe Geschwindigkeit des Vergleiches, ich präsentiere uralte Mythen und moderne Philosophen, ich habe eine ironische Weise des Schnittes. Und all das zielt dahin zu beweisen, dass es so einfach nicht geht. (...) Es geht nicht einfach nur, dass (....) man auf einer Oberflächlichkeit oder Geschichtslosigkeit Weltreligionen nebeneinanderstellt und damit basta."

Bei seiner Weltreise und auch jetzt bei seiner Tour durch Europa reist er mit Fahrrad mit Anänger. Banze steht den Kirchen eher distanziert gegenüber, und dennoch will er mit seiner Multimedia-Performance zeigen, dass die Computer-High-Tech-Visionen kurz vor der Jahrtausendwende von religiösen Ideen nicht zu trennen sind.

Vom Garten Eden zum Cyberspace:O-Ton Alfred Banze: "Ein technischer Cyberspace (...) hat seine Vorgeschichte in der Religion und bezieht von dorther auch den Rahmen seiner ästhetischen (...) Sprache. (...) Ich glaube, dass in der Erfindung der technischen virtuellen Welt wir nicht über die Erfindungen der religiösen Erfindungen hinausgehen können, sondern es wird immer nur eine Illustration dessen sein, was wir in den letzten tausenden von Jahren entwickelt haben."

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