Säule A
Theoretische und historische Grundlagen der audiovisuellen Medien
Kunst, Wissenschaft, Technik
Säule A enthält diejenigen Fächer, die bereichsübergreifend gelehrt werden und die gezielt der Integration des Studiums der audiovisuellen Medien in ihrem historischen und theoretischen Zusammenhang dienen. Im Durchschnitt ist im Verlauf des Studiums pro Semester eine dieser Lehrveranstaltungen zu belegen. Die Hälfte der Grundlagenveranstaltungen (also vier der insgesamt acht) sind in historischen Feldern anzusiedeln. Vier (der insgesamt acht) Lehrveranstaltungen sind mit Leistungsscheinen, vier mit Nachweisen über aktive Teilnahme zu absolvieren. Die Lehrveranstaltungsform ist in dieser Säule eine Verbindung von Basisseminar und Vorlesung, je nach zu erwartenden Qualifikations-Voraussetzungen. Zwischen den beiden Studienabschnitten gibt es prinzipiell Durchlässigkeit. Es wird allerdings dringend empfohlen, die in der Übersicht unter den Semestern 1 bis 4 verzeichneten Basisseminare beziehungsweise Vorlesungen denjenigen in der 2. Studienhälfte chronologisch vorzuziehen, soweit die Studierenden das Studium ohne breitere kunst- und medienwissenschaftliche Vorbildung beginnen. Das Hauptstudium eröffnet die Möglichkeit, über die Angebote an der Kunsthochschule für Medien Köln hinaus auch einschlägige Lehrveranstaltungen an Universitäten und anderen Akademien zu belegen sowie die geforderten Studienleistungen über die aktive Teilnahme an Symposien, workshops etc. einzubringen. Offen stehen hier sämtliche Felder der Kunst-, der Natur- und Geisteswissenschaften. Die Auswahl richtet sich nicht zuletzt nach den Projektschwerpunkten der Studierenden. Die im Grundstudium aufgeführten Angebote können im Hauptstudium unter speziellen Themenstellungen vertieft werden.
Fächerangebot im Grundstudium
Integrierte Geschichte der Audiovision
Rekonstruktion des Reichtums bisheriger Konzepte und Modelle des technisch vermittelten Sehens und Hörens: archaische Seh- und Blickkonzepte (Antike); frühe Maschinenmodelle für Hör-/ Seherlebnisse (besonders aus der Prä-Moderne); erste mechanische Bilder- und Tonmaschinen und ihre Inszenierungen; zur Industrialisierung des Hören-Sehens im 19. Jahrhundert; zur Hegemonie des Kinos in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts; zur Privatisierung der Audiovision (Fernsehen im Faschismus, Nachkriegs-Fernsehen); fortgeschrittene Audiovisionen: Telematik, Video, Computer ...
Geschichte der Künste im medialen Kontext
Entwicklung der Künste im Wechselverhältnis mit den technischen Medien. Varianten der Konkretisierung: Geschichte der Bildenden Kunst Unter besonderer Berücksichtigung jeweils neuer Bildtechnologien (von den Reproduktionstechniken der frühen Neuzeit über die Fotografie bis zu computergestützten künstlerischen Experimenten); Mediatisierung des künstlerischen Materials und Geltungsbereichs; erweiterte, interdisziplinäre und multi-mediale Kunstformen (Kunstutopien, audiovisuell bewegte Bilder, Aktionsformen, Perfomance); künstlerische Probleme der Technik-Innovation (Netzexperimente, telematische und elektronische Kunstformen; interaktive Computerkunst); Rekonstruktion der wechselseitigen Prägung und Durchdringung von Kunst und visueller Kommunikation; Dispositive des neuzeitlichen Sehens sowie der Verbindung von Philosophie, Kunst, Wissenschaft, Technologie und Alltagskultur; Wechselbeziehungen zwischen Bild, Architektur und Design; Kunst-, Design- und Architekturgeschichte als Repräsentation und Inkorporation medialer (kanonischer) Regeln; Kontextualität der Künste (Gesellschaft, Politik, Institutionen, Diskurse, Rhetorik, Publizistik); Methoden der Bildanalyse, insbesondere der Verbindung von psychohistorischen, sozialgeschichtlichen, rezeptions-ästhetischen, hermeneutischen, ikonologischen und semiotischen Fragestellungen. Filmgeschichte Entwicklung von Filmkunst, Filmindustrie und Filmverwertung im gesellschaftlichen Zusammenhang. Anhand von filmhistorischen Entwicklungen, Genres und Stilrichtungen wird Geschichte des Films dargestellt als umfassende Kunst, die andere Künste integriert: Bildende Kunst, Architektur, Fotografie, Musik, Tanz, Theater, Literatur. Vergleichende Geschichte fiktionaler und dokumentarischer Filmformen.
Medienkultur
Thematisierung der veränderten Bedingungen kultureller Entwicklung unter dem Einfluß technischer Medien - Fotografie, Film, Fernsehen, Video, Telekommunikation, Computer, Telematik - und Untersuchung ihrer Auswirkungen auf Wahrnehmung, Gedächtnis und Kommunikation, Raum und Zeit, Kunst und Architektur, Sprache und Literatur, Musik - aber auch auf den Alltag, das heißt, Erziehung, Arbeit und Freizeit.
Fernsehen als gesellschaftliche Institution
Beschreibung und Analyse der Institution Fernsehen: als Kunde ihrer Einrichtungen (juristische Bedingungen der öffentlich-rechtlichen wie privat-kommerziellen Sender), ihrer Ökonomie (Finanzen, Kapitalverflechtungen, Markt, Rechte), ihrer Produktionsweisen (filmische und elektronische Aufzeichnung, Live), ihrer Programme (Voll- vs. Spezialprogramme), vom Musik-Clip bis zur Live-Show, von der Talk-Show bis zum Live-Sport und ihrer Wirkungsweisen (auf den individuellen Zuschauer, die Gesellschaft).
Fächerangebot im Hauptstudium
Theorien audiovisueller Apparate
Spezifika, Gemeinsamkeiten und Differenzen der audiovisuellen Basisapparate (Kino, Fernsehen, Video, Computer) mit besonderem Blick auf die jeweilige Eigenart der Subjektkonstituierung (in der Wechselwirkung von Wahrnehmung und kreativer Produktion). Zu verknüpfende Zugänge: Semiologie, Psychologie/Psychoanalyse, Philosophie, Ideologiekritik, Techniksystematisierung. Theorie-Schwerpunkte: Strukturalismus, Apparatus-Debatte, historische Anthropologie, Psycho-Semiologie, Kritische Theorie.
Geschichte, Theorie und Praxis visueller Kommunikation
Einführung in die historische Entwicklung, theoretische Grundlegung und die Tätigkeitsbereiche visueller Kommunikation anhand ausgewählter Themen und Beispiele (inhaltliche Bereiche, Zeichensysteme, Medien, Institutionen und Berufe).
Musikgeschichte und -theorie
Entwicklung der Filmmusik im historischen Überblick, auditive Gestaltungskonzepte des 20. Jahrhunderts und deren medialer Bezug; auditive Rezeptionsmodelle und Musiksoziologie; die Entdeckung der elektronischen Musik - vom Thereminophon zur Computermusik; akustische Grundlagen, musique concrète, Klangsynthese, Live-Elektronik, algorithmische Komposition; Gesamtkunstwerke, Klangskulpturen und Musikmaschinen als Vorläufer multimedialer und interaktiver Kunstkonzepte; Musik und Bild, grafische Musik - Grafik zur Musik.
Computer, Kunst und Kreativität
Betrachtung computerbezogener wissenschaftlicher Fragestellungen, Theorien und Technologien, die in ihrer Aktualität, Tragweite und Fokussierung besonderen Einfluß auf die zukünftige Entwicklung der Medien, der Kunst oder der Gesellschaft im allgemeinen ausüben können. Beispiele für relevante Themenkomplexe sind: Chaostheorie, selbstorganisierende Systeme, Künstliche Intelligenz, Artificial Life, Neuronale Netze, Genetische Algorithmen, Virtual Reality, globale Vernetzung, Turing Maschinen und Automaten.
Medienrecht
Nationale und internationale juristische Rahmenbedingungen medialer Produktion wie Distribution; rechtliche Konstituierung der verschiedenen Märkte und Institutionen der Audiovisions-Medien (Kino, Fernsehen, Museen, Verlage, öffentliche und private Aussteller etc.); Verwertungsrecht; besondere Berücksichtigung des Urheberrechts unter den Bedingungen fortgeschrittener Medientechnologien.
Medienwirtschaft und Medienmanagement
Struktur und Gesetzmäßigkeiten des globalen Marktes für audiovisuelle Medien; Beschreibung und Analyse der vertikalen und horizontalen Konzentra-tionen; ökonomische Bedingungen künstlerisch-kreativer Produktion und der Distribution medialer Kunstwerke; betriebswirtschaftliche Aspekte medialer Einrichtungen mit unterschiedlichen Eigentums-formen (privat, staatlich, öffentlich-rechtlich); Mikroökonomie: unabhängige Produktionsbetriebe im internationalen Vergleich und Möglichkeiten ihrer wirtschaftlichen Basierung.
Medien, Kunst, Kultur und Umwelt
Kunst und Medienpraxis unter besonderer Berücksichtigung der Beziehungen Ökologie, Biosphäre und Technologie: Grundlagen biosphärischer Kunst und Medienarbeit; gesellschaftliche und politische Relevanz eines biosphärischen Weltbildes in der Kunst; künstlerische Vorläufer eines biomorphen Kunstschaffens; artifizielle Umwelt kontra natürliche Umwelt; Medienkunst und Naturelemente; evolutive und organische Technologien; Gaia-Kultur.



