Lisa Bosbach
Nam June Paiks „Kompositionen“. Interdisziplinäre Analyse seiner „Action Music“, Performances und Multi-Monitor-Installationen und eine Verortung seines Begriffs der „Amusik“
Das Dissertationsprojekt befasst sich mit dem medienübergreifenden Werk des koreanischen Musikers, Fluxus-, Performance- und Video-Künstlers Nam June Paik. Wie ein Roter Faden zieht sich durch sein gesamtes Œuvre die Arbeitsweise eines Komponisten, die anhand seiner Aktivitäten der 1960er/70er Jahre und ausgewählter Multi-Monitor-Installationen offen gelegt werden. Die Werkkomplexe werden in chronologischer Reihenfolge bearbeitet, da Paiks einzelne Arbeitsschwerpunkte aufeinander aufbauen und so eine stringente Entwicklung seiner Musik- und Kunstauffassung nachvollziehen lassen. Es werden Paiks frühe „Action Music“ aus dem Zeitraum von 1959 bis 1962, der seine innovative Kompositionsweise der „Amusik“ zugrunde liegt, seine langjährige Performance-Tätigkeit mit der amerikanischen Cellistin Charlotte Moorman und seine Multi-Monitor-Installationen, die auf Grund ihrer zugrunde liegenden Arbeitsweise als visuelle Musik bezeichnet werden können, untersucht.
Im Kontext der „Amusik“ wird Nam June Paik erstmals als Komponist in die Tradition Arnold Schönbergs und John Cages gestellt und seine Kompositionen einer musikalischen Analyse unterzogen. In den Performances ist neben dem musikalischen Aspekt und dem Einsatz neuer Technologien die Rolle Charlotte Moormans von besonderem Interesse. Vor allem in Kombination mit Fernseh- und Videotechnik wird offenbar, dass ihr Körper als ein lebendiges Medium eingesetzt wird. Die elektronischen Medien in Kombination mit Moormans medialisiertem Körper transformieren sie in eine Kunstfigur. Paiks kennzeichnende Arbeitsweise mit Videobändern hat ihre Wurzeln in den späten 1950er Jahren, als er seine ersten Tonbandcollagen am „Elektronischen Studio des WDR“ in Köln produzierte.
Ausgangspunkt des Dissertationsprojekts ist eine musikalische Analyse der als Kompositionen zu bezeichnenden Arbeiten, die um eine interdisziplinäre Betrachtung ergänzt und erweitert wird. Diese Vorgehensweise ist insofern notwendig, als diese Arbeiten nicht mehr eindeutig einer Gattung zugeschrieben werden können. In diesen intermedialen Ereignissen werden vielmehr mehrere Kunstdisziplinen eng miteinander verflochten und auf diese Weise neue Dimensionen des Erlebens und Erfahrens eröffnet. Bisher wurde Nam June Paiks Werk primär aus der Perspektive der Kunstgeschichte betrachtet. Ein ernsthafter Diskurs um die musikalische Dimension hat sich bislang noch nicht entwickelt. Mit Hilfe der interdisziplinären Analyse wird nun Paiks künstlerischer Standpunkt und sein erweiterter Musik- und Kunstbegriff im Kontext der verschiedenen künstlerischen und musikalischen Strömungen ab 1960 vielschichtig bestimmt.
Zur Person
Lisa Bosbach (geboren 1982) studierte 2003-2009 Kunstgeschichte und Musikwissenschaft sowie Musikpädagogik mit den künstlerischen Fächern Gesang und Klavier an der Universität zu Köln. In ihrer Magisterarbeit beschäftigte sie sich interdisziplinär mit der Performance-Tätigkeit von Nam June Paik und der amerikanischen Cellistin Charlotte Moorman. Sie arbeitete als Tutorin am Kunsthistorischen Institut der Universität zu Köln und am Museum Ludwig Köln für das Projekt kunst:dialoge. Als Kunstvermittlerin war sie u.a. für das Museum Ludwig Köln und die UNESCO-Welterbestätte Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl tätig. Seit 2010 promoviert sie an der Kunsthochschule für Medien Köln.



