Prof. Johannes Wohnseifer

Malerei und Skulptur

 
  zurück zur Hauptseite   |   Biografie  
 

FRANK FRANGENBERG ÜBER JOHANNES WOHNSEIFER

... Nur wenige deutsche Künstler haben aus der biographischen Tatsache, in einem Staat aufgewachsen zu sein, dessen Konstruktion offen für fast jede Form fiktionaler Konstruktionen war, Kapital geschlagen. Das Oeuvre von Johannes Wohnseifer macht mit einer geistigen Haltung bekannt, die die in der Nachkriegszeit so erfolgreiche Strategie eines Aufstiegs aus der Deckung endgültig erledigt durch die künstlerische Autobiographisierung eines bundesrepublikanischen Mainstreams der Mentalitäten zwischen 1949 und 1989. Ich weiß, daß es nur eine mögliche Interpretation seines Oeuvres ist, in Johannes Wohnseifer vor allem einen künstlerischen Statthalter der letzten bundesrepublikanischen Generation zu sehen, bevor die Berliner Republik ihren Namen bekam. ...

RITA KERSTING
"Wir sehen, dass auch die Mode sich über den Tod moquiert, wie auch die Beschleunigung des Verkehrs... darauf hinausgeht, alles Abbrechen, jähe Enden zu eliminieren." Walter Benjamin: Passagenwerk "Die zölibatäre Maschine zeugt durch ihre Qualen, Schatten, durch ihr altes Gesetz von einer ehemaligen paranoischen Maschine. Indessen ist sie selbst keine. Alles: ihr Räderwerk, ihr Fahrgestell, ihre Scheren, Nadeln, Geliebten und Strahlen unterscheiden sie von einer paranoischen Maschine. Noch in den Qualen, die sie zufügt, in dem Tod, den sie bringt, offenbart sie etwas Neues, eine Kraft gleich der Sonne... so als befreite der maschinelle Erotismus weitere schrankenlose Kräfte." Deleuze/Guattari: Anti-Oedipus

UNVOLLENDETE ERFAHRUNGEN
Der Besuch von Johannes Wohnseifers Ausstellung INTO THE LIGHT gleicht einer Streckenbewältigung, die mit einer grundsätzlichen Aufwärmphase im ersten Stock beginnt, und nach Erklimmen der zweiten Etage unmittelbar einen Blick auf das helle „Finish“ erlaubt. Dort erkennt man beim Eintritt schemenhaft ein weißes lichtes Bild am Ende der Schau; vor dem Erreichen, vor dem erlösenden Ziel jedoch liegt ein Parcours mit mehreren Stationen, Abschnitten und Zwischenstopps. Die Arbeiten im ersten tageslicht-durchfluteten Stockwerk bilden mit ihren unterschiedlichen Medien den inhaltlich und formalen Kern des multimedialen Netzwerkes, in das die Themen der Ausstellung INTO THE LIGHT ausfächern. "Someone who lost the light" ist der Titel des ersten, dunklen, abstrakten Bildes, das schemenhaft Licht- und Farbfetzen darstellt, ein malerisches Bild, das am Anfang steht und mit dem sich am Ende der Kreis schließt. Zwei anderen Gemälde im Raum zeigen eine Wasserflasche, bei der der Künstler das Label SPA zu DESPAIR erweitert ("Das Licht wird härter", 2002) und das unscharfe Porträt eines Mädchens, das als Anhalterin an der Straße steht und darauf wartet, mitgenommen zu werden, darunter der Text: Dead in 1979 ("I am beginning to see the light", 2001). Wohnseifer verweist mit dem Ausstellungstitel INTO THE LIGHT nicht nur auf Licht, sondern auch auf das Leichte, wie sich im zweiten Raum zeigt, wo Wohnseifers Spiegelarbeiten hängen, konvex gebogene, mit runden Löchern versehene vertikale "Lightweight Mirrors", die durch ihre durchlöcherte Materialität an sich leicht sind und unser Spiegelbild durch ihre Krümmung schlank verzerren. Sie spiegeln eine Vision, in der die festgefügte Form scheitert, verwischt, konjugierbar wird und eine Transformation von Körpern in Bilder möglich erscheint. Gegenüber von einer abschließenden riesigen Netz-Plane, auf der eine zufällige Begegnung eines ausgebrannten Hubschrauber und eines mit "Mobil-Werbung" beklebtes Rennautos stattfindet, über die sich ca. dutzend Jahreszahlen (aus dem Zeitraum von 1962 bis 2009) legen, hat Wohnseifer Collagen aufgehängt: Es sind Fotos von Rennautos, Wracks, Frauen, Landschaften und Filmstills aus "Two-Lane Black Top", einem Film von 1971, in dem ein 55er Chevy und seine Insassen ebenso porträtiert werden wie die endlosen Landstraßen, die zu schnellen Autorennen und weiten -reisen dienen. „Der Fahrer“ (James Taylor) und „der Mechaniker“ (Dennis Wilson) erfahren mit hoher Geschwindigkeit in der amerikanischen Weite eine Freiheit, die wenig mit der abenteuerlichen Aufregung von "Easy Rider" zu tun hat, sondern eher eine innere Rebellion darstellt, eine ziellose zen-artige, langsam-rasende Reise auf Highway-Schlaufen. Dem Auto wird von den beiden Jungen sachlich und zärtlich wie einer perfekten, leicht kränkelnden, geliebten Frau gehuldigt, dessen Gegenbild „das Mädchen“ (Laurie Bord) darstellt. Johannes Wohnseifer verbindet in seiner Ausstellungen Fragen der künstlerischen und gesellschaftlichen Gegenwart, die er auch hier in ein Fundament historischer Daten, Bilder und Ereignisse einbettet. Gestaltoptimierung und Geschwindigkeit, Maschinen, Auflösung, Tod und die Frage nach einem (körperlichen, geistigen spirituellen) Ziel wird in INTO THE LIGHT aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Der Über 10 m breite, auf die Wand gemalte Schriftzug SLIM FAST begleitet die Exponate im oberen Stockwerk. Er erscheint wie eine Dreifachbelichtung, wie ein sich schnell bewegendes, scheinbar vierdimensionales Menetekel an der Wand. Produktname, Handlungsanweisung und Formel fallen in eins: Schnell Dünn Werden oder Dünn (ist) Schnell. Dass Wohnseifer diese Phrase als Schriftzug an der Wand darstellt, ruft die Erinnerung an das alttestamentarische „Menetekel upharsin“ wach, das König Belsazar während eines üppigen Festmahls erschien: „gewogen und zu leicht befunden“. Diese erschreckende Vision Über die Pforte des Paradieses, an dem die Seele gewogen und je nach Gewicht Über ihren Einlass entschieden wird, wird in jüngerer Zeit auch als Anspielung auf die Weltordnungsformel „Zahl, Mass, Gewicht“ verstanden. Wohnseifers SLIM FAST bildet den Hintergrund sowohl für Collagen als auch für fünf volumenlose, leichte Skulpturen, deren Materialität auf das notwendigste begrenzt ist. Auf weißen Sockeln stehen neben einem silbernen Ghettoblaster mit "Dwarf’s Suitcase", einer selbst entworfenen funktionalen Museumsbank und einem an der Decke befestigten vertikalen dünnen Schlauch, zwei offene Quader-Skulpturen. Wohnseifer zeigt mit diesen durch gelochte Metallkanten markierten „cubes“ die Konturen einer minimalistisch-entfremdeten Vergangenheit auf, die durch transparente dünne Kanäle eine ambivalente mensch- und maschinenhafte Anmutung erhalten. Sie erinnern ein wenig an Cronenbergs rationale Hochhausarchitektur in "Parasitenmörder", wo die verzweigten Ver- und Entsorgungsschächte des klaren Gebäudes als Verlängerung der Nahrungsaufnahme- und Ausscheidungsorgane der Bewohner erscheinen. Diese Ambivalenz findet sich in den Skulpturen auch durch den Einfluss von Joseph Beuys, Eva Hesse oder Paul Thek, der das klar konstruierte Fundament, das auf Robert Morris oder Sol Le Witt verweist Überlagert, und es scheint, als wenn da in den Kuben etwas gerettet wird, das Wärme und Nährstoff benötigt. Versteckt finden sich Kapseln mit weißem Pulver, wahrnehmungserweiterndes, -beschleunigendes und -tendes speed.
SLIM FAST.
Vier Gemälde verbinden den Wand-Schriftzug und die Skulpturen durch das in Szene und Texte setzen der angespielten Themen: Tod, Geschwindigkeit, ein Mann, eine Frau, das Auto, zwei Spiegel, Fett. Aus dem langen Hauptraum der Ausstellung führen drei Kammern, von der die erste mit Collagen besetzt ist. "Speed with Style - The life of Peter Revson", 2003 zeigt schwarz-weiß-Abbildungen des 197? bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Formel I Fahrer Revson, der zu Lebzeiten nicht nur durch Geschwindigkeit, sondern auch durch schöne Frauen glänzte. Eine weitere Collagen-Serie verbindet perfekt gekleidete, schlanke, gut beleuchtete Frauenbildnisse aus Modemagazinen mit Bildern von ebenso glatten, formschönen und windschlittigen Autos sowie mit Textzeilen wie „fat is hideous“, „food makes me psycally ill“, „low fat high speed“, oder „I am stronger than food“. Ein integrierter Artikel aus der Süddeutschen Zeitung beschreibt den Verlust der Wahrnehmung bei Tempo 200. "Hirn auf Autopilot... Der Fahrer härt auf zu denken..." Über den Körper (der Frau und des Autos) als klassisches Objekt des Begehrens hinaus, als Teil einer manipulierten Maschinerie, gerät dieser zum Objekt der Gestaltung. Die Überwindung der Norm bedeutet eine außerordentliche Formfindung als andauernder Prozess zur Vollkommenheit, als gefährlicher Kampf, der in erlösende oder auflösende Vollendung mündet. Dargestellt sind facettenreiche transitorische Situationen und Zustände zwischen materieller Schwere bzw. Stillstand und der Eliminierung von Ballast durch Reduktion, rasende Bewegung und Implosion. Der Fetisch Auto dient dabei als Schablone für den menschlichen Körper, dessen altmodische Verfassung den durch geistige Entwicklung erreichten technischen Ansprächen unserer Gesellschaft auf der einen Seite nicht mehr genügt und auf der anderen Seite Überflüssige atavistische Qualitäten entgegensetzt. Die Hinwendung zur Körperlosigkeit setzt mit Thomas Edisons utopischer "Eve Future" ein und hat in den vergangenen vierzig Jahren seit der intensiven Beschäftigung mit Robotik und digitaler Technik die Frage nach dem Volumen, der Oberfläche und den Schnittstellen des Körpers intensiviert. Johannes Wohnseifers in INTO THE LIGHT geäußerte Formfragen sind vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Diskussion um Virtualität ebenso interessant und brisant, wie sein Bezug auf eine künstlerische Beschäftigung mit dem menschlichen Körper, der in die industriell hergestellten stereometrischen Skulpturen der sechziger Jahre eindrang wie ein Virus. Initiiert durch „theatralische“ Spiegelungen nahm der menschliche Körper in der Kunst tatsächlich Gestalt an und verschob die skulpturale Plattform, auf der formale Fragen der Moderne behandelt werden hin zu einer körperlichen Wirklichkeitserfahrung, die zumeist der/die Künstler/in stellvertretend repräsentierte und oftmals in Fotografien oder Videos mediatisierte - Noli me tangere. Bruce Naumans "Body as a Cylinder“, "Body as Sphere“," Wax Templates of my Body“, „From Hand to Mouth“„Space under my Hand“ oder sein Video "Gauze“, indem der Künstler kopfüber endlose Gazestreifen aus seinem Mund zieht, sind hier ebenso zu nennen wie Martha Roslers’s Å .., Eva Hesses Latex-Arbeiten oder die "Technological Reliquaries“ von Paul Thek, dessen spirituelles und repressiv-religiöses Werk für diese Ausstellung Überhaupt eine Inspiration darstellt. Der menschliche Körper und sein Maße spielen in der Kunst seit Leonardo, vor allem aber seit Albrecht Dürer eine Rolle, der das menschliche Idealmaß in minutiösen Proportionsstudien und mathematischen Berechnungen erkundet hat. Seine Auffassung, dass "Körperschönheit die Schönheit als solche sei", teilt Dürer mit der heutigen Modeindustrie, deren ideale Berechnungen für den Kollektivköper in die Formel 90-60-90 mündet, die jedoch übertroffen wird durch das berühmte virtuelle Model Kyoko Date aus Japan, das mit den Maße 83-56-82 das aktuelle Vorbild konstruiert und konstituiert. In der zentralen Kammer von INTO THE LIGHT hängen zehn die Betrachter umzingelnde Bilder, auf denen die "Thin Commandments", die Zehn Schlankheitsgebote; geschrieben stehen. Die satten Farben der in Versalien gehaltenen geheimbändischen Slogan-Texte wechseln ebenso wie die monochromen, leuchtenden, manchmal leicht spiegelnden Hintergründe. "If you aren’t thin, you aren’t attractive“„Thou shall not eat fattening food without punishing yourself afterwards“. "You can never be too thin"... die erschreckenden Gebote sind allzu bekannt bei den global vernetzten Mädchen (und zunehmend auch Jungen), die unter Anorexia-Nervosa, Magersucht und Bulimie leiden und eine völlig gestörte Körper-Wahrnehmung haben. Ihre Sucht nach Gestaltveränderung des Selbst, nach Schönheit, nach unendlicher Schlankheit gleicht einem Rausch der Auflösung, den Johannes Wohnseifer in INTO THE LIGHT auf mehreren Ebenen darstellt. Den beschwörenden Aufforderungen der "Thin Commandments" folgen seit Mitte der 90er Jahre, seit dem Aufstieg des Supermodels Kate Moss, der Verkörperung eines mythischen Frauenbildes zwischen Unschuld und Schuld, Vollkommenheit und Unvollkommenheit, zwischen Maria Mutter Gottes und Eva, immer mehr junge Frauen. Kate Moss ist die Venus der Modeindustrie und repräsentiert nach den properen 80er Jahren eine verführerische Suggestion von Authentizität durch die Integration von prozeßhafter Persönlichkeit und Lebensspuren in ihren Abbildern. Von der massenhaften Identifikation mit dem Superstar ging vor einigen Jahren für den amerikanische Präsident Bill Clinton eine solche Gefahr aus, dass er mehrmals vor der Drogenästhetik in der Mode gewarnt hat. Tritt man aus diesem reihum angeordneten Bilderzyklus im Zentrum der Ausstellung hinaus, sind es nur wenige Schritte bis zum Durchgang zum letzten Bild, einem großen Gemälde, das hinter dem Wandspalt in einem schwarzen Raum hängt und mit Spots beleuchtet ist. "See" lautet der Titel, und folgt man dieser Aufforderung, sieht man folgendes: Auf ungrundierter Leinwand werden meist weiße, sich Überlagernde Acryl-Spuren sichtbar, die beim Grundieren von anderen Leinwänden auf dieser entstanden sein mögen und sich teilweise mit spiegelndem Blendlack vermischen. Das Bild, das als eine Art Erlösungsexponat von Anfang an die Ziellinie vorgab, entpuppt sich als uneindeutiges, abstraktes Überauratisiertes Objekt, das zugleich eine Art unkontrolliertes Abfallprodukt eines materiellen Künstlerischen Beginns ist. Die vorgebliche Aufgeladenheit des informellen Bildes wirft durch reflektierende Strahlen das Licht und den Blick zurück, wird zu einer projizierenden Oberfläche und mutiert zu einer konzeptuellen ironischen Sackgasse: seine scheinbar vollkommene Spiritualität verbindet sich mit der Unvollkommenheit eines scheinbaren Ready-Mades. Johannes Wohnseifer ist kein Maler im klassischen Sinne, seine Bilder sind keine Farb-Form Kompositionen, keine malerisch-experimentellen Versuchsanordnungen, keine autonome Pinselakrobatik, sondern Mitteilungsmedien, die Essays näher sind als Gedichten. Vielleicht ist dies der Grund warum er dem letzten Bild noch ein gültigeres, zumindest glaubwürdigeres, letztendliches Bild hintan setzt, das erst in allerletzter Sekunde, sozusagen im Rückblick über die Schulter, sichtbar wird. In einem 10-minütigen Loop sehen wir die letzte Szene aus dem Film "Two-Lane Black-Top": „Der Mechaniker“ bereitet auf einem Parkplatz mit Hunderten von Autos den Chevy „55 auf das Rennen vor, „der Fahrer“ hinter dem Steuer (und mit ihm die Kamera) blickt auf die ruhige Landschaft, dann wird das Startzeichen gegeben und „der Fahrer“ und sein Gegner „G.T.O.“ beginnen das Rennen. Mitten im rasender Geschwindigkeit verlangsamt sich das Tempo plötzlich bis zur Zeitlupe; ein heller Fleck am Kopf des Fahrers wird immer größer und eliminiert das Bild. Der Film und damit der Protagonist der Geschichte, „der Fahrer“, kommt ebenso wie das Bild des Schauspielers James Taylor (das Johannes Wohnseifer mal als sein eigenes publiziert hat) zum Stillstand. Der Film bleibt stehen, das Bild schmilzt und verbrennt in der Hitze des es hervorbringenden Lichts.
"Light".

 

RAIMAR STANGE – Gegensätzliches von Johannes Wohnseifer in der Galerie Johann König

Dass ein Begriff nur Sinn macht, wenn auch sein Gegenteil sinnvoll ist dass wusste schon Philosophie-Altmeister G.W.F. Hegel. Diesen Gedanken der Umkehrung stellt jetzt der junge Künstler Johannes Wohnseifer in das Zentrum seiner Ausstellung "elimination of dialogue" in der Galerie Johann König. Dabei stellt er nicht nur Prinzipien der eigenen Arbeit vom Kopf auf die Füße, sondern ein Stück weit auch die der üblichen Ausstellungspraxis. Erstmal ist durch das große Schaufenster der Galerie kaum etwas zu sehen, stattdessen dröhnt uns laute Musik entgegen, wenn wir die Galerie betreten. Auf dem zweiten Blick fallen drei weiße Holzkisten ins Auge, dann ein langes Gemäldefries am Ende des Raumes. Schon jetzt bestimmen Umkehrungen wie "hören statt sehen" und "Leerestatt Fülle" das ästhetische Geschehen, doch es kommt noch widersprüchlicher. Denn, und genau das macht die Beschreibung der Ausstellung schwierig, Wohnseifer entwickelt hier ein dichtes Netz unterschiedlicher Referenzen, deren Quellen nicht nur unterschiedlichster Art sind, sondern sich teilweise auch durch ihre beinahe kryptische Natur auszeichnen. Hören und schauen wir also genauer hin.

Die poppige Musik, die aus zwei Ghettoblastern schallt, stammt von der Band Nerd, die Titel stammen von zwei CD¹s. Die Songs aber sind jeweils die gleichen, nur dass sie einmal mit elektronischen und dann, quasi andersherum, mit akustischen Instrumenten eingespielt wurden. "N.E.R.D." steht für "No one ever really dies" und damit wären wir bei dem Gemäldefries, das mit seinen pop-art-ähnlichen Malweise die Geschichte eines 1999 abgeschossenen amerikanisches Stealth-Fighters erzählt. Diese Flugzeuge galten als unsichtbar für gegnerische Flugabwehrsysteme, doch man hatte die jugoslawische SAM-Technik unterschätzt und so konnte nach erfolgreichem Abschuss eine serbische Bäuerin, wie in Wohnseifers Bild zu sehen, auf einer Tragfläche des Stealth-Fighters tanzen. Die Musik von Nerd verhindert also nicht nur, der Titel der Ausstellung übrigens eine Ausspruch von Hollywood-Kraftprotz Sylvester Stallone betont es, den (mündlichen) Dialog in der Galerie, sondern gibt der Bäuerin zudem musikalische Unterstützung.

Zurück zum Flugabwehrsystem: es wurde im Geburtsjahr des Künstlers in Betrieb genommen und "Cube" genannt, genau wie der "White Cube" des Kunstraumes also, auf den die besagten drei weißen Holzkuben in der Ausstellung anspielen. Im Inneren dieser Kisten sind farbige Klettergriffe angebracht, die scheinbar zur riskanten Interaktion aufrufen. Schon in der Ausstellung "German open" anno 1999 zeigte Wohnseifer solche Kuben, damals jedoch, möglichst jedwede Interaktion verhindernd, in Tarnnetzen eingepackt. Weiter mit den vorgestellten Umkehrungen: das Gemäldefries ist teilweise gemalt mit selbstreflektierender Scotchlite-Farbe, mit einer Farbe also, die statt zu tarnen, extrem sichtbar ist.

Dem in Köln lebenden Künstler gelingt es in "elimination of dialogue", nicht nur über seine widerspruchsvolle Faszination von moderner Kriegstechnologie zu erzählen, er kann diese zudem mit seinem Umgang mit "Avantgarde"-Kunst kurzschließen. Fast nebenbei schleust er noch biographische Momente mit ein in seine so konzeptionell wie sinnlich überzeugende Ausstellung. Und Johannes Wohnseifer erinnert uns daran dies kann die Berliner Galerie-Szene derzeit gut gebrauchen! das spannende Kunst auch etwas mit gedanklicher Arbeit zu tun hat.