Nocturne 39: John Cage – Roaratorio


Nocturne 39: Roaratorio. Ein irischer Circus über Finnegans Wake
von und mit John Cage.
Realisation: John Cage und John David Fullemann
Produktion: WDR Köln, SDR Stuttgart, KRO Hilversum 1979
Technische Mitwirkung: IRCAM Studio, Paris
Karl-Sczuka-Preis 1979
Lautsprecheraufführung
Über Roaratorio
Prof. Klaus Schöning

Donnerstag, 20. Oktober 2011, 20:00 Uhr
Aula der KHM (Kunsthochschule für Medien Köln)
Filzengraben 2
Köln Altstadt
Nähe Heumarkt
Eintritt frei

John Cage (1912-1992). Das weithin wirkende musikalische Oeuvre und Denken des Komponisten war eng verbunden mit seinem dichterischen und späteren bildnerischen Schaffen. Schon früh hatte John Cage das Werk von James Joyce zu Kompositionen angeregt, vor allem sein Finnegans Wake, ein vielsprachiges Schlüsselwerk der Literatur des 20. Jahrhunderts. In fünf medien­transformativen Durchschriften von John Cage, seinen so genannten Writings through Finnegans Wake fanden sie einen ganz eigenen, poetischen Ausdruck.

Mit Roaratorio. Ein Irischer Circus über ‹Finnegans Wake›, dessen Text auf der Second Writing through basiert, hatte John Cage 1979 ein weltliches Oratorium für das WDR3 HörSpielStudio, das spätere Studio Akustische Kunst des WDR realisiert. In dieser universalen Klangkomposition vereinte er als Komponist, Autor, Regisseur und Interpret zahlreiche Komponenten einer Ars Acustica als Ars Intermedia. Das bei den Donaueschinger Musiktagen ausgezeichnete Klangkunstwerk gleicht einer allumfassenden Kosmogonie aus Poesie, menschlicher Stimme, Naturlaut, Umweltklang, Geräusch, Gesang und Musik. Soundsense. Das weltweit von Radiostationen gesendete und auf zahlreichen internationalen Festivals live aufgeführte Werk machte seinerzeit die Literatur- und Musikszene in Europa auch auf den Dichter und Lautpoeten John Cage  aufmerksam. Seine Stimme, den mit den Buchstaben des  Namens  James Joyce mesostisch strukturierten Text aus Finnegans Wake im Sprechgesang rezitierend, wurde begleitet von irischen Musikern und einer polyphonen Komposition aus 2293 Klängen und Geräuschen. «Silence sometimes can be very loud». Merce Cunningham choreographierte später für seine New Yorker Dance Company ein weltweit aufgeführtes Roaratorio-Ballett zu der Klangkomposition mit John Cage live als Sprecher.

Die mit dem Roaratorio begonnene Zusammenarbeit mit dem Studio führte bis Anfang der 90er Jahre zu über zehn Hörstücken, Klang­kompositionen und Performances von und mit dem Komponisten. Zu seinem 75. Geburtstag ehrte ihn der Westdeutsche Rundfunk mit zahlreichen Aufführungen seiner Werke in der legendären 24-Stunden Marathon-Sendung NachtCageTag. In seiner Laudatio 1979 nannte Literaturkritiker Heinrich Vormweg das Roaratorio, «eine Art Weltmusik – und als eine umgreifende Utopie, zugleich eine radikale Herausforderung, anders in der Welt zu leben. Eine Utopie der Gleichheit und in ihr erreichten Friedens.”

Prof. Klaus Schöning, ehemaliger Leiter des Studio Akustische Kunst, der als  Redakteur und Regisseur die für das Studio von John Cage realisierten Werke betreut hatte, leitet diese roaratorische Nocturne ein.

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