Maximilian Haas
Performances des Passiven. Ding, Tier und Nicht(s)tun auf der Bühne
Im Rahmen meiner Dissertation untersuche und vergleiche ich drei Phänomene des Passiven, deren spezifische Handlungspotentiale in den Wahrnehmungsdispositiven unserer Alltagswelten weitgehend verdeckt sind – auf der Bühne der Performancekunst aber sichtbar werden können: Ding, Tier und menschliche Formen des Nicht(s)tuns. Dabei soll die Dichotomie von Aktivität und Passivität aufgelöst werden und die spezifische Wirkmacht der drei Akteure des Passiven in der künstlerischen Kommunikationssituation zwischen Rezipient und Objekt bzw. Performer Kontur gewinnen.
Eine parallele Lektüre von Walter Benjamin und Martin Heidegger läuft auf eine Konzeption der ästhetischen Mit-Teilung hinaus, welche die Teilhabe von Ding, Tier und Nicht(s)tun an der künstlerischen Kommunikation berücksichtigt und auf einer Ebene mit handelnden Personen beschreibbar macht. Hierbei soll die Kontur eines kunstwissenschaftlichen Begriffs von Handlung hervortreten, der auch das Wirken von Akteuren des Passiven fasst. Fluchtpunkt dieser Auseinandersetzung ist die Konzeption einer ästhetischen Ökologie, die in Analogie zu Bruno Latours politischer Ökologie entwickelt wird. Die Arbeitsthese ist also: Das Parlament der Dinge ist die Bühne der Performancekunst. Die kulturwissenschaftliche Diskussion der hier genannten philosophischen Beiträge zur Frage nach Ding, Tier und Nicht(s)tun bereitet den Boden für die kunstwissenschaftliche Analyse zeitgenössischer Performance-Arbeiten. Diese soll dazu dienen, die in der theoretischen Diskussion geschärften Begriffe zu prüfen und kritisch weiterzuentwickeln.
An Ding, Tier und Nicht(s)tun auf der Bühne artikuliert sich die obszöne Kehrseite der Handlung. An ihnen versagt die reduktionistische Dichotomie von Aktivität und Passivität, insofern beide Begriffe ihre nicht-handelnde Wirkmacht auf die künstlerische Mit-Teilung verfehlen. Erst mit ihrer Auflösung kann dazu übergegangen werden, zu untersuchen, wie genau Ding, Tier und Nicht(s)tun in der künstlerischen Kommunikation wirken.
Zur Person
Maximilian Haas (*1982, Heppenheim/Bergstr.) studierte Angewandte Theaterwissenschaft in München und Gießen. Künstlerische Projekte dieser Zeit setzten sich mit Klang auseinander, z.B. das Hörstück après-midi d’un télé-faune (HR2) oder die Installationen The City has Sex... (Les Subsitances, Lyon) und Cold Lights (Luminale08, Frankfurt/Main). Von 2009 bis 2011 war Haas als Dramaturgieassistent an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin engagiert, wo er v.a mit Konzeption und Durchführung von Festivals, Konferenzen und Reihen in den Bereichen Performance, Theorie und Musik beschäftigt war. So kuratierte er z.B. die Reihe für Performance und Live-Art Baron Saturday und das Kunstprogramm der Konferenz Idee des Kommunismus. Seit Mai 2011 Promotion zum Thema “Performances des Passiven: Ding, Tier und Nicht(s)tun auf der Bühne” bei Marie-Luise Angerer an der Kunsthochschule für Medien, Köln. Im Rahmen dieser Auseinandersetzung entstand die Performance für einen Tier-Protagonisten und sechs menschliche Darsteller Balthazar in Zusammenarbeit mit David Weber-Krebs (Hogeschool voor de Kunsten Amsterdam).



