Das Gegenüber

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Thorsten Kleinschmidt



Michaela Schweiger: "Begleiter"

Marcus Zilz: "empty Sven"

14. Marler Video-Kunst-Preis 2010

geht an die KHM-Absolventin Michaela Schweiger für ihre Video-Arbeit "Begleiter"(10 Min.). Eine "Besondere Erwähnung" geht zudem an den KHM-Studenten Marcus Zilz und seine Arbeit "empty Sven".
Für ein Stipendium an der Kunsthochschule für Medien Köln wählte die Jury den jungen Künstler Martin Kohout aus Belin aus, dessen Video-Arbeit "Moonwalk" (2:20 Min.) die Jury anregte. Die Verleihung des 14. Marler Video-Kunst-Preises an die genannten Preisträger erfolgt am 20. Juni 2010, ab 11 Uhr im Skulpturenmuseum Glaskasten Marl im Rahmen der Marler Medienkunst-Preise.

www.marl.de/skulpturenmuseum Presseinformationzum Preis
Die Jury: Prof. Matthias Antlfinger (Kunsthochschule für Medien Köln, Köln), Daniel Burkhardt (Preisträger des 13. Marler Video-Kunst-Preises, Köln),  Birgit Hauska (SK Stiftung Kultur, Medienkunst und Film, Köln), Sabine Himmelsbach (Edith-Ruß Haus für Medienkunst, Oldenburg), Dr. Philipp Horst (DASA, Dortmund), Uwe Kammann (Adolf Grimme Institut, Marl), Prof. Dr. Helen Koriath (Universität Osnabrück, Osnabrück), Dr. Uwe Rüth (Skulpturenmuseum Glaskasten Marl)

Bereits zum 14. Mal wird der renommierte Marler Video-Kunst-Preis vergeben. Dieser Wettbewerb wird von der Stadt Marl - Skulpturenmuseum Glaskasten Marl - in Zusammenarbeit mit dem Adolf Grimme Institut und der Kunsthochschule für Medien Köln durchgeführt. Die eingereichten Arbeiten sollen sich durch medienspezifische Umsetzung, Abgrenzung von einfachen Video-Dokumentationen, durch künstlerische Qualität und durch die Qualität der technischen Bearbeitung auszeichnen.

Die Jury ermittelt eine/n Preisträger/in, der/die mit einer Urkunde ausgezeichnet wird. Weiterhin erhält der/die Preisträger/in im folgenden Jahr eine Einzelausstellung im Skulpturenmuseum Glaskasten Marl. Zusätzlich wird von zwei Mitgliedern des Freundeskreises Habakuk zur Förderung des Museums ein Geldpreis in Höhe von 10.000,-- Euro gestiftet, von denen 5.000,-- Euro anteilig für einen monografischen Katalog des Preisträgers im Folgejahr vorgesehen sind. Außerdem vergibt die Jury ehrende Anerkennungen für weitere überdurchschnittliche Arbeiten, zusätzlich vergibt die Kunsthochschule für Medien ein 4wöchiges Arbeitsstipendium.

Aus insgesamt 216 Einsendungen berief die Jury im März 2010 nach intensiver Diskussion die Künstlerin Michaela Schweiger aus Berlin (2002 bis 2004 Postgraduiertenstudium an der KHM) mit ihrer Video-Arbeit „Begleiter“ (10 min) zur Preisträgerin.

Die Jury gibt dazu folgende Begründung (Ausschnitt): "In ihrer Videoarbeit 'Begleiter' gelingt es Michaela Schweiger, die Erzählungen von Bewohnerinnen der Unité d'Habitation* in eine dichte Reflexion über die Arbeits-und  Lebenswelt von Frauen verschiedener Generationen zu transformieren. Das Video beginnt mit dem Blick ins Innere einer typischen fünfziger Jahre Wohnung, in der sich ein junges Paar in den eigenen vier Wänden überglücklich wähnt. In der darauf folgenden Szene lässt eine Bewohnerin bei der Hausarbeit absichtlich einen Stapel Teller fallen und unterläuft damit die an sie gerichtete Zuweisung durch das modernistische Interieur.
Es sind die kleinen Gesten der Schauspielerinnen, die immer wieder den Aufbruch in eine neue Zeit einleiten. Die scheinbar endlos kreisende Kamera nimmt uns mit – von Raum zu Raum, von Szene zu Szene. Die sanfte und zugleich lakonische Frauenstimme einer Sprecherin, die die Bilder mit weiblichen Stereotypen kommentiert, lässt uns zu Begleitern dieser Zeitreise werden. ..."(Siehe PDF)

In der Begründung der Jury für „empty Sven“ von Marcus Zilz heißt es: "Die ganze Absurdität unserer von Computern bestimmten Alltags-und Arbeitwelt führt uns Marcus Zilz in seiner 3:10 langen Collage aus Softwareoberflächen vor. Begleitet von einer treibenden, rhythmischen Tonspur, die eine Mischung aus enervierendem Mausklicken und echten Drums ist, sehen wir bekannte Bewegungen des Cursors Kreise drehen, Icons klicken, HIER. Langsam bauen sich Ton und Bild auf, wobei das Gezeigte immer Fragment bleibt. Hier deutet sich eine subversive Vereinnahmung der Softwareoberfläche durch den
Benutzer, oder, in diesem Fall, durch den Künstler an. Sind die gezeigten Handlungen eigentlich zweckgerichtet – Programme starten, Dokumente öffnen, Markierungen erstellen – so sind sie bei „empty Sven“ latent aggressives Aufbegehren gegen die zum Teil als bevormundend empfundene Programmstruktur. Mit seiner in eine fast abstrakte Ästhetik weisende Überhöhung eigentlich aus der Bedienstruktur als notwendig definierter Handlungsabläufe unterläuft Zilz die als hegemonial entlarvten Computersysteme. Der Betrachter der Arbeit identifiziert sich mit der Frustration des Users, die sich in einer kreativen Gegenreaktion entlädt. Mit zunehmender Dauer beschwört Ziliz, auch im übertragenen Sinn, einen Systemabsturz herauf. Rückgängig, Wiederherstellen; Reload, cancel – überzeugende Metaphern in einer durch Computer bestimmten Welt."

 

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